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Astronomische Spekulationen : Leben auf der Venus – eher unwahrscheinlich!

Spektrale Signatur von Leben – oder der doch nur von unverstandener Chemie? Phosphinmoleküle auf der Venus Bild: EPA

Astronomen finden ein seltenes Molekül in der Venusatmosphäre. Die Interpretation der Entdeckung ist phantasieanregend – aber alles andere als eindeutig.

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          Gibt es Leben auf der Venus? Die Pressemitteilungen, die am Montag zirkulierten, schienen dies zumindest nahe zu legen. Astronomen um Jane Greaves von der Universität Cardiff hatten demnach in der Wolkenschicht unseres Nachbarplaneten den dreiwertigen Phosphorwasserstoff PH₃, auch Phosphin genannt, beobachtet, der als Hinweis auf die Existenz fremden Lebens Interpretiert werden könne. Die wissenschaftliche Arbeit selbst, die im Journal „Nature Astronomy“ erschienen ist, liest sich dagegen deutlich zurückhaltender: „Wir betonen, dass der Nachweis von Phosphin keine robuste Evidenz für Leben darstellt, nur für ungewöhnliche und unerklärte Chemie“, heißt es da am Ende der Studie. Und dennoch: Ausschließen wollen die Autoren Leben als Ursprung der chemischen Anomalie keinesfalls, auch wenn dies nicht die wahrscheinlichste Erklärung ist.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Astronomen hatten die Signatur des Moleküls PH₃ in Beobachtungen mit dem James Clerk Maxwell Teleskop (JCMT) auf Hawaii und dem Alma-Observatorium in der chilenischen Atacama-Wüste entdeckt. Die aufgezeichnete Absorptionslinie im Millimeterbereich des elektromagnetischen Spektrums entspricht dem tiefsten Rotationsübergang von PH₃ und kann den Astronomen gemäß durch keine andere chemische Spezies verursacht worden sein. Anhand chemischer Modelle kann aus der Stärke der Linie auf die Häufigkeit des Moleküls geschlossen werden. Etwa 20 Phosphin-Moleküle kommen demnach auf eine Milliarde Moleküle in der Atmosphäre – ein winziger Wert, der allerdings dennoch größer wäre als derjenige hier auf der Erde. Hier wird das Gas zu einem großen Teil von uns Menschen erzeugt, zum Einsatz kommt der Phosphorwasserstoff beispielsweise in der Agrarindustrie. Nachgewiesen wurde es aber auch in Verdauungssystemen von Tieren und als Produkt bestimmter Bakterienkulturen.

          So stellen sich Künstler die Phosphorwasserstoffe in der Atmosphäre der Venus vor.
          So stellen sich Künstler die Phosphorwasserstoffe in der Atmosphäre der Venus vor. : Bild: Reuters

          Dass man PH₃ zum Nachweis von Leben auf fremden Planeten nutzen könnte, wurde erst kürzlich von einigen derjenigen Astronomen vorgeschlagen, die das Molekül nun in der Venusatmosphäre gefunden haben wollen. Es ist keiner der klassischen Biomarker, die für diesen Zweck diskutiert werden, wie beispielsweise gleichzeitig existierender Sauerstoff und Methan. PH₃ ist aber ein Molekül, das hoch reaktiv ist, also schnell chemisch umgewandelt wird. Wenn es beobachtet wird, muss es daher irgendeinen verlässlichen Produktionsmechanismus geben. Im Inneren von Sternen oder Gasriesen wird das Molekül bei hohen Temperaturen gebildet und dann von dort nach außen in die Atmosphären der Himmelskörper transportiert, wo es bereits nachgewiesen werden konnte. In Umgebungen, wo die Temperaturen für diesen chemischen Prozess aber nicht hoch genug sind, muss man nach einer alternativen Quelle suchen: Und dies könnten biologische Prozesse sein.

          Ein Problem bei der Nutzung dieses Phosphorwasserstoffen als Biosignatur ist aber, dass es zur Phosphor-Chemie noch viele Fragen gibt. Selbst die biologische Phosphin-Produktion auf der Erde ist noch nicht vollständig verstanden. Die Tatsache, dass die Astronomen ihre Venus-Entdeckung nicht eindeutig mithilfe bekannter nicht-biologischer chemischer Prozesse erklären können, ist daher keineswegs besonders verwunderlich, zumal kaum bekannt ist, wie die aus irdischen Laboren bekannten chemischen Reaktionen durch die Tröpfchen der Venus-Wolken beeinflusst werden. Die Entdeckung könnte also genauso gut dadurch erklärt werden, dass es in der Venus-Atmosphäre chemische Reaktionen gibt, die wir in der Form bisher noch nicht kennen – das meinen die Astronomen, wenn sie von „ungewöhnlicher und unerklärter Chemie“ schreiben.

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