https://www.faz.net/-gwz-8qm4h

Planetares Wetter : Riesenhafte Wolkenwelle auf der Venus

Riesenhafte Schwerewelle auf der Venus. Bild: dpa

Die japanische Venussonde Akatsuki hat eine spektakuläre Struktur in der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten entdeckt. Was steckt hinter dem rätselhaften Bogen?

          2 Min.

          Die Venus, der unserer Erde am nächsten kommende, zweitinnerste Planet unseres Sonnensystems, hat historisch schon oft die menschlichen Phantasien angeregt. Die dichte Wolkenhülle des Planeten, dessen Größe etwa derjenigen unserer Erde entspricht, lud von jeher zu Spekulationen über möglicherweise lebensfreundliche Bedingungen auf seiner Oberfläche ein und inspirierte nicht nur Science Fiction Autoren zu Träumen über fiktive Bewohner. Heute wissen wir allerdings, dass es auf der Venus alles andere als einladend zugeht: die Oberflächentemperatur liegt aufgrund des durch die Wolken hervor gerufenen Treibhauseffekts bei fast 500 Grad Celsius und die Atmosphäre besteht im wesentlichen aus ätzenden Schwefelsäure Tröpfchen.

          Planetares Wetter : Riesenhafte Wolkenwelle auf der Venus

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Offene Fragen in Bezug auf unseren Nachbarplaneten gibt es aber nach wie vor, insbesondere, wenn es darum geht, seine Atmosphäre, die dort auftretenden Wetterphänomene und möglichen Vulkanismus zu verstehen. Im Mai 2010 wurde daher die japanische Weltraumsonde Akatsuki, japanisch für „Morgendämmerung“, zur Venus geschickt, wo sie im Dezember 2015 nach fünfjähriger Umrundung um die Sonne auf ihren endgültigen Venus-Orbit einschwenkte. Wie nun japanische Forscher um Makoto Taguchi von der Rikkyo-Universität in Tokio im Fachblatt „Nature Geoscience“ berichten, lies die erste von der Sonde enthüllte Überraschung nicht lange auf sich warten. Bilder der Venus, die bereits kurz nach der Aktivierung der Instrumenten zur Erde gesendet wurden, zeigten eine gigantische, bogenförmige Struktur in der dichten Wolkenhülle, die sich über rund 10 000 Kilometer Länge durch die oberen Atmosphärenschichten des Planeten erstreckte und auf den empfangenen Bildern als hellere, heißere Zone der Atmosphäre erkennbar ist.

          Japanische Venus-Sonde „Akatsuki“
          Japanische Venus-Sonde „Akatsuki“ : Bild: dpa

          Das Erstaunliche daran: das Phänomen behielt seine Erscheinung bei, obwohl die obere Atmosphäre der Venus viel schneller rotiert als der Planet selbst und die dort herrschenden Winde Geschwindigkeiten von rund 350 Kilometern pro Stunde erreichen. Nach vier Tagen, in denen die Struktur unverändert bestehen blieb, konnte die Sonde das Phänomen aufgrund seiner eigenen Umlaufbewegung um die Venus nicht länger beobachten. Als die Region nach einem Monat wieder im Sichtfeld der Sonde auftauchte, war der riesenhafte Bogen verschwunden.

          Als Erklärung für die beobachtete Struktur vermuten die Forscher ein Wetterphänomen, das von unserer Erde unter der Bezeichnung „Schwerewellen“ bekannt ist. Hier bilden sich stationäre Wolkenformationen, wenn feuchte Luft beispielsweise durch ein Gebirge nach oben geleitet wird und dort abkühlt, so dass der enthaltene Wasserdampf kondensiert. Fällt die Luft auf der Rückseite des Gebirges wieder nach unten, verdampfen die Wolken in den wärmeren Atmosphärenschichten wieder. Dieser Vorgang kann sich mehrmals wiederholen und zur Formation von parallelen Wolkenstreifen führen. Auch auf der Venus wurde die bogenförmige Wolkenstruktur über einer Bergregion beobachtet, einer „Aphrodite Terra“ genannten und fast 5000 Meter hohen Hochland-Region. Auch wenn es plausibel klingt, dass Akatsuki tatsächlich eine Schwerewelle in der Atmosphäre der Venus beobachtet hat, müssen die Details dieses Szenarios nun unter Verwendung numerischer Modelle untersucht werden, um besser verstehen zu können, wie die Schwerewellen sich bilden und wie sie sich in niedrigeren Schichten der Atmosphäre verhalten. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum das Phänomen nur im Dezember 2015 beobachtet wurde und seither verschwunden ist. Für die Erforschung des Klimas der Venus könnte diese Entdeckung einen wichtigen Beitrag leisten. In jedem Fall zeigt sich ein weiteres Mal: trotz seiner relativen Nähe ist unser Nachbarplanet immer für Überraschungen gut.

          Weitere Themen

          Ziemlich reibungsfrei

          Die Gelenke der Käfer : Ziemlich reibungsfrei

          Auch die Gelenke von Käfern dürfen nicht verschleißen und müssen gut geschmiert sein. Wie das gelingt, haben Zoologen der Uni Kiel herausgefunden.

          Topmeldungen

          Erstwähler : Diese Wahl ist ein Ausrufezeichen

          Sie sind jung, sie saßen das letzte Jahr überwiegend zuhause – und sie wurden mit Angela Merkel groß: 2,8 Millionen Deutsche dürfen am 26. September erstmals ihre Stimme abgeben. Hier sprechen zwei von ihnen.

          Schlagende Verbindungen : „Das Fechten gehört bei uns dazu“

          Finn Götze studiert Theologie, und er ist in einer schlagenden Verbindung. Im Interview erzählt er, warum er nicht Burschenschafter wurde, wie er Vorurteilen begegnet und warum Frauen auch weiterhin außen vor bleiben müssen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.