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Gesundheitssrisikio Raumfahrt : Schwerelose Hirne

Das Hirn braucht sehr spezifische Bedingungen, um einwandfrei zu funktionieren. Bild: AFP

Während wir unseren Visionen von Weltraumkolonien freien Lauf lassen, droht Ungemach von unerwarteter Seite: Scheitern die Pläne an körperlichen Grenzen, etwa dadurch, dass Gehirne der Raumfahrer verrückt spielen? Eine Glosse.

          Die Vision, eines Tages den Mond oder gar den Mars zu besiedeln, elektrisiert die großen Raumfahrtorganisationen. Sie entwickeln neue Raumanzüge und Raumkapseln, die Menschen zunächst zu unserem Trabanten und später dann zu unserem roten Nachbarplaneten befördern sollen. Ingenieure arbeiten an Trägerraketen mit hoher Schubkraft. Und auf der Internationalen Raumstation ISS testen die Bewohner, ob sie sich mit Gemüse und Salat aus eigenem Anbau längere Zeit selbst versorgen könnten.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Während Architekten ihre Entwürfe für dauerhaft bewohnte Mond- und Marssiedlungen präsentieren, liegen die Pläne für eine bemannte Raumstation, die in der Mondumlaufbahn kreist und als Sprungbrett für Flüge zum Mars dient, längst in den Schubladen von Nasa, Esa & Co.

          Ob das auch den europäischen Bürgern gefällt? Bei der Esa arbeiten die Wissenschaftler an den Plänen für eine Mondbasis.

          Doch könnte den ambitionierten Reiseplänen ein aktueller medizinischer Befund einen Strich durch die Rechnungen machen oder zumindest einen Dämpfer versetzen. Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten, China und Deutschland haben bei Hirnscans festgestellt, dass sich schon nach drei Monaten Aufenthalt in der Schwerelosigkeit die Gehirnstruktur von Astronauten so verändert, dass diese möglicherweise ihre Arbeiten und Aufgaben nicht mehr angemessen erfüllen können.

          Gesundheit versus Entdeckerdrang

          Über mehrere Jahre hinweg hatte man die Gehirne von 34 aktiven Astronauten mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) vor und nach deren Aufenthalten im Weltraum untersucht. Gut die Hälfte der Probanden hatte mehrere Monate an Bord der Internationalen Raumstation ISS verbracht.

          Wie die Forscher in ihrer im „New England Journal of Medicine“ erschienen Studie berichten, würden sich bei einem längeren Aufenthalt die Zisternen der Hirnwasserräume verengen. Dieser Raum schützt das Gehirn normalerweise vor einem Zusammenstoß mit dem Schädelknochen. Zudem verschob sich das Gehirn als Ganzes. Einige der Astronauten in der Studie hätten nach mehreren Monaten im All an einer Schwellung des Sehnervs und unter erhöhtem Hirndruck gelitten.

          Tatsächlich hatten in der Vergangenheit Nasa-Astronauten nach der Rückkehr von der ISS häufig über Kopfschmerzen und Sehstörungen geklagt. Ob die beobachteten Veränderungen des Gehirns von Dauer sind, ist noch unklar. Die Mediziner raten derzeit deshalb von einer Marsreise ab. Ob sich der Entdeckerdrang der Weltraumreisenden dadurch zähmen lässt, ist aber eher unwahrscheinlich.

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