https://www.faz.net/-gwz-85ts6

Nasa-Sonde : „New Horizons“ entdeckt auf dem Pluto Gefrorenes

„New Horizons“ fotografiert gefrorenes Kohlenmonoxid im Herzen von Plutos „Herz“. Bild: NASA/JHUAPL/SWRI

Die amerikanische Raumsonde fotografiert gefrorenes Kohlenmonoxid auf dem Zwergplaneten. Das bisherige Bild von Himmelskörpern in unserem Sonnensystem muss überdacht werden.

          1 Min.

          Drei Tage nachdem die amerikanische Planetensonde „New Horizons“ am Zwergplaneten Pluto vorbeigeflogen ist, sind am Freitagabend neue Bilder und Messergebnisse veröffentlicht worden. Sie zeigen unter anderem eine Fläche aus gefrorenem Kohlenmonoxid inmitten der auffälligen herzförmigen Gegend „Tombaugh Regio“, die schon beim Anflug sichtbar geworden war.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Noch ist nicht klar, ob sich das Material in einer Senke gesammelt hat, oder ob es dort aus dem Boden quillt. Pluto ist zur Zeit 33 Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Auf seiner Oberfläche herrschen Temperaturen um die minus 230 Grad. Gase wie Stickstoff oder Kohlenmonoxid liegen dort hauptsächlich als Eis vor.

          Etwas weiter westlich zeigen die neuen Aufnahmen Schlieren wie von Sand, der vom Wind verblasen wurde und sich hinter Hindernissen angesammelt hat. Winde könnte es auf Pluto geben, da der Zwergplanet über eine dünne Atmosphäre aus Stickstoff verfügt, die sich, wie die neuen Daten ebenfalls zeigen, noch in 1600 Kilometern Höhe nachweisen lässt. „Es könnte sich bei den Schlieren aber auch um Ablagerungen von Geysiren handeln“, sagte Jeff Moore, ein Geologe aus dem „New-Horizons“-Team, am Freitag. Solche Geysire, die nicht Wasser, sondern Stickstoff oder Methan speien, wären theoretisch möglich, falls Pluto – der kleiner ist als unser Erdmond – in seinem Inneren doch noch nicht ganz erkaltet ist.

          Die Strukturen auf der fotografierten Fläche lassen sich nur schwer erklären. Möglich sind Winde oder Geysire.

          Genau das aber zeichnet sich in den Daten von „New Horizons“ immer stärker ab. Vor allem die Abwesenheit von Meteoritenkratern in Tombaugh Regio zeigt, dass die Gegend in vergleichsweise junger Zeit verändert wurde, „vor höchstens 100 Millionen Jahren“, wie Moore schätzt. Ein weiteres Indiz dafür, dass Pluto geologisch alles andere als tot ist, zeigten Aufnahmen von Sputnik Planum, einer Ebene am Rande von Tombaugh Regio. Dort gibt es vieleckige Muster aus Gräben, in denen sich an manchen Stellen dunkles Material angesammelt hat oder durch Erosion freigelegt wurde.

          Sie könnten durch Schrumpfung der Oberfläche dieser Gegend entstanden sein oder auch durch langsames Emporquellen des eisigen Bodens. Genaueres werden die Daten verraten, die in den nächsten Wochen und Monaten die Erde erreichen werden. Schon jetzt steht aber fest, dass das unser bisheriges Bild von den Himmelskörpern am Rand des Sonnensystems revidiert werden muss.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Ein 3D-Display aus der Zukunft

          Akustische Levitation : Ein 3D-Display aus der Zukunft

          Ein Bildschirm mit dreidimensionalem Bild, das man hören und anfassen kann – wovon Technologiebegeisterte bislang nur träumten, ist jetzt in einer ersten Version an einer britischen Universität entstanden.

          Topmeldungen

          Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

          1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.

          Kein grünes Licht für Ungar : Von der Leyen kann noch nicht aufatmen

          Der Start von Ursula von der Leyens neuer EU-Kommission bleibt in der Schwebe: Der Kommissarkandidat aus Ungarn muss in die Nachbefragung. Und wegen Großbritanniens Weigerung, vor den Neuwahlen einen Bewerber zu nominieren, leitet Brüssel derweil ein Strafverfahren ein.
          Ort einer Tragödie: S-Bahnhof Frankenstadion in Nürnberg (Archivbild)

          Am S-Bahnsteig : Stoß mit tödlichem Ende

          Zwei Jugendliche sind in Nürnberg angeklagt, zwei Schüler ins Gleisbett geschubst zu haben. Die beiden Jungen hatten keine Chance: Den Angriff konnten sie nicht sehen – die Täter standen hinter ihnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.