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Landung auf Asteroiden : Hüpfmobil im Wunderland

Im freien Fall: Der kaum dreißig Zentimeter große Lander „Mascot“, aufgenommen von seiner Muttersonde vor dem Auftreffen auf Ryugu. Der Asteroid erhielt den Namen des Unterwasserpalastes eines mythischen Seedrachens. Bild: Jaxa

Die deutsch-französische Raumsonde „Mascot“ ist auf dem kohlrabenschwarzen Asteroiden „Ryugu“ gelandet. Allerdings lag sie danach erst mal auf dem Rücken.

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          Ohne Bremsraketen oder Steuerdüsen musste die kleine Sonde auskommen. Nicht einmal ein Landegestell hatte man ihr angeschraubt. Als blanker, zehn Kilo schwerer Kasten von der Größe eines Mikrowellenherds wurde sie am frühen Mittwochmorgen vergangener Woche von ihrem Mutterschiff, der japanischen Raumsonde „Hayabusa 2“ getrennt und aus 51 Meter Höhe auf eine steinige Oberfläche fallen gelassen. Nach sechs Minuten prallte sie dort das erste Mal auf und sprang danach noch einige Male torkelnd empor, bis sie zur Ruhe kam.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es klingt ziemlich lieblos, wie da mit einem Stück deutscher Wertarbeit umgesprungen wurde – der „Mobile Asteroid Surface Scout“, kurz Mascot, war vor seinem Start mit Hayabusa2 vor vier Jahren in Bremen zusammengeschraubt worden, am Institut für Raumfahrtsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dabei ist die gemeinsam mit französischen Wissenschaftlern entwickelte Kiste eine Premiere: Sie ist die erste europäische mobile Landesonde. Oder besser: war, denn nach 17 Stunden Betrieb verstummte das Gerät. Das lag nicht etwa an dem rohen Abwurf, sondern ganz planmäßig an der Erschöpfung der Batterien, die sogar eine Stunde länger durchhielten als erwartet. Der Sturz war zudem kaum härter als der Fall der kleinen Alice ins Kaninchenloch, mit dem die Geschichte von „Alice im Wunderland“ beginnt, was die Forscher wohl dazu veranlasste, die Landeregion nach jener Erzählung des britischen Mathematikers Lewis Carroll zu benennen.

          Der Herbst der Asteroiden

          Mascots Wunderland liegt auf dem erst 1999 entdeckten Asteroiden „Ryugu“, einem jener vielen hunderttausend Steinbrocken, die hauptsächlich zwischen den Bahnen des Mars und des Jupiter um die Sonne ziehen. Etliche kreisen aber auch nahe der Erdbahn. Zu ihnen gehört der von Hayabusa2 besuchte Ryugu, aber auch Bennu, der im Dezember von der Nasa-Sonde „Osiris-Rex“ angeflogen werden wird. Sowohl die japanische wie die amerikanische Mission haben das Hauptziel, Gesteinsproben von der Oberfläche ihrer Reiseziele aufzulesen und zur Erde zu bringen. Das Interesse an Zusammensetzung und physikalischen Eigenschaften solcher Körper ist zunächst einmal grundsätzlicher Natur. Asteroiden wie Ryugu und Bennu sind älter als die Erde. Die Materialien, aus denen sie bestehen, wurden nie aufgeschmolzen, vielleicht noch nicht einmal nennenswert erhitzt. Seit den Anfängen des Sonnensystems vor 4,57 Milliarden Jahren wurden sie kaum verändert und können daher Aufschluss über dessen Entstehung geben.

          Für alle, denen Naturgeschichte ganz egal ist, haben Planetologen noch ein anderes Argument dafür parat, warum Asteroidenforschung sinnvoll ist: Es kann nämlich passieren, dass solch ein Brocken einmal auf einen Kollisionskurs zur Erde gerät. Dann ließe er sich unter Umständen von seiner Bahn so weit abbringen, dass er die Erde doch noch verfehlt – sofern man genau weiß, wie solche Objekte aufgebaut sind. Bennu und Ryugu sind mit Kalibern von rund 250 beziehungsweise 900 Metern vergleichsweise klein. Der Brocken, der vor 66 Millionen Jahren zum Untergang der Dinosaurier beitrug, war mehr als zehn Kilometer groß. Aber auch Hundert-Meter-Brocken könnten auf der Erde erheblichen Schaden anrichten. Für die Forscher haben sie den Vorteil, dass ihr schwaches Gravitationsfeld es ungemein erleichtert, von dort Gesteinsproben zur Erde zu bringen. Für Landesonden jedoch wird es schwieriger.

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