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Raumsonde Dawn : Nebel auf dem Zwergplaneten

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Der Occator-Krate, aufgenommen von der Raumsonde Dawn aus einer Höhe von 4425 Kilometern. Darstellung in Falschfarben, die die Unterschiede in der Oberflächenzusammensetzung hervorheben. Rot entspricht dem Wellenlängenbereich um 0,97 Mikrometer (nahes Infrarot), Grün dem Wellenlängenbereich um 0,75 Mikrometer (rotes, sichtbares Licht) und Blau dem Wellenlängenbereich um 0,44 Mikrometer (blaues, sichtbares Licht). Bild: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Bei den mysteriösen weißen Flecken auf dem Asteroiden Ceres handelt es sich offenbar um verkrustetes Eis, Mineralien Ablagerungen und um Nebel. Das schließen die Astronomen aus den jüngsten Bildern der Raumsonde Dawn.

          Das Rätsel um die ungewöhnlich hellen Flecken auf dem Zwergplaneten Ceres scheint gelöst: Nach neuen Aufnahmen der amerikanischen Raumsonde „Dawn“ bestehen die auffälligen Strulkturen aus Salzmineralen und mancherorts auch aus Wassereis. Das berichten Forscher um Andreas Nathues vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen in der Zeitschrift „Nature“ (doi: 10.1038/nature15754). Sie haben Detailaufnahmen der Sonde ausgewertet, die unter anderem im Sonnenlicht eine Art Nebel über dem auffällig hellen Occator-Krater auf dem Zwergplaneten zeigen. „Offenbar verdampft dort Wasser und trägt kleine Teilchen mit sich“, erläuterte Nathues in einer Mitteilung seines Instituts.

          Seit dem Anflug der Raumsonde auf den Zwergplaneten Anfang dieses Jahre spekulieren Astronomen über die Natur der hellen Flecken, die bereits in den ersten Bildern sichtbar wurden. Zu den Vermutungen über ihre Zusammensetzung gehörten Salzminerale und Wassereis. Das scheinen die Beobachtungen nun zu bestätigen. Das Licht, das von den mehr als 130 hellen Flecken reflektiert wird, unterscheidet sich demnach deutlich von dem aus anderen Regionen des Zwergplaneten.

          Detailansicht des Occator-Kraters:  Mehrere helle Teilflecken lassen sich erkennen. Den innersten Teil des Kraters bildet eine Art „Krater im Krater“ mit einem Durchmesser von zehn Kilometern und einer Tiefe von etwa einem halben Kilometer.

          Es ähnelt in Laborvergleichen dem Licht mancher irdischer Minerale. „Die plausibelste Interpretation unserer Ergebnisse ist, dass sich unter der Oberfläche von Ceres zumindest stellenweise eine Mischung aus Eis und Salzen erstreckt“, berichtete Nathues. Diese Zusammensetzung kann unter Umständen auch die geringe Dichte des Zwergplaneten erklären.

          Ein feuchter Asteroidengürtel

          Mit dem europäischen Weltraumteleskop „Herschel“ hatten Atstronomen bereits früher Hinweise auf Wasserdampf bei Ceres gefunden, aber erst mit der Sonde der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa ließ sich der Dampf jetzt im Occator-Krater lokalisieren. Dieser Krater ist in kosmischen Maßstäben besonders jung. Aus seinen scharfen Kanten und den wenigen Einschlägen an seinem Boden schließen die Astronomen, dass er erst vor etwa 78 Millionen Jahren entstanden ist. Das Wasser dünstet dort noch aus, während es bei älteren hellen Flecken bereits weitgehend verschwunden sein könnte.

          Wenn Sonnenlicht auf den Occator-Krater trifft, entsteht dort eine Art Nebel aus Staub und verdampfendem Wasser. Dieser Nebel lässt sich nur aus einer seitlichen Blickrichtung wie hier entdecken.

          „Wir sehen aktuell wahrscheinlich Überreste eines Verdunstungsprozesses, der an verschiedenen Stellen verschieden weit fortgeschritten ist“, erläuterte Nathues. „Möglicherweise handelt es sich dabei um das Endstadium einer vormals noch aktiveren Periode.“ Die Ergebnisse zeigten, dass sich unterirdisches Eis möglicherweise auch im vergleichsweise sonnennahen Asteroidengürtel seit der Entstehung des Sonnensystems halten konnte. Die sonnennäheren Gesteinsplaneten Mars, Erde, Venus und Merkur haben dagegen ihr Wasser verloren, wobei die Erde den gängigen Vorstellungen zufolge von Asteroiden oder Kometen aus den Außenbezirken des Sonnensystems abermals „bewässert“ worden ist.

          In einer weiteren in „Nature“ erschienenen Studie haben Forscher um Maria Cristina De Sanctis vom italienischen Institut für Astrophysik (INAF) Hinweise auf spezielle Ammoniak-Minerale entdeckt (doi: 10.1038/nature167172). Die Beobachtung legt nahe, dass während der Entstehung von Ceres Ammoniak mit seiner Oberfläche reagiert hat. Da Ammoniak-Eis nur bei den kalten Temperaturen im äußeren Sonnensystem stabil ist, spekulieren die Wissenschaftler, dass Ceres dort entstanden und später nach innen gewandert sein könnte. Alternativ könnte der Zwergplanet kieselgroße Einwanderer aus dem äußeren Sonnensystem aufgesammelt haben.

          FAZ.net, dpa, mli

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