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Raumfahrt : Trallala

  • -Aktualisiert am

Lalala, komponiert von Julien Civange und Louis Haeri, wird vermutlich nicht das meistgespielte Musikstück des Universums werden. Das Stück ist seit sieben Jahren im Planetensystem unterwegs - aber noch ungehört.

          „Lalala“, komponiert von Julien Civange und Louis Haeri, wird vermutlich nicht das meistgespielte Musikstück des Universums werden. Zwar ist das Stück seit sieben Jahren im Planetensystem unterwegs und hat in dieser Zeit schon rund vier Milliarden Kilometer zurückgelegt, es bleibt aber ungehört.

          Und in wenigen Tagen hat sein letztes Stündlein endgültig geschlagen: wenn die CD, auf die „Lalala“ zusammen mit drei weiteren, speziell für "Huygens" entwickelten Kompositionen der beiden französischen Künstler gebrannt wurde, zusammen mit dieser Sonde auf dem Saturnmond Titan niedergeht. Damit wird den Werken im Weltraum dasselbe Schicksal beschieden wie dem Initiationsgesang der Pygmäen-Mädchen im Ituri-Regenwald in Zaire, der auf einer Bild-Ton-Platte an Bord der amerikanischen Voyager-Sonden bald das Sonnensystem verlassen wird. Oder die ebenfalls auf dieser Platte festgehaltene Gavotte en rondeaux aus der Partita Nummer 3 in E-Dur für Violine Solo von Johann Sebastian Bach.

          Zahl der Zuhörer ungewiß

          Daran werden auch die Abspielgeräte nichts ändern, die diese Sonden mit sich führen; denn niemand wir sie je in Betrieb setzen. Etwas dem Zugriff des Menschen zu entziehen heißt nämlich nicht auch gleich, es für die Ewigkeit zu bewahren. Das gilt schon gar nicht für Schöpfungen des menschlichen Intellekts. Selbst die robusten, auf Metallplatten gravierten "Botschaften" der amerikanischen Pioneer-Sonden, die verschlüsselt Auskunft über ihre Absender geben sollen, werden im Laufe der Zeit infolge der Erosion durch interstellaren Staub vernichtet.

          Auch kosmisch ist jenen oft mehr - wenngleich nur recht kurzer - Erfolg beschieden, die sich mit ihrem Produkt an die breite Masse wenden. Abermillionen von Menschen dürften im Jahr 1970 im Reich der Mitte die Hymne "Der Osten ist rot" gehört haben, wie sie der erste chinesische Satellit aus dem Weltraum dudelte. Exklusivität mit Niveau zu verwechseln ist schon dumm genug. Die Zahl der Zuhörer auf null zu reduzieren ist der Gipfel - der nur Ingenieuren einfallen kann.

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