https://www.faz.net/-gwz-tpwr

Raumfahrt : Purzelbaum-Rückwärts-Manöver

  • Aktualisiert am

Die Discovery, von der ISS aus fotografiert Bild: AP

Butterweich angedockt: Der Crew der Raumfähre „Discovery“ gelang im All in der ISS-Parkbucht ein Bilderbuchmanöver. Vor dem Ausstieg inspizierte die Crew den linken Flügel. Möglicherweise sind dort Hitzekacheln beschädigt.

          2 Min.

          Der Space-Shuttle „Discovery“ hat am Montag abend an die Internationale Raumstation ISS angedockt. Das Manöver verlief so reibungslos, „wie man es sich nur erträumen konnte“, lobten Nasa-Vertreter in der Nacht zum Dienstag im Kontrollzentrum Houston (Texas).

          Wenig besorgt zeigten sich die Experten über Anzeichen für den möglichen Aufprall von Objekten an der Spitze des linken Flügels. Allerdings war die siebenköpfige Shuttle-Crew gleich nach der Begrüßung durch die drei ISS-Langzeitbewohner von der Nasa beauftragt worden, die betreffenden Hitzekacheln mit einer Kamera am Shuttle-Roboterarm zu untersuchen. Durch die Sonderaufgabe mußte der Deutsche Thomas Reiter, der sich Anfang Juli in der Station aufgehalten hat, noch ein paar Minuten länger auf seine Ablösung warten.

          Williams löst Reiter ab

          An Bord des Shuttles war auch die Amerikanerin Sunita Williams, die an Stelle des Astronauten der Europäischen Weltraumbehörde Esa in der ISS bleibt und im Sommer auf die Erde zurückkehren wird, während Reiter selbst am 21. Dezember an Bord der „Discovery“ in Cape Canaveral (Florida) landen soll.

          Die Discovery, von der ISS aus fotografiert Bilderstrecke

          Bevor Reiter und Williams offiziell ihre Plätze tauschten, half die Amerikanerin beim Fotografieren der Flügel-Hitzekacheln. Die möglichen Schadstellen waren zuvor von Sensoren entdeckt worden. Das Studium der Bilder dauerte am Dienstag abend zwar noch an, „aber ich bin zur Zeit nicht wirklich besorgt“, sagte ein Nasa-Manager in Houston.

          Hitzeschild-Schäden-Prophylaxe

          Beim Start vom Außentank abgesprengte Schaumstoffstücke hatten seinerzeit den Hitzeschild der Raumfähre „Columbia“ so stark beschädigt, daß sie am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatosphäre auseinander brach. Alle sieben Astronauten kamen ums Leben.

          Die „Discovery“ hatte pünktlich um kurz nach 23 Uhr (MEZ) am Montag abend an der ISS angedockt. In einer Art Purzelbaum-Rückwärts-Manöver hatte Kommandant Mark Polansky die Raumfähre kurz zuvor so gedreht, daß ihre Unterseite zwecks Aufdeckung möglicher Hitzekachel-Schäden von der Besatzung der ISS fotografiert werden konnte. Rund eineinhalb Stunden nach dem Anlegen öffnete sich die Verbindungsluke, und die Ankömmlinge und drei ISS-Bewohner begrüßten sich gegenseitig begeistert mit Umarmungen und Schulterklopfen.

          Komplizierte Außeneinsätze

          Bereits für Dienstag abend ist der erste von insgesamt drei als sehr kompliziert beschriebenen Außenbordeinsätzen von Shuttle-Astronauten angesetzt. Ihre Aufgabe ist es, das bisher provisorische Elektrizitätssystem der ISS so umzustellen, daß die Station auch nach ihrem weiteren Ausbau zuverlässig mit genügend Strom versorgt wird. Dazu müssen die Astronauten diverse Kabel umstecken und zwei Kühlsysteme aktivieren.

          Damit im vergangenen September neu installierte Solarsegel aktiviert werden können, muß außerdem ferngesteuert von der Erde aus ein anderes bereits seit 2000 eingesetztes Sonnensegel zusammengefaltet werden. Zunächst aber werden die beiden Astronauten Christer Fuglesang aus Schweden und der Amerikaner Bob Curbeam am Dienstag eine fast zwei Tonnen schwere containergroße Vorrichtung anbringen, die der späteren Installation von Sonnensegeln und einer Plattform zur Aufbewahrung von Ausrüstungsgegenständen dienen soll.

          Weitere Themen

          Zweifellos ein Schwarzes Loch

          Galaktisches Zentrum : Zweifellos ein Schwarzes Loch

          Neues aus dem Zentrum unserer Galaxie: Wer noch unsicher war, ob sich dort ein supermassereiches Schwarzes Loch befindet, sollte nun durch neue Beobachtungen der Radioquelle Sagittarius A* überzeugt werden.

          So funktioniert die Organspende Video-Seite öffnen

          Videografik : So funktioniert die Organspende

          Schwerkranke Patienten, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind, müssen darauf oft lange warten. Eine Organtransplantation ist eine heikle Operation. Die Videografik gibt einen Überblick über den Prozess.

          Die Milchkanne der Ministerin

          Grüne Woche : Die Milchkanne der Ministerin

          So eine zerbeulte Milchkanne ist mehr als ein Schmuckstück. Von ihr führt eine gedachte Linie zur allerschönsten Kleinbauernkultur. Das freut die Landwirtschaftsministerin. Alle anderen dürfen knuspern. Über Exotik auf der Grünen Woche.

          Topmeldungen

          Johnson vs. Trump : Die Ironie des Brexits

          Eigentlich sollten die britisch-amerikanischen Beziehungen nach dem Brexit enger werden. Doch Boris Johnson legt sich gleich an drei Fronten mit dem amerikanischen Präsidenten Trump an – und bleibt auf Linie mit Berlin und Paris.

          Über Krebs sprechen : Mama, stirbst du jetzt?

          Eltern, die schwer krank werden, wollen das oft ihren Kindern verheimlichen, um sie nicht zu belasten. Doch schont das die Kinder wirklich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.