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Raumfahrt : Nachschub für die ISS

Eine mit Fracht beladene europäische Ariane-Rakete ist auf dem Weg zur Internationalen Raumfahrtstation ISS. Bild: reuters

Ein europäischer Raumfrachter ist zur internationalen Raumstation aufgebrochen. Er bringt den Astronauten Wasser, Sauerstoff und Nahrungsmittel und Post von zu Hause.

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          Der europäische Raumtransporter „Edoardo Amaldi“ ist gestartet. Er hob an diesem Freitagmorgen um 5 Uhr 34 Mitteleuropäischer Zeit  (1 Uhr 34 Ortszeit) planmäßig  vom europäischen Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana mit einer Ariane-5-Rakete ab. In fünf Tagen, am 28. März, soll das „Automated Transfer System“ (ATV) am russischen Swesda-Modul der Internationalen Raumstation (ISS) andocken.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          An Bord befinden sich rund 7,5 Tonnen Nahrungsmittel, frische Kleidung, Wasser und Sauerstoff und Ersatzteile sowie Post, Dinge des täglichen Bedarfs und sogar ein Sport-BH für die amerikanische Astronautin, die im Sommer in die Raumstation einziehen wird.  Voraussichtlich am 3. September wird das Vehikel, nach dem es mit Müll, Abwasser, schmutziger Kleidung und mit nicht mehr benötigten Geräten beladen wurde, wieder abkoppeln und seinen Kurs auf die Erde nehmen. Beim Eintritt in die Atmosphäre wird es dann verglühen und die nicht verbrannten Reste gezielt im Südpazifik niedergehen.

          Im Namen berühmter Physiker

          Die „Edoardo Amaldi“, benannt nach dem Mitbegründer des europäischen Forschungszentrums Cern sowie des Vorgängers der Esa,  ist das dritte ATV der europäischen Raumfahrtbehörde, das zur ISS aufbricht. Das erste ATV, „Jules Verne“, war im März 2008, das zweite, „Johannes Keppler“, im Februar vergangenen Jahres gestartet. Zwei weitere europäische Transporter sind in Vorbereitung, jeder kostet 450 Millionen Euro. „Die ATVs wechseln sich bei der Versorgung der ISS mit dem russischen Transporter Progress und dem japanischen HTV-Vehikel ab“, sagt Kris  Capelle, Missionsdirektor des ATV-3 in Toulouse, wo sich das Kontrollzentrum für das ATV befindet.

          Eine Computergrafik zeigt das Andocken des Automated Transfer Vehicle (ATV) „Jules Verne“ an die Internationale Raumstation (ISS)
          Eine Computergrafik zeigt das Andocken des Automated Transfer Vehicle (ATV) „Jules Verne“ an die Internationale Raumstation (ISS) : Bild: ddp

          Mächtiger Frachter  für die ISS

          Das ATV, das von einem Industriekonsortium unter Federführung der EADS-Tocher Astrium in Bremen gefertigt wurde, ist etwa zehn Meter lang und hat einen Durchmesser von viereinhalb Metern. Es umfasst ein 45 Kubikmeter großes Druckmodul und ein russisches Andocksystem, wie man es bei den bemannten Sojus-Raumflügen und den Progress-Versorgungsfahrzeugen verwendet wird. Mit den vier ausgefahrenen Sonnensegeln, die der Stromversorgung dienen, hat das ATV eine Spannweite von 22 Metern.

          Dreimal so groß wie der russische Progress-Raumtransporter, bietet das ATV auch das Dreifache an Frachtkapazität. Mit mehr als zwanzig Tonnen ist dieses technisch hochkomplexe Raumfahrzeug die schwerste von Europa jemals gestartete Nutzlast. Das ATV kann als autonom fliegende Plattform, als manövrierfähiges Raumfahrzeug und im angedockten Zustand als zusätzliches Modul für die Raumstation verwendet werden.

          Der ATV-3 noch im Reinraum vor dem Start
          Der ATV-3 noch im Reinraum vor dem Start : Bild: dpa

          Alles sicher verstauen

          Im August des vergangenen Jahres  hatte „Edoardo Amaldi“ den Reivraum von Astrium in Bremen verlassen und war in Containern per Schiff nach Kourou gebracht worden. Mehrere Monate hatten Ingenieure ihn dort zusammengebaut, mit der Fracht beladen und die Systeme immer wieder getestet. Eigentlich sollte der Transporter schon Anfang März ins All fliegen. Bei einer Kontrolle stellten die Experten aber fest, dass zwei Sicherungsgurte nicht richtig befestigt waren. Die Esa musst den Start verschieben.
          Denn das  Verstauen der Güter an Bord des ATV verlangt besondere Sorgsamkeit. „Jedes Gepäckstück muss mit Riemen und Schnallen befestigt und gesichert werden“, sagt Hans Peter Leiseifer, technischer Ingenieur des ATV-Systems bei Estec, dem Raumfahrt und Technologiezentrum der Esa. Beim Start wirkt etwa die Viereinhalbfache Erdbeschleunigung. „Wenn sich ein Transportbehälter, der fünf Kilogramm wiegt, beim Start löst und gegen die Rückwand des ATV schlägt, kann ein beträchtlicher Schaden entstehen“, sagt Leiseifer.

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