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Raumfahrt : Discovery-Start im Juli gefährdet

  • Aktualisiert am

Neuer externer Tank für den Discovery-Start Bild: dpa/dpaweb

Drei Wochen vor dem geplanten Start der Discovery hat die Nasa einen Rückschlag hinnehmen müssen: Laut einer Expertengruppe wurden nach dem Columbia-Unglück noch nicht alle Sicherheitsempfehlungen in die Tat umgesetzt.

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          Bei den Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Flüge amerikanischer Raumtransporter nach dem Verlust der Raumfähre Columbia im Februar 2003 hat die Nasa einen Rückschlag hinnehmen müssen. Eine von der Behörde selbst eingesetzte Expertengruppe erklärte am Montag, daß es den Mitarbeitern der Nasa bisher noch nicht gelungen sei, alle nach dem Columbia-Unglück ausgesprochenen Sicherheitsempfehlungen in die Tat umzusetzen.

          Die Schlußfolgerungen der von den ehemaligen Astronauten Thomas Stafford und Richard Covey geleiteten Gruppe haben zwar keine rechtlichen Konsequenzen. Der Nasa dürfte es aber schwerfallen, sich über die Meinung dieser Gruppe hinwegzusetzen und wie geplant am 13. Juli mit dem Start der Fähre Discovery die Orbitalflüge der Space-shuttle wiederaufzunehmen.

          Zwöf von 15 Empfehlungen umgesetzt

          Nach der Havarie hatte eine unabhängige Kommission unter der Leitung des ehemaligen Admirals Harold Gehman in ihrem Abschlußbericht 15 Empfehlungen ausgesprochen, mit denen die Nasa künftig das Risiko bei den Flügen der Raumtransporter erheblich verringern könnte.

          Der damalige Nasa-Chef Sean O'Keefe versprach, diese Empfehlungen umzusetzen, und beauftragte eine Gruppe von Wissenschaftlern um Stafford und Covey damit, die Arbeiten zu überwachen. Auf ihrer letzten Sitzung Anfang des Monats erklärte sie, die Nasa habe zwölf der 15 Empfehlungen erfolgreich umgesetzt. Covey zeigte sich zuversichtlich, daß es der Nasa gelingen werde, auch die letzten drei Empfehlungen noch rechtzeitig umzusetzen.

          Drei wichtige Fragen noch nicht geklärt

          Wie die Gruppe aber am Montag auf ihrer öffentlichen Sitzung in Washington erklärte, seien diese drei Fragen noch immer offen und es sei außerdem nicht damit zu rechnen, daß die damit verbundenen technischen Fragen bis zum vorgesehenen Starttermin in knapp drei Wochen gelöst werden könnten.

          Zu den noch nicht erfüllten Empfehlungen der Untersuchungkommission gehört, daß die Nasa nicht ausschließen kann, daß während eines Starts Schaumstoffisolierung vom großen Tank abreißen kann. Beim Start der Columbia hatte sich solch ein Stück Isoliermasse vom Tank gelöst und ein Loch in die Flügelvorderkante der Raumfähre geschlagen. Ungeklärt ist bisher auch noch, ob die von der Nasa geplanten Verfahren zur Reparatur von Hitzeschutzkacheln im Orbit ausreichen und einem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre widerstehen können.

          Nasa „respektiert Meinung der Fachleute“

          Covey betonte am Ende der Sitzung, daß es die alleinige Aufgabe seiner Gruppe war, die Umsetzung der Empfehlungen zu überprüfen. Diese Aufgabe habe man nun erfüllt. Man werde der Nasa aber nicht die Entscheidung darüber abnehmen, ob die Discovery trotz des vorhandenen Restrisikos Mitte Juli in eine Erdumlaufbahn geschickt werden solle. Der neue Chef der Nasa, Michael Griffin, meinte, man respektiere die Meinungen der Fachleute und werde sie bei der Entscheidung berücksichtigen. Der wichtigste Schritt dazu findet Anfang nächster Woche statt, wenn sich die mit dem Shuttle-Programm beschäftigten Abteilungsleiter der Nasa am Cape Canaveral zur "Flight Readiness Review" treffen.

          Dabei wird entschieden, ob es noch grundsätzliche technische Probleme gibt, die gegen einen Start sprechen. Wenn diese Gruppe zu dem Schluß kommt, daß alle technischen Fragen gelöst sind, stünde das im Widerspruch zu den Ergebnissen der Untersuchungen der Expertengruppe unter Stafford und Covey. Ob unter diesen Umständen der Start der Discovery politisch gerechtfertigt werden kann, wird von vielen Beobachtern bezweifelt.

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