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Raumfahrt : Der Griff nach den Sternen soll sich einmal lohnen

  • Aktualisiert am

Im freien Fall im Turm in Bremen fürs All üben Bild: dpa/dpaweb

Beim 54. „International Astronautical Congress“ der Internationalen Raumfahrtorganisation wird eine Woche lang über aktuelle Projekte, neueste Entwicklungen und Forschungsergebnisse diskutiert.

          2 Min.

          Im Februar 2003 starben die sieben Astronauten an Bord des Space Shuttles „Columbia“: Ende einer Kette von Fehlschlägen in der Raumfahrt, mit der bis heute kaum Geld zu verdienen ist. Dennoch hält die Welt fest am Griff nach den Sternen - denn irgendwann soll die Rechnung besser aufgehen, und schon heute hilft die Fahrt ins All den Erdlingen. Das sagen zumindest die Fans der Raumfahrt, und die sind zahlreich. Mehr als 2.500 aus aller Welt treffen in der kommenden Woche in Bremen ein. Beim 54. „International Astronautical Congress“ der Internationalen Raumfahrtorganisation IAF wollen sie eine Woche lang aktuelle Projekte, neueste Entwicklungen und Forschungsergebnisse diskutieren.

          Themen sind etwa die Marsmissionen, die Zukunft der Internationalen Raumstation (ISS), der Erderkundung, der Telekommunikation. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt: Insgesamt werden rund 1.200 Vorträge angeboten. Die weltgrößte Tagung der Branche, so hoffen die Teilnehmer, wird mehr sein als ein Event für Kongresstouristen. Klaus Berge vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: „Die Hauptbotschaft ist: Raumfahrt ist nicht Selbstzweck, sie dient den Menschen.“

          Wettervorhersage und Handys brauchen Satelliten

          So würde ohne Satelliten, die von Raketen ins All geschossen wurden, kein Handy funktionieren. Und auch die Wettervorhersagen seien deshalb wesentlich exakter geworden. Neben vielen anderen geht auch die in Bremen beheimatete Raumfahrttochter des EADS-Konzerns mit einer Neuentwicklung in den Kongreß. EADS Space Transportation stellen ein Lasersystem vor, das Sonnenenergie bündelt und punktgenau auf ein Objekt - ob auf der Erde oder im Weltraum - übertragen kann. Damit könnten bemannte und unbemannte Missionen unabhängig von Solarzellen mit Strom versorgt werden. 2008 möchte das Unternehmen eine Lasereinheit an der ISS anbringen. Die Zukunftsvision: frei fliegende Laserplattformen, gar ein Kraftwerk in 36.000 Kilometern Höhe. Die Entwicklungskosten liegen bislang bei 600.000 Euro und könnten noch weit höher steigen. EADS geht davon aus, daß etwa mit dem Verkauf von Strom aus dem Weltraum frühestens in 50 Jahren etwas zu verdienen ist.

          Doch Geld ist nicht alles in dem Metier, was ganz besonders für die bemannte Raumfahrt gilt. Trotzdem werde der Mensch davon nicht lassen, glaubt Berge: „Der Weltraum ist die letzte Dimension, die er nicht erobert hat.“ Geldwerte Chancen sehen Fachleute wie Berge und Kind langfristig trotzdem - etwa im Weltraumtourismus. So ist für sie ein Weltraumhotel an der ISS vorstellbar. Wichtig sei nun, daß Touristen für einen Trip nicht wie der Amerikaner Dennis Tito 20 Millionen Dollar hinblättern müßten, kommentiert Kind. Bislang koste der Transport jedes einzelnen Kilogramms Gewicht ins All 20.000 Dollar. „Den Preis müssen wir auf 2.000 Dollar drücken, und das geht nur über billigere Transportsysteme“. Dies ist ein Forschungsfeld, auf das sich die Bremer konzentrieren.
          Billiger ins All

          Derzeit arbeiten die Wissenschaftler an Vorstudien für den „Hopper“, der europäischen Version eines wiederverwendbaren Transportsystems. Hopper soll um 2020 abheben und sei in der jetzigen Konfiguration nicht für die Beförderung von Menschen geeignet, sagt Kind. Doch was nicht ist, kann noch werden, weshalb man bei EADS das Interesse der Privatleute an einer Fahrt zu den Sternen schon jetzt zu schüren hofft. Einen „Marketingansatz“ nennt Kind ein Konzept, das die Bremer gemeinsam mit russischen Kollegen entwickelt haben. Danach werden Menschen in einer Kapsel auf dem Rücken von MiG-Kampfjets für rund 15.000 Euro beinahe bis ins Weltall gebracht. Der Jet soll 25 Kilometer in die Höhe steigen. Von der ISS trennen ihn dann zwar noch ganze 375 Kilometer. Dafür hat das Projekt, über das schon mit Investoren verhandelt wird, laut Kind einen entscheidenden Vorzug: Es ist schon heute realistisch.

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