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Raumfahrt : Der Falke lauert schon

  • -Aktualisiert am

Der Kleinplanet Itokawa mit der fast strukturlosen Ebene „Muses-Meer” in seinem Knick Bild:

Die Japaner glänzen nicht mehr nur bei der Herstellung von Autos und Robotern. Die Raumsonde Hayabusa ist das beste Beispiel. Sie soll in den kommenden Tagen auf dem Kleinplaneten Itokawa landen.

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          Als wahre Meister der modernen Technik treten immer wieder die Japaner in Erscheinung. Ihre Autos, die zunächst belächelt wurden, haben längst den Weltmarkt erobert, und in der Herstellung und Nutzung von Robotern sind sie führend.

          Jetzt warten sie mit einem neuen Paukenschlag auf. In den kommenden Tagen soll die japanische Raumsonde Hayabusa auf dem Kleinplaneten Itokawa landen. Bislang ist erst einmal ein Raumflugkörper auf einem Asteroiden niedergegangen - und zwar die amerikanische Sonde Near (“Near Earth Asteroid Rendezvous“) im Februar 2001 auf Eros. Aber damit nicht genug. Hayabusa hat den Auftrag, Gesteinsproben von Itokawa aufzunehmen und damit zur Erde zurückzukehren. Im Sommer 2007 soll die Sonde unweit des Raketentestgeländes von Woomera (Australien) am Fallschirm landen.

          Zunächst hieß die Sonde Muses-C

          Hayabusa hatte anfangs Muses-C geheißen. Erst als die Sonde am 9. Mai 2003 mit einer japanischen Trägerrakete in den Weltraum gebracht worden war, hat sie ihren jetzigen Namen erhalten, der „Falke“ bedeutet. Mit dem Raumflugkörper wollte die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa (“Japan Aerospace Exploration Agency“) in erster Linie fortschrittliche Weltraumtechniken erproben, darunter den Ionenantrieb für interplanetare Flüge und die autonome - also von der Erde unabhängige - Navigation. Hinzu kamen Techniken für die Landung auf fremden Himmelskörpern und für die Rückkehr zur Erde.

          Das Ziel des „Falken” - wird die Landung gelingen?
          Das Ziel des „Falken” - wird die Landung gelingen? :

          Als Ziel suchte sich die japanische Raumfahrtbehörde den gelegentlich die Erdbahn kreuzenden Kleinplaneten mit der laufenden Nummer 25143 aus, der erst im September 1998 mit dem automatischen Suchsystem Linear (“Lincoln Near Earth Asteroid Research“) in Socorro (Neumexiko) entdeckt worden war. Er ist später nach dem japanischen Raketenpionier Hideo Itokawa benannt worden. Der Himmelskörper ist ungefähr 550 mal 310 mal 275 Meter groß.

          Panne am 31. Juli

          Auf der Reise zu dem Kleinplaneten ist das Ionentriebwerk von Hayabusa insgesamt ungefähr 26.000 Stunden in Betrieb gewesen. Der Flug führte nicht direkt zum Ziel, sondern zunächst einmal, im Mai 2004, an der Erde vorbei. Dort hat die Sonde zusätzlich Schwung geholt. Nach notwendigen Bremsmanövern schwenkte die Sonde am 12. September dieses Jahres in eine Umlaufbahn um den Kleinplaneten ein, in der sie in zwanzig Kilometer Abstand um diesen kreist.

          Schon vorher waren mit der Kamera an Bord erste Bilder von dem Himmelskörper aufgenommen worden, dessen Form sich als gekrümmt erwies. Außerdem waren ein Infrarot- und ein Gammaspektrometer sowie ein Laser-Entfernungsmesser erprobt worden. Als Panne ist der Ausfall eines von drei Schwungrädern zur Stabilisierung der Sonde am 31. Juli dieses Jahres (und eines zweiten am 3. Oktober) zu vermerken. Die Japaner können die Sonde mit einigen Schwierigkeiten zwar auch noch mit einem Schwungrad ausrichten, benötigen dafür aber mehr Treibstoff als geplant.

          Nächste wichtige Phase am Freitag

          Nach den ersten Messungen hat der Kleinplanet eine Dichte von 2,3 Gramm pro Kubikzentimeter, was etwas weniger ist als die Dichte von irdischem Oberflächengestein. Das deutet auf eine gewisse Porosität hin. Als überraschend erwies sich aber vor allem die Oberfläche des kosmischen Brockens. Die anderen Kleinplaneten, die man aus der Nähe inspiziert hat, sind von Kratern sowie großen Gesteinsbrocken und kleineren Gesteinstrümmern bedeckt. Itokawa hat darüber hinaus aber auch blanke Ebenen, deren größter die Japaner den Namen Muses-Meer gegeben haben. Auch eine Uchinoura-Bucht - möglicherweise ein Krater, benannt nach dem Gelände auf der Insel Kiuschu, von dem aus die Sonde gestartet wurde - und eine Woomera-Wüste findet man mittlerweile auf Itokawa.

          Am Freitag soll nun die nächste wichtige Phase der Mission beginnen. An dem Tag wird die Sonde den Plänen zufolge zu einem Probeabstieg auf den Kleinplaneten ansetzen. Er dient dazu, vor den eigentlichen Manövern noch einmal die Techniken zu testen und vor allem den Laser-Entfernungsmesser zu eichen. Zweimal - am 12. und am 25. November - soll Hayabusa dann tatsächlich auf die Oberfläche des Kleinplaneten niedergehen. Sobald die Sonde aufgesetzt hat, wird jeweils ein trichterförmiges Saugrohr über den Boden gestülpt. Danach wird ein Sprengsatz gezündet, der ein wenig Material vom Kleinplaneten losschlägt. Die Splitter will man absaugen und in einen Probenbehälter leiten. Bald nach der zweiten Probenahme wird die Rückkehr der Sonde zur Erde beginnen.

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