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Raumfahrt : Das Ende aller Dinge

Im Zentrum des Krebsnebel pulst ein schnell rotierender Neutronenstern Bild: AFP-NASA

Das Universum begann in einem Knall, aber wie wird es enden? Neue Daten geben nun erste handfeste Hinweise auf das Ende der Welt.

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          Die Antwort auf die letze Frage des Kosmos lautet weder Alpha noch Omega sondern "w". Wie es sich für zeitgemäße Antworten auf wichtige Fragen gehört, ist w eine Zahl. Allerdings eine negative - und da fingen vor sechs Jahren die Probleme schon an.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Damals wurde Adam Riess ein bekannter Mann. Der junge Astronom, über dessen Verwandtschaft mit dem Rechenvater gleichen Namens leider nichts näheres bekannt ist, trat 1998 mit Meßergebnissen an die Öffentlichkeit, welche die Fachwelt schockierten, wie kaum ein astronomischer Befund seit Edwin P. Hubbles Entdeckung, daß das Universum sich beständig ausdehnt.

          "Dunkle Energie"

          Das Team vom Space Telescope Science Institute in Baltimore, dem Riess angehört, hatte aus Beobachtungen extrem weit entferter Sternexplosionen, sogenannter Supernovae, geschlossen, daß die Beschleunigung der kosmischen Expansion keineswegs von der Schwerkraftwirkung der auseinanderfliegenden Galaxien abgebremst wird, sondern sich, ganz im Gegenteil, sogar noch beschleunigt.

          Mit Einsteins Gravitationstheorie war das nur vereinbar, wenn es da außer Raum, Zeit und Materie - ob dunkel oder sichtbar - noch etwas andere gab. Dieses andere muß gut 70 Prozent von allem ausmachen, was im Universum Schwerkraft ausüben kann. Es wirkt allerdings nicht anziehend, sondern abstoßend - daher das Minuszeichen. Das war aber auch schon alles, was man über das unsichtbare Agens wußte. Ein Theoretiker gab dem Quotienten aus seinem Druck und seiner Dichte das Formelzeichen "w" und weil der Ausdruck "Dunkles Materie" schon für etwas anderes verwendet wurde, taufte man das rätselhafte Etwas "dunkle Energie" - aus reiner Verlegenheit.

          Schicksal des Universums

          Vorgestern abend sprach Adam Riess wieder vor der Presse, genauer: vor den 28 Journalisten, die von der erst drei Stunden zuvor herausgegebenen Pressemitteilung der Nasa erfahren hatten und sich telephonisch dazuschalten konnten. Die Astronomen hatten Spektakuläres zu verkünden, und sie hatten es offenbar sehr eilig.

          Es gab Neues zu "w". "Wir beginnen eine Ahnung von den fundamentalen Eigenschaften der Dunklen Energie zu bekommen." Riess hatte Mühe, seine Erregung zu verbergen, als er verkündete, neue Beobachtungen mit dem Hubble Space Telescope könnten nun endlich Genaueres zum Wert von "w" sagen. Empirisch stand bisher nur fest, daß er negativ ist. Wie negativ - und ob er mit der Zeit steigt oder fällt, daran hängt nach der Überzeugung der großen Mehrheit der Kosmologen nichts Geringeres ab als das endgültige Schicksal des Universums.

          "Big Crunch"

          Würde die abstoßende Kraft mit der Zeit immer schwächer, verschwände schließlich ganz oder verwandelte sich zu einer anziehenden Kraft, dann kehrte sich die Expansion irgendwann um. Das All würde am Ende in einem "Big Crunch" (einem großen Zermalmen) zusammenstürzen. Nicht wenige Physiker halten das für möglich, falls die Dunkle Energie eine Art Kraftfeld ist. Sie haben es "Quintessenz" getauft und hoffen, daß es sich einmal aus einer - bislang noch hypothetischen - fundamentalen physikalischen Theorie wie der Stringtheorie ergibt.

          Was aber, wenn die abstoßende Kraft immer stärker wird? Auch dann stürbe der Kosmos einen äußerst gewaltsamen Tod. Eine entsprechende Quintessenz-Theorie machte im vergangenen Jahr Furore. Demnach würde das Universum immer schneller expandieren. Zunächst würden nur die Galaxien auseinander fliegen. Dann aber löste der sich blähende Raum die Sternensysteme auf. Bald wären auch die Sterne selber samt ihrer Planeten dran und schließlich würden sogar Atome von dem an allen Orten zugleich explodierenden Vakuum zerissen. Das Universum verschwände in einem katastrophalen "Big Rip" (einem großen Riß) im physikalischen Nirvana.

          Kosmische Expansion

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