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Raketenexplosion in Amerika : Der Tag nach dem Absturz

Ein Tag danach: Die zerstörte Antares-Startanlage in Wallops Islands in Virginia Bild: dpa

Rätselraten um den missglückten Start der Antares-Rakete. Waren die Triebwerke schuld? Droht nun ein Versorgungsengpass für die Raumstation?

          Noch immer ist nicht geklärt, was zum Absturz der Antares-Trägerrakete am Dienstagabend kurz nach dem Start auf dem amerikanischen Weltraumbahnhof Wallops Islands in Virginia geführt hat. War die Ursache ein technischer Defekt des Raketenantriebs, gab es ein Leck in den Treibstofftanks, trat ein Fehler in der Software auf?

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Klar ist, dass zum Zeitpunkt des Starts noch alle Systeme einwandfrei funktionierten. Und auch wenige Sekunden nach dem die Antares-Rakete abgehoben hatte, deutete nichts auf das sich anbahnende Unglück hin. Dass die Flamme des Antriebsstrahls plötzlich heller und breiter wurde, die Rakete plötzlich seitlich ausscherte, ins Trudeln geriet  und auf den Boden stürzte, woraufhin der Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst wurde und die Rakete explodierte - das alles deutet auf ein Versagen der beiden Triebwerke der ersten Stufe hin. Diese gelten für viele als Schwachstellen der von der Firma „Orbital Sciences“ gebauten Trägerrakete.

          Achillesferse aus alten Sowjet-Beständen?

          Die erste Stufe wird nämlich von zwei Triebwerken vom Typ Kusnezow NK-33 angetrieben, die aus Beständen der ehemaligen Sowjetunion stammten und auf eine vierzig Jahre alte Technik beruhen. Die Triebwerke waren ursprünglich für Raketen bestimmt, die Kosmonauten zum Mond befördern sollten. Nachdem aber das sowjetische Mondprogramm in den siebziger Jahren eingestellt wurde, sollten die Antriebsmotoren zerstört werden.

          Ein Restbestand von etwa 60 Stück wurde eingemottet und Ende der neunziger Jahre amerikanischen Firmen zum Verkauf angeboten. Das Raumfahrtunternehmen Rocketplane Kistler kaufte 58 Stück und  ließ sie für die geplante Trägerrakete K-1 modifizieren. Kistler musste jedoch im Jahre 2010 Insolvenz anmelden, so dass das K-1-Projekt nicht verwirklicht werden konnte und die Triebwerke nicht zum Einsatz kamen.

          Bilderstrecke

          Die Firma „Orbital Sciences“, die den Auftrag von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa erhalten hatte, ein unbemanntes amerikanisches Transportsystem für die Versorgung der Internationalen Raumstation ISS zu entwickeln, erwarb die Triebwerke – jetzt AJ26-62 genannt – und stattete damit die erste Stufe ihrer Antares-Trägerraketen aus.

          Ursachenforschung beginnt

          Die Triebwerke aus Sowjetbeständen gelten als robust und noch immer als recht leistungsfähig, weil sie einen enormen Schub erzeugen. Allerdings verbrennen sie ein Gemisch aus flüssigem Sauerstoff und Kerosin – eine nicht ganz risikolose Technologie. Es entstehen aggressive sauerstoffreiche Abgase, die früher Brennkammer und Düsen beschädigten. Zwar konnte das Problem schon in Sowjetzeiten behoben werden, aber vielleicht hat das in die Jahre gekommene Material der Belastung nicht mehr standhalten können, wie  Raumfahrtexperten mutmaßen.

          Allerdings werden die Antriebe der Rakete vor jedem Start auf Herz und Nieren getestet, so dass ein Materialschaden gewiss aufgefallen wäre. Zudem sind drei der insgesamt acht angesetzten Versorgungsflüge mit Antares-Trägerraketen bisher ohne Schwierigkeiten verlaufen. So ist man ratlos. „Antriebsmotoren sind natürlich eine Quelle der Ursache. Es können aber auch die Treibstofftanks, beschädigte Raketenstrukturen oder das Navigationssystem für den Absturz  verantwortlich gewesen sein“, sagte der General-Manager von Orbital Sciences, Frank Culbertson, in einem BBC-Interview. „Wir überprüfen jetzt alle Daten und Videos vom Start“. Das wird einige Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern.

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