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Rätselhafte Supernova : Gewaltige Detonation im All

Künstlerische Darstellung der Supernova ASASSN-15lh, wie sie aus einer Entfernung von zehntausend Lichtjahren erscheinen würde. Bild: AP

Eine solch starke Explosion einer Supernova hat bisher noch kein Astronom beobachtet. Das Objekt strahlt heller als alle bislang bekannten Ereignisse im Universum und gibt zugleich viele Rätsel auf.

          Mit einer Strahlkraft von 570 Milliarden Sonnen hat eine kürzlich entdeckte Supernova die Astronomen weltweit überrascht. Es handelt sich um die hellste Sternexplosion die jemals beobachtet worden ist. ASASSN-15lh, so die Katalognummer des Objekts, sei heller als der bisherige Rekordhalter – die Hypernova SN 2007bi, die vor sechs Jahren Sternbild Jungfrau aufleuchtete. Über ihre Entdeckung im June 2015 berichten jetzt Astronomen um Subo Dong vom Kavli-Institut für Astronomie und Astrophysik an der Universität Peking in der Zeitschrift „Science“. Woher die gewaltige Explosion ihre Energie bezogen hat, ist noch völlig rätselhaft.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Supernovae lösen die gewaltigsten Explosionen im Universum. Sie ereignen sich am Lebensende von Riesensternen, die unter ihrer Masse kollabieren. Dabei werden meist große Mengen an Materie und Energie ins All hinausgeschleudert. Es kommen jedoch auch andere Ursachen in Betracht. „Der Explosionsmechanismus und ihre Energiequelle bleiben geheimnisumwoben, denn alle bekannten Theorien stoßen an ihre Grenzen bei der Erklärung der immensen Energiemenge, die ASASSN-15lh abgestrahlt hat“, erklärte Dong.

          Liefert ein Neutronenstern die Energie?

          Eine Supernova-Explosion kann so hell leuchten wie eine ganze Galaxie. ASASSN-15lh strahlte jedoch zwanzigmal so hell wie die Sterne der gesamten Milchstraße. Wegen der großen Helligkeit zählen die Astronomen die Explosion zur Klasse der überhellen Supernovae. Wegen ihrer großen Entfernung von 3,8 Milliarden Lichtjahren war die vermeintliche Supernova aber nicht besonders aufgefallen am Nachthimmel, als sie dem Teleskopsystem in Cerro Telolo (Chile) bei einer Himmeldurchmusterung im vergangen Jahr ins Netz ging. Erst mit Spektraluntersuchungen am Südafrikanischen 11-Meter-Teleskop „Salt“ (South African Large Telescope) und dem Satelliten „Swift“ bestätigte sich die große Entfernung und damit extreme Helligkeit der Explosion. „Als ich die Spektralsignaturen von Salt sah und mir klar wurde, dass wir die bislang gewaltigste Supernova entdeckten hatten, war ich den Rest der Nacht zu aufgeregt zum Schlafen“, erinnert sich Dong.

          Die extreme Supernova war nicht nur heller, sondern auch heißer als alle vergleichbaren Sternexplosionen. Als eine mögliche Erklärung vermuten die Astronomen einen sogenannten Magnetar im Zentrum der Explosion. Magnetare sind rotierende kompakte Neutronensterne mit einigen Kilometern Durchmesser, die ein extrem starkes Magnetfeld erzeugen. Sie werden allgemein als eine mögliche Ursache für überhelle Supernovae diskutiert. Allerdings müsste der Neutronenstern im Zentrum von ASASSN-15lh mindestens 1000 mal pro Sekunde rotieren, damit die gesamte Rotationsenergie in Licht umgewandelt würde. Das erscheint den Forschern zu hoch, so dass sich mit dem Magnetar-Szenario die Leuchtkraft von ASASSN-15lh nicht befriedigend erklären lässt.

          Stattdessen sei womöglich ein gigantischer Riesenstern explodiert mit einer bislang nicht für möglich gehaltenen Masse. Nachbeobachtungen der Explosionswolke, unter anderem mit dem Weltraumteleskop „Hubble“, sollen nun mehr Licht in den geheimnisvollen Mechanismus der Explosion bringen. Die Forscher erhoffen sich davon auch ein besseres Verständnis der Klasse der überhellen Supernovae.

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