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Radioastronomie : Mit den Augen von Alma

  • -Aktualisiert am

Kollidierende Galaxien NGC 4038 und NGC 4039: Kombiniert wurden Aufnahme von Hubble und von Alma. Bild: Eso

Das weltweit leistungsfähigste Teleskop für den Millimeter- und Submillimeter Bereich der Eso hat seinen Betrieb aufgenommen. Seine endgültige Fertigstellung wird aber erst in zwei Jahren sein.

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          In den hohen Anden im Norden Chiles, fünftausend Meter über dem Meeresspiegel, entsteht zur Zeit eines der größten astronomischen Observatorien: das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (Alma). Zwar ist seine Fertigstellung erst für das Jahr 2013 geplant, die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen haben aber bereits begonnen. Gewissermaßen als Startschuss für den Beginn der "Early Science" präsentierte die Europäische Südsternwarte (Eso) nun die ersten Bilder der "Antennengalaxien" - zwei 70 Millionen Lichtjahre entfernte Spiralgalaxien auf Kollisionskurs.

          Galaxien auf Kollisionskurs

          Die observierte Sternsysteme (NGC 4038 und NGC 4039) stürzen aufgrund ihrer gegenseitigen Anziehungskraft ineinander und verschmelzen in einem Zeitraum von Millionen Jahren zu einer neuen, größeren Galaxie. Dabei kollidieren aber nicht etwa einzelne Sterne miteinander, wohl aber die massereichen Wolken aus Wasserstoffgas. Für die Beobachtung der Gaswolken sind die Antennen von Alma besonders geeignet: Denn optische Teleskope zeigen zwar hell leuchtende Sterne und heißes Gas, nicht aber die kalten Wasserstoff- und Molekülwolken. Diese wiederum leuchten im Radiowellenbereich - im Spektralbereich also, für den die Teleskope von Alma empfindlich sind. Dadurch erlaubt das neue irdische Observatorium Alma Einblicke in die Entstehung neuer Sterne, Sternsysteme und Planeten, die zuvor nicht möglich waren. In den Antennengalaxien haben die Forscher zum Beispiel massereiche Wasserstoffwolken in der Kollisionszone der beiden Galaxien gefunden (links unterhalb der Bildmitte) - diese enthalten genug Material, um daraus mehrere Milliarden Sterne von der Größe der Sonne bilden zu können.

          Von 2013 an sollen mehr als 60 Alma-Antennen ins All lauschen

          Luftige Höhen

          Da Radiostrahlung im Submillimeterbereich vom Wasserdampf in der Atmosphäre der Erde absorbiert wird und damit nicht bis auf den Erdboden in Meereshöhe gelangen kann, müssen die Forscher hoch hinaus. Die extrem trockene und klare Luft der unwirtlichen Atacamawüste Chiles bietet beste Voraussetzungen für die Untersuchung dieser Strahlung. Nach ihrer Fertigstellung will man die insgesamt 66 Antennen des Alma-Netzwerks zu einem Interferometer zusammenschalten, dessen Basislänge - der maximale Abstand zwischen den Antennen - sechzehn Kilometer beträgt. Dadurch soll sich die Detailschärfe der Bilder noch dramatisch verbessern, versprechen die Astronomen. Für die ersten Bilder wurden zwar nur zwölf Antennen mit 125 Meter Basislänge verwendet, Alma ist aber bereits jetzt das leistungsfähigste Teleskop seiner Art. So hatten sich Astronomen aus allen Ländern um Beobachtungszeit mit dem noch unfertigen Instrument gestritten. Von mehr als 900 Anträgen, die nach Angaben der Eso für die erste, neunmonatige Messphase eingereicht wurden, sind nur etwa hundert genehmigt worden.

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