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Planetentaxonomie : Fast eine Ostergeschichte

  • -Aktualisiert am

Steinbild von Makemake, Gott der Osterinsulaner Bild: Wikimedia Commons/Rivi

Das Objekt 2005 FY wurde in den Ostertagen 2005 entdeckt. Deshalb trug es provisorisch den hübschen Namen Osterhase. Nun aber heißt es Makemake und ist außerdem in den Rang eines Zwergplaneten erhoben. Die planetarischen Verhältnisse werden dadurch nicht gerade übersichtlicher.

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          Den Bewohnern von Rapa Nui, der zu Chile gehörenden Osterinsel, ist er bestens bekannt: Makemake, oberster Gott der Osterinsulaner, Erschaffer der Menschen und Gott der Fruchtbarkeit. Jetzt werden sich auch die Astronomen an den Namen gewöhnen müssen. Die Internationale Astronomische Union hat ihn nämlich dem bislang als Kleinplanet bekannten Objekt mit der Katalog-Bezeichnung 2005 FY9 verliehen und dieses gleichzeitig in den Rang eines Zwergplaneten in der Gruppe der Plutoiden gehoben.

          Als Mike Brown, Chad Trujillo und David Rabinowitz den Himmelskörper im März 2005 - ein paar Tage nach Ostern - mit dem Schmidt-Teleskop des Mount Palomar Observatory in Kalifornien entdeckten, gab es den Begriff "Zwergplanet" und erst recht den Begriff "Plutoid" noch nicht. Die Zwergplaneten wurden erst mit dem Ausschluss Plutos aus der Reihe der Planeten eingeführt. Als Trostpflaster sozusagen; denn Zwergplaneten sollten von da an die massereichsten Asteroiden beziehungsweise Planetoiden sein, jene, die - verkürzt gesagt - aufgrund ihrer Masse rund, also im hydrostatischen Gleichgewicht sind. Die übrigen Attribute, die ein Zwergplanet aufweisen muss, sind im Vergleich dazu unwichtig.

          Zwerge sind nicht klein

          Da in der deutschen Sprache der Begriff "Kleinplanet" für einen Asteroiden weit verbreitet ist, müssen die Astronomen jetzt mit dem Faktum leben, dass die Kleinplaneten kleiner als Zwergplaneten sind, obwohl die Wörter eine andere Reihenfolge suggerieren. Als Zwergplaneten hat es bislang nur drei gegeben: Ceres im Asteroidengürtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter sowie Pluto - als Ausreißer - und Eris vom Kuiper-Gürtel jenseits der Bahn des Neptuns.

          Als zweites Trostpflaster für den Verlust des Planetenstatus von Pluto ist vor einigen Wochen die Zwergplaneten-Untergruppe der Plutoiden geschaffen worden - der Zwergplaneten im äußeren Sonnensystem, in der Praxis also aller Zwergplaneten außer Ceres. Dessen Außenposition wird auch bleiben, weil man wohl schon alle größeren Objekte des inneren Sonnensystems kennt.

          Vom Osterhasen zur Osterinsel

          Während sich die Astronomen in aller Welt den Kopf darüber zerbrachen, wie sie das Pluto-Problem lösen sollten, beschäftigte sich vor allem Brown - der Leiter der Gruppe, die 2005 FY9 entdeckt hatte - mit der Frage, wie man das Objekt nennen könnte, das mit rund 1600 Kilometern Durchmesser nur unwesentlich kleiner ist als der 2350 Kilometer große Pluto. Inoffiziell hieß es bei der Gruppe wegen des Zeitpunkts der Entdeckung "Easterbunny". Brown studierte nun Ostermythen und stieß auf die angelsächsische Göttin Eostre, nach der Ostern benannt worden sein soll. Dann wendete er sich den Hasengöttern zu, von denen es bei den Indianern viele gibt. Allerdings heißen sie meist nur "Hase" oder "Großes Kaninchen". Auch die Namen anderer Hasengötter wie jenes der Algonquin, "Manabozho", sprachen ihn nicht an.

          Nun machte Brown erst einmal ein Jahr Pause. Und plötzlich fiel ihm die Osterinsel ein, die am Ostersonntag 1722 erstmals Besuch von Europäern erhalten hatte - praktisch genau 283 Jahre vor der Entdeckung von 2005 FY9. Damit war - vor einem halben Jahr - der neue Name, Makemake, geboren. Die Internationale Astronomische Union hat sich jetzt, wie üblich, dem Namensvorschlag des Entdeckers angeschlossen.

          Makemake, Orcus und Sedna

          Ob die Liste der Plutoiden in absehbarer Zeit noch einmal erweitert wird, ist momentan unklar; denn der nächste Anwärter ist das etwa 1300 bis 1600 Kilometer große Objekt 2003 EL61, das kurz nach Makemake im Kuiper-Gürtel jenseits der Bahn des Neptuns als Asteroid identifiziert wurde. Zwei Forschergruppen - jene von Brown und eine spanische unter Leitung von Jose-Luis Ortiz - beanspruchen diese Entdeckung für sich, so dass die Internationale Astronomische Union Schwierigkeiten hat, wem der wichtigste Namensvorschlag zusteht. Ortiz hatte seine Entdeckung als Erster verkündet. Aber jemand aus seiner Gruppe hatte zwei Tage vorher die Beobachtungsdaten von Browns Gruppe im Datennetz gesehen.

          Es ist schon scherzhaft der Vorschlag gemacht worden, das Objekt nach einem Wesen mit zwei Köpfen zu benennen, wenn man sich nicht auf einen Entdecker einige. Unter anderem ist der römische Gott Janus, der zwei Gesichter hat, ins Gespräch gebracht worden, aber Janus heißt schon ein Mond des Saturns. Von der Prioritätenfrage abgesehen ist 2003 EL61 leicht länglich. Es wäre also noch zu prüfen, ob das Objekt der Definition gemäß überhaupt ein Zwergplanet sein kann, ob es sich nämlich exakt im hydrostatischen Gleichgewicht befindet.

          Ungefähr so groß wie Makemake dürfte auch ein anders Objekt im Kuiper-Gürtel sein - der Kleinplanet Orcus. Und ebenfalls der Kleinplanet Sedna, der sich sogar noch weit jenseits des Kuiper-Gürtels befindet und über den deshalb kaum gesicherte Informationen bezüglich seiner Eignung als Zwergplanet vorliegen.

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