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Planetenforschung : Jubiläum auf dem Mars

  • -Aktualisiert am

Wärmeschutzschild verloren: Rover Opportunity Bild: Nasa

Ürsprünglich für nur 90 Tage Durchhaltefrist gebaut, erkundet der Rover Spirit nun seit einem Jahr den roten Planeten. Das Weltraumgefährt liefert nicht nur beeindruckende Bilder, sondern auch wichtige wissenschaftliche Daten.

          2 Min.

          Für die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat es am Montag einen Anlaß zu feiern gegeben. Das Marsfahrzeug Spirit hatte ein ganzes Jahr auf dem roten Planeten überstanden. Am 3. Januar 2004 war es auf dessen Oberfläche abgesetzt worden. 21 Tage später war ihm der Rover Opportunity gefolgt.

          Spirit und Opportunity sind für die Nasa zwei gute Botschafter gewesen - und sind es auch jetzt noch. Denn Autos, die eine fremde Landschaft erkunden, regen die Phantasie in ganz besonderer Weise an. Die Bilder, die die Rover zur Erde übertragen, zeigen eine ständig wechselnde Landschaft, die gerade aus der Sicht der verhältnismäßig tief liegenden Kameras besonders beeindruckt.

          Etwa, wenn sich einer der Rover einem „hohen“ Kraterrand nähert oder einer großen Bergkette, die sich in Wirklichkeit nur um wenige Meter über die Umgebung erhebt, was aus der Froschperspektive kaum auffällt. Auch die wenige Zentimeter hohen Sanddünen, denen die Fahrzeuge begegnet sind, wachsen in der Phantasie rasch zu riesigen Dünen heran.

          Marsphoto der Rover Spirit

          „Wissenschaftliche Entdeckung des Jahres 2004“

          Die Öffentlichkeit hat dem Rechnung getragen, ohne den Rover Spirit abzustrafen, dessen Kameras anfangs trotz perspektivischer Verzerrung nur verhältnismäßig flaches Land zeigten, so daß optisch eher mit einem Flop zu rechnen war. Insgesamt neun Milliarden Mal sind die verschiedenen Internetseiten zu den beiden Marsrovern im Jahr 2004 aufgerufen worden, ein Rekord für die Nasa.

          Wissenschaftlich gesehen haben die Fahrzeuge bei aller Skepsis einiges geleistet, wenngleich die eigentlichen Höhepunkte ihres Wirkens nicht immer deutlich wurden. Für die Nasa stand in der Öffentlichkeit nach außen hin der Nachweis für die frühere Existenz von Wasser auf dem Mars im Vordergrund.

          Wo sich Wasser befunden hat, so hieß es stereotyp, könnte es auch Leben gegeben haben. Die Hartnäckigkeit in der „Argumentation“ zahlte sich aus. Der Nachweis, daß es einst im Landegebiet von Opportunity Wasser gegeben hat, wurde von der Zeitschrift „Science“ zur wissenschaftlichen Entdeckung des Jahres 2004 erkoren.

          Notwendige, nicht hinreichende Voraussetzung für Leben

          An der früheren Existenz des Marswassers hatte auch vor den Erkundungsfahrten der Rover niemand gezweifelt. Zu deutlich sind die Spuren, die das Wasser hinterlassen hat. Und daß in den polaren Eiskappen auch große Mengen an Wasser gebunden sind, gilt seit langem als gesichertes Wissen. Mit der europäischen Sonde Mars Express ist darüber hinaus Wasserdampf in der Atmosphäre des Planeten aufgespürt worden.

          Die Frage, ob es einst - und wenn auch nur in Form kleinster, primitiver Organismen - Leben auf dem Mars gegeben hat, können all diese Befunde nicht beantworten. Denn Wasser ist nur eine notwendige, keineswegs eine hinreichende Voraussetzung für Leben.

          Chemische und mineralogische Erkenntnisse

          Von weit größerer Bedeutung sind die chemischen und mineralogischen Erkenntnisse, die die Rover über Staub und Gestein auf dem roten Planeten gewonnen haben, und zwar vor allem mit den Meßgeräten aus Mainz.

          Schon wenige Wochen nach den Landungen war es möglich, die Verhältnisse an den Landeplätzen mit jenen an den Standorten der Viking-Landegeräte aus den siebziger Jahren und im Umfeld des Marsrovers Sojourner zu vergleichen, der 1997 zusammen mit der Sonde Pathfinder auf dem Mars gelandet ist. Aus der Gesamtheit der Daten lassen sich wertvolle Rückschlüsse auf die Vorgänge auf dem roten Planeten ziehen.

          Jeder weitere Tag ein Gewinn

          Der kleine Sojourner hatte sich niemals um mehr als einige Meter vom Pathfinder entfernt. Für die möglichen Tagesstrecken von Spirit und Opportunity waren jeweils etwa hundert Meter berechnet worden. Wegen der vielen Haltepunkte für die Gewinnung wissenschaftlicher Meßdaten war das allerdings nur ein theoretischer Wert. Wie groß die Strecke ist, die Spirit und Opportunity bislang zurückgelegt haben, hat die Nasa noch nicht verraten. Es sind jedenfalls mehrere Kilometer gewesen.

          Bis zum 30. Juli 2004, soviel ist sicher, hatte Spirit gut 3500 Meter geschafft. Als es auf dem Mars Herbst wurde, ging die Leistung jedoch zurück, weil die Batterien geschont werden mußten. Die Wissenschaftler sind gleichwohl zufrieden, weil die Rover nur für jeweils 90 Betriebstage ausgelegt waren. Für sie ist jeder weitere Tag, auch wenn sich die Fahrzeuge zur Zeit nicht sehr anstrengen dürfen, ein Gewinn.

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