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Planetenforschung : Der Merkur ist ganz anders

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Nur oberflächlich dem Mond ähnlich: Merkur Bild: Nasa

„Ein Stück Erdinneres mit einer mondähnlichen Kruste.“ So wurde einst der Merkur, der innerste Planet unseres Sonnensystems, beschrieben. Die Raumsonde Messenger zeigt nun: auch der Merkur ist eine ganz eigene Welt.

          Der Merkur unterscheidet sich äußerlich stärker als bislang angenommen vom Mond der Erde. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die amerikanische Wissenschaftler rund zwei Wochen nach dem Vorbeiflug der Raumsonde Messenger am Merkur der Öffentlichkeit präsentierten. Nachdem Mariner 10 in den Siebzigern erste Nahaufnahmen von Merkur übermittelt hatte, war der Planet vereinfacht als „ein Stück Erdinneres mit einer mondähnlichen Kruste“ beschrieben worden. Die mehr als 1200 detailreichen Bilder der Messenger-Sonde, die auch Teile der bislang unbekannten Merkurhälfte erfassen, lassen nun die Unterschiede zum Erdtrabanten hervortreten.

          So erscheint die Oberfläche im Innern des bislang größten bekannten Einschlagbeckens auf Merkur (Caloris Basin) heller als die Umgebung. Das Gebiet, von Messenger erstmals vollständig erfasst, zeugt mit einem neu bestimmten Durchmesser von nunmehr 1550 Kilometern von einem gewaltigen Einschlag, der möglicherweise Material aus der Tiefe an die Oberfläche gelangen ließ. Ohne Beispiel ist die Region „Spinne“ in diesem Riesenkrater: ein System von mehr als 100 flachen Gräben, die radial nach außen verlaufen und von einem zentralen Krater auszugehen scheinen.

          Schwaches Magnetfeld offenbar stabil

          Typisch für Merkur sind die vielen Steilkliffs, die schon auf den Mariner-Bildern auffielen und von Messenger nun auch in den neu erfassten Gebieten dokumentiert wurden. Sie erstrecken sich über Hunderte Kilometer, durchbrechen Kraterränder und Gebirgsrücken und gelten als Runzelfalten, an denen Teile der Merkurkruste übereinander geschoben wurden, als der Planet auskühlte und dabei um mehrere Kilometer schrumpfte.

          Typisch für Merkur: Tiefe Steilkliffs, die sich über Hunderte Kilometer erstrecken

          Die Aufmerksamkeit gilt aber nicht nur den Bildern, deren Auswertung noch Wochen in Anspruch nimmt - auch die übrigen Messinstrumente liefern interessante Daten. So registrierte das Magnetometer ein schwaches Magnetfeld, das sich gegenüber den Mariner-10-Messungen vor mehr als 30 Jahren nicht verändert hat. Es zeigt einen ähnlichen Aufbau wie das Magnetfeld der Erde und wird in gleicher Weise durch den anströmenden Sonnenwind verformt. Im Bereich der vom Magnetfeld beherrschten Umgebung des Planeten fanden die Teilchendetektoren unter anderem Natriumpartikeln, die von Sonnenwindteilchen und Mikrometeoriten aus der Merkuroberfläche herausgeschlagen und dann von der Ultraviolettstrahlung der Sonne ionisiert wurden.

          Messenger wird am 6. Oktober wieder an Merkur vorbeifliegen, nach einer dritten Passage im September 2009 im März 2011 in eine Umlaufbahn um den sonnennächsten Planeten einschwenken und ihn dann ein Jahr lang aus der Nähe erforschen.

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