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„Phoenix“-Mission : Es gibt kein Bier auf dem Mars

Beim Sanduhr-Gletscher floss, mit Staub und Geröll bedeckt, Eis aus einem 9 km breiten Krater Bild: ESA/DLR/FU Berlin (G.Neukum)

Die gerade gestartete Mars-Sonde „Phoenix“ soll den Planeten erkunden. War der Mars einst lebensfreundlich? Dass es dort jede Menge gefrorenes Wasser gibt, ist bekannt. Bilder zeigen, dass es vor langer Zeit sogar flüssig war. Eine Bestandsaufnahme von Ulf von Rauchhaupt.

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          Sein Name: Phoenix. Seine Mission: im Dreck wühlen. Warum auch nicht? Generationen von Feldgeologen haben nichts anderes getan, um mehr über die Erde und ihre Vergangenheit zu erfahren. Oder eben über den Mars. Sollte die gestern gestartete Sonde „Phoenix“ wie geplant im kommenden Mai landen, wird sie der sechste Forschungsautomat sein, der Daten von der Oberfläche des Roten Planeten nach Hause funkt, aber der erste, der nicht nur in Dreck wühlt, sondern in feuchtem Dreck: bis zu einem halben Meter tief, in hoher nördlicher Breite in einer Region namens „Vastitas borealis“, zu deutsch: riesige Einöde in Norden.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es wäre immerhin das erste Mal, dass eine Marssonde direkt mit dem Stoff in Berührung kommt, der die Zunft seit den späten neunziger Jahren in Bann hält. Kaum eine Meldung der Weltraumbehörden Nasa und Esa über neue Ergebnisse ihrer Sonden vergisst, das Wasser zu erwähnen, die Hinweise darauf, die man fand oder eben nicht. Auch sehr viele der veröffentlichten Marsbilder hatten in irgendeiner Form mit dem Wasser zu tun.

          Die Polkappen sind seit Jahrhunderten bekannt

          Dabei ist seit langem bekannt, dass es auf dem Mars Wasser gibt. Seine Polkappen kennt man seit Jahrhunderten (siehe „Das Eis des tiefen Südens“). Und die ersten Flusstäler, die von einer feuchteren Vergangenheit des Planeten künden, wurden schon 1971 von „Mariner-9“ erspäht, der ersten Sonde im Marsorbit. „Die Frage ist nicht, ob es flüssiges Wasser gab, sondern wann wie viel davon geflossen ist“, sagt Ralf Jaumann vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

          Ein fossiles Flussdelta im Krater Eberswalde (Bildbreite 3 km)

          Dabei wäre es allerdings vielen lieb, wenn die nasse Vergangenheit lange genug gedauert hätte, um eine biologischen Evolution zu ermöglichen, und seien die Organismen auch noch so simpel. Denn ließe sich dergleichen nachweisen, wäre die große Menschheitsfrage nach der Kontingenz des Lebens geklärt: Es verdankte sich dann nicht einem unhinterfragbaren Glücksfall, sondern entstünde wohl überall, wo es dafür ausreichend lange nass und warm genug ist.

          Viele Puzzleteile lieferte der „Mars Global Surveyor“

          Um die Frage zu beantworten, gilt es nun, aus einer Masse von Raumsondendaten ein geochemisches und geomorphologisches Puzzle zusammenzusetzen. Viele kleine Puzzleteile lieferte etwa der amerikanische Orbiter „Mars Global Surveyor“, der zwischen 1999 und 2006 unzählige Detailbilder schoss. Sie zeigen unter anderem geschichtete Sedimente, die wohl in Wasser abgelagert wurden, allerdings auch anders entstanden sein könnten. Wenn es Wasserspuren sind, dann sind sie uralt. Vielerorts waren sie über Äonen verschüttet und wurden erst später durch Erosionsprozesse wieder freigelegt.

          Wie die sogenannten Talnetzwerke aus kleineren, verzweigten Flussbetten („valley networks“) stammen sie aus dem Noachium, der ältesten der drei Epochen, in die man die geologische Geschichte des Planeten heute unterteilt und die nach den Marslandschaften Noachis Terra, Hesperia Planum und Amazonis Planitia benannt sind (siehe Tabelle). Die spätesten noachischen Formationen bildeten sich auf dem Mars zu einer Zeit, aus der auf der Erde die allerältesten Spuren von Leben erhalten sind.

          Wo ist das Wasser geblieben?

          Der heute völlig unstrittige Befund eines zumindest zeitweise feuchten Mars im Noachium wirft nun drei Fragen auf: Floss das Wasser damals beständig oder nur ab und zu? War es später auch noch nass? Und zunächst: Wo ist das Wasser geblieben?

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