https://www.faz.net/-gwz-vbcu

„Phoenix“-Mission : Es gibt kein Bier auf dem Mars

Der Krater könnte einen See beherbergt haben

An dieser unter marsbiologischen Gesichtspunkten unerfreulichen Interpretation ändern auch die vielen spannenden Befunde der beiden fahrbaren Sonden „Spirit“ und „Opportunity“ nichts. „Spirit“ hatte man in einem Krater namens Gusev abgesetzt, in den ein Flussbett mündet. Der Krater könnte daher im Noachium einmal einen See beherbergt haben, später wurde er allerdings von einem nahen Vulkan mit Lava geflutet, so dass die Sonde nur an einer Formation, den Columbia Hills, auf Sand und Spuren von Wassereinfluss stieß.

Ihr Kollege „Opportunity“, unterwegs in einer Ebene namens Meridiani Planum, fand dagegen massenhaft sandige Sedimente: Wie in den Columbia Hills sind es Sulfate, Salze der Schwefelsäure, aber zusammen mit Kügelchen aus dem Eisenoxid Hämatit. Messungen mit „Omega“, die im aktuellen Science veröffentlicht wurden, zeigen, dass diese Kombination auch anderswo auf dem Mars anzutreffen ist.

Epoche mit dem Namen „Theiium“ - Schwefelzeit

Doch obwohl „Opportunity“ auch Spuren fließenden Wassers fand, scheint Meridiani Planum weniger ein potentielles fossiles Biotop als das Zeugnis einer globalen Umwelt- und Klimakatastrophe am Ende des Noachiums zu sein. Denn die Sulfatsedimente dürften nicht in einem Oberflächengewässer abgelagert worden sein, sondern von schwefelsaurem Grundwasser, das emporstieg und verdampfte. Das französische Omega-Team hat daher kürzlich vorgeschlagen, der damit anbrechenden geologischen Epoche den Namen „Theiium“ zu geben - Schwefelzeit.

Wie es zu dieser Versauerung vor vielleicht 3,7 Milliarden Jahren kam, ist noch weitgehend Spekulation. Offenbar fällt sie aber mit einer drastischen Abnahme in der Aktivität flüssigen Wassers zusammen. Das sieht man an den Talnetzwerken. Sie haben nur selten die von der regnerischen Erde bekannten sogenannten dendritischen Verzweigungen in immer kleinere Nebenflüsse, und wo es solche dendritischen Täler gibt, sind sie die ältesten.

Die Wassermengen gingen drastisch zurück

„Man kann da zwei Stufen sehen“, sagt Jaumann. „Ganz am Anfang muss es geregnet haben. Später ist das Wasser nur noch aus dem Untergrund ausgetreten.“ Offenbar wurden die Rinnen dann immer seltener nass, am Schluss vielleicht nur noch alle zig Millionen Jahre. Aber das Ende zog sich hin. „Ich habe Talnetzwerke gefunden, die noch bis zum Amazonium aktiv waren“, sagt Jaumann, „aber natürlich immer weniger. Die Wassermengen gingen drastisch zurück.“ Und die späten Flussereignisse sind klar mit Lavaströmen korreliert, deren Hitze sie wohl ausgelöst hat.

Allerdings glaubt Jaumann nicht, dass die große Schwefelkatastrophe am Ende des Noachiums durch eine Episode verstärkten Vulkanismus ausgelöst wurde, obwohl seine französischen Kollegen vom Omega-Team dies aus der Tatsache schließen, dass die Schwefelsäure ja irgendwo hergekommen sein muss und vulkanisches Schwefeldioxid dafür eine plausible Quelle wäre.

Der Mainstream will auf dem Mars Leben finden

„Eher war es ein Rückgang des Vulkanismus, wodurch nicht mehr so viele Gase in die Atmosphäre gespien wurden, um die Verluste in den Weltraum auszugleichen.“ Und vielleicht war diese Endphase des planetweiten Vulkanismus besonders schwefelreich. Auf jeden Fall passt das hohe Alter der verzweigten Flusssysteme zu einem Ende der Niederschläge relativ früh im Noachium.

Danach war fließendes Wasser selten, und auf eine marsianische Biosphäre wären schwere und immer schwerere Zeiten zugekommen - wenn sich in den paar hundert Millionen Jahren seit der Entstehung des Mars überhaupt eine hatte bilden können. „Diese Befunde passen wunderbar zu den mineralogischen Messungen von ,Omega'“, sagt Jaumann. „Aber sie passen momentan nicht in den Mainstream.“ Weil der Mainstream auf dem Mars Leben finden will.

Die Marszeitalter

Amazonium seit ca. 3,1 Milliarden Jahren

Hesperium vor ca. 3,7 bis 3,1 Milliarden Jahren

Noachium bis vor ca. 3,7 Milliarden Jahren

Weitere Themen

Topmeldungen

Nach Wahlsieg für Tories : Der nächste Boris

Sein Versprechen an die neuen Tory-Wähler ist auch eine Verpflichtung für Boris Johnson. Nach seinem fulminanten Wahlsieg könnte der britische Premierminister deshalb ganz anders daherkommen als gewohnt.

„Get Brexit done“ : Die Sehnsüchte sind vom Tisch

Großbritannien hat sich entschieden: Boris Johnson bleibt Premierminister – und soll das endlose Brexit-Thema schnell beenden. F.A.Z.-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger ordnet im Video das Labour-Desaster und den großen Sieg der Konservativen ein.
Allein geht es nicht: Der Rapper Kollegah kann sich forsche Töne leisten, weil er einen Beschützer hat.

Familienclans und Rocker : Die „Rücken“ der Rapper

Rapper in Deutschland haben oft mit kriminellen Milieus zu tun. Sie lassen sich von Rockern und Clans beschützen. Wenn die Hintermänner streiten, wird es gefährlich. Ein Einblick in die Welt von Kollegah, Capital Bra und Bushido.

EU-Gipfel in Brüssel : Polen stellt sich quer

Der EU-Gipfel sagt zu, die EU bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen – ausgenommen Polen. Warschau blockiert so das erhoffte Signal zum Ende der Klimakonferenz in Madrid.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.