https://www.faz.net/-gwz-vbcu

„Phoenix“-Mission : Es gibt kein Bier auf dem Mars

Gerade bei der letzten Frage ist man heute weiter. Zwar dürfte ein Teil des noachischen Wassers in den Weltraum entfleucht sein, denn der Mars hat kein Magnetfeld, das interplanetare Teilchenstrahlung davon abhalten könnte, die Dampf- und Gasmoleküle seiner Atmosphäre in leichte Stücke zu schlagen, die sein Schwerefeld dann nicht mehr halten kann. Doch ein guter Teil des Wassers ist noch da. Und zwar nicht nur in den Polkappen, sondern, wie im Jahr 2002 Messungen der Sonde „Mars Odyssey“ zeigten, auch in den Böden um die Pole herum. Daher wird auch erwartet, dass „Phoenix“ nach seiner Landung im Feuchten graben wird, besser gesagt: im Gefrorenen.

Staub- und geröllbedeckte Eislandschaften

Ein anderer, noch spektakulärerer Wasserfund gelang 2005 der europäischen Sonde „Mars Express“ mit ihrer Hochleistungs-Stereokamera. Strukturen wie der Sanduhr-Gletscher oder das Gefrorene Meer sind staub- und geröllbedeckte Eislandschaften, die es bei den heutigen klimatischen Verhältnissen an ihren Positionen eigentlich nicht geben dürfte (siehe „Panta rhei“).

„Ob da wirklich noch Eis drunter ist, ist nicht sicher“, sagt Ralf Jaumann, „aber sicher ist, dass sich dort Eis bewegt hat“ - und zwar vor weniger als 100 Millionen Jahren, wie das Forscherteam, dem auch Jaumann angehörte, anhand der geringen Zahl von Einschlagskratern abschätzen konnte. „Geologisch gesehen, war das gestern.“ All die anderen geomorphologischen Wasserspuren sind weit älter: Die Talnetzwerke stammen aus dem Noachium und die riesigen sogenannten Ausflusstäler aus dem nachfolgenden Hesperium bis hinein ins Amazonium.

Kohlendioxid verleiht den Fluten zusätzliche Wucht

Diese Ausflusstäler sind ein Kapitel für sich. Nichts überzeugt den Betrachter einer Marskarte so sehr von der Theorie einer beständig feuchten und lebensfreundlichen Mars-Urzeit wie sie. Doch das ist ein Trugschluss. Es handelt sich nämlich um die Überbleibsel katastrophaler, aber nur episodischer Fluten. „Man kann sie mit den isländischen ,Jökulhlaups' vergleichen, zu denen es bei einem Vulkanausbruch unter einem Gletscher kommt“, erklärt Jaumann. „Auf dem Mars sind es aber keine Gletscher, sondern es ist Bodeneis, dem durch Vulkanismus oder tektonische Bewegungen plötzlich Energie zugeführt wird.“

Das Kohlendioxid, das der Boden neben dem Wasser enthält, verleiht solchen Fluten zusätzliche Wucht. „Das ist, wie wenn man eine gefrorene Sektflasche schnell auftaut und dabei noch schüttelt.“ Da der schäumende Schwall auch noch große Mengen Gesteinsschutt mit sich reißt, kommt er damit auch in einer dünnen, kalten Atmosphäre ziemlich weit. Zwar frieren die Schlammströme oben rasch ein und sublimieren weg. Darunter aber bewegen sich die Massen aufgrund ihrer gewaltigen kinetischen Energie weiter.

„Es gab nie einen langfristig feuchten Mars“

Dass die Ausflusstäler nur kurzzeitig nass waren, wurde im vergangenen Jahr auch durch mineralogische Kartierungen der Marsoberfläche durch das französische Spektrometer „Omega“ an Bord von „Mars Express“ deutlich. Die Franzosen suchten im Ausflusstal Marwth Vallis nach Tonmineralen, zu denen das marsianische Vulkangestein verwittern sollte, wenn es in längeren Kontakt mit flüssigem Wasser tritt. Sie fanden auch welches, aber nicht in dem hesperischen Ausflusstal, sondern nur in uralten noachischen Gesteinen daneben.

„Das heißt, die Zeit hat nicht ausgereicht, um die Gesteine verwittern zu lassen“, sagt Jaumann. „Das deutet schon darauf hin, dass wir nie einen langfristig feuchten Mars hatten. Da die Phyllosilikate im Noachium auch nicht eben üppig sind, hatten wir auch damals keinen warmen, feuchten Mars.“ Abgesehen von episodischen Nässeperioden, in denen es aber immerhin regnete, war der Mars auch in noachischer Frühzeit demnach nur so feucht wie bei uns die Antarktis.

Weitere Themen

Topmeldungen

Erfolgreich im Beruf : Verborgene Helden

Mit Karriere verbinden wir Geld, Aufstieg und Ruhm. Erfolg und Erfüllung gibt es aber auch hinter den Kulissen. Fünf Beispiele für ein erfülltes Berufsleben.

Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.