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Phobos Grunt : Verloren im Orbit

Die russische Marssonde (hier vor dem Start am 9. November in Baikonur) ist wohl für immer verloren. Bild: dpa

Die russische Raumsonde Phobos Grunt, die Anfang November zum Mars gestartet war und seit dem um die Erde kreist, meldet sich noch immer nicht. Alle Versuche, Kontakt mit der Sonde aufzunehmen, sind bisher fehlgeschlagen. Jetzt hat auch die europäische Weltraumagentur Esa ihre Bemühungen vorerst eingestellt.

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          Fast vier  Wochen nach dem Start der russischen Marssonde Phobos Grunt ist es noch immer nicht gelungen, das unbemannte Raumschiff aus dem irdischen Schwerefeld zu befreien. Alle  Versuche sind bisher misslungen, die Triebwerke der Sonde zu zünden und Phobos Grunt in ein höheres Orbit zu befördern. Am 23. November hatte man den  letzten Funkkontakt. Seit dem werden auf der Erde keine Signale mehr empfangen. Nun haben  auch die Wissenschaftler der europäischen Raumfahrtagentur Esa resigniert, die die Kollegen von Roskosmos bislang unterstützt haben. Offenkundig hat man Phobos Grunt nun aufgegeben.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Keinen Kontakt mehr

          „Uns ist es nicht gelungen, Kontakt mit Phobos Grunt herzustellen“,  sagt Manfred Warhaut, Bereichsleiter für den ESA-Missionsbetrieb, der seit 14 Tagen mit seinen Kollegen vergeblich versucht hat, mit dem 15-Meter-Teleskop der Esa in Maspalomas (Gran Canaria), Funkverbindung mit der russischen Raumsonde aufzunehmen. „Wir stellen deshalb unsere Bemühungen bis auf weiteres ein, in Abstimmung mit unseren russischen Kollegen“. Sollte es aber wieder erwarten Signale von Phobos Grunt geben, werden die europäischen Wissenschaftler ihre  russischen Kollegen sofort unterstützen. Doch wie es derzeit aussieht, wird  Phobos Grunt, „wahrscheinlich niemals zum Mars fliegen“, sagt Warhaut.

          Brisante Fracht

          Warum  Phobos Grunt schweigt,  ist unklar. In Frage kommen technische Defekt oder Störungen durch den Sonnenwind. „Wir können derzeit nur über die Ursachen spekulieren“, sagt  Warhaut. Auf dem derzeitigen Orbit in 200 bis 240 Kilometern Höhe kreist Phobos Grunt zwar auf einer stabilen Bahn. Das Zeitfenster,  um Kontakt aufzunehmen, beträgt pro Umlauf nur sechs Minuten. Deshalb versuchen die Mitarbeiter der russischen Weltraumbehörde Roskosmos Phobos Grunt in ein höheres Orbit zu bringen“. Auch wenn man keinen Kontakt mit der Raumsonde bekommt, so lässt sich der Verlauf der gegenwärtigen Position doch recht gut verfolgen. Noch ist die Bahn stabil, aber irgendwann wird  die mit dem  Treibstoff mehr als 13 Tonnen schwere Sonde in die Erdatmosphäre eintreiten und abstürzen.  Insgesamt befinden sich mehr als sieben Tonnen giftiges Stickstofftetroxid und Hydrazin an Bord. Solange der Treibstoff flüssig bleibt, wird er in der Reibungshitze verdampfen, die beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre entsteht. Was im anderen Fall geschehen könnte, darüber will derzeit niemand spekulieren.

          Große Hoffnungen verflogen

          Die russische Weltraumbehörde Roskosmos hatte große Hoffnungen auf die Marsmission  gesetzt. Phobos Grunt  wäre die erste interplanetare Forschungsmission seit 15 Jahren gewesen. Die Sonde sollte in etwa einem Jahr in eine Umlaufbahn um den Mars einschwenken. Im Februar 2013 hätte sich dann eine Landekapsel gelöst, die auf dem Marsmond Phobos gelandet wäre. Ein Roboterarm sollte  Bodenproben nehmen. Anschließend wäre der obere Teil der Kapsel vom Marsmond gestartet und hätte  die Bodenproben im August 2014 zur Erde zurückbringen sollen.

          Marsmond Phobos aus nächster Nähe
          Marsmond Phobos aus nächster Nähe : Bild: ESA/ DLR/ FU Berlin (G. Neukum)

          Rätselhafter Marsmond

          Der elf Kilometer große Marsmond Phobos ist für die Plantenforscher  von großem Interesset. Der im Jahre 1877 entdeckte Trabant gehört zu den rätselhaftesten Objekten im Sonnensystem. Die Astronomen glauben, dass es sich um einen vom Mars eingefangenen Asteroiden handelt. Weil seine Dichte nur ein Drittel der Dichte der Erde beträgt, besteht Phobos zum großen Teil aus Eis mit Gesteinsbrocken-Sprengseln. Jüngste Fotos amerikanischer Marssonden lassen vermuten, dass Phobos von einer bis zu 100 Meter dicken Staubschicht bedeckt ist.

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