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„Perseverance“-Rover : Gab es einmal Leben auf dem Mars?

Die Atlas V Rakete mit dem Perseverance-Rover an Bord auf dem Weg zum Space Launch Complex 41 der Cape Canaveral Air Force Station
Die Atlas V Rakete mit dem Perseverance-Rover an Bord auf dem Weg zum Space Launch Complex 41 der Cape Canaveral Air Force Station : Bild: AFP

Die Marsatmosphäre war anfänglich durch die Ausgasung des Krusten- und Mantelmaterials und von Kometen- und Asteroideneinschlägen bestimmt. Die leichten Elemente entwichen bald in den interplanetaren Raum. Sobald das Magnetfeld die Atmosphäre nicht mehr vor dem Einfluss des Sonnenwinds zu schützen vermochte, wurde dieser Prozess noch verstärkt und umfasste auch die schwereren Elemente. Vulkanausbrüche und Einschläge führten der Atmosphäre zwar neue flüchtige Elemente zu, konnten längerfristig aber nicht verhindern, dass der Atmosphärendruck immer weiter auf den heutigen Wert von nur noch sechs Millibar abnahm. Flüssiges Wasser oder pures Wassereis können heute angesichts dieses geringen Drucks nicht mehr für längere Zeit auf der Oberfläche existieren.

Von der früheren Existenz flüssigen Wassers zeugen heute aber vielfältige Oberflächenstrukturen, wie die einst von Mariner 9 entdeckten: Talsysteme, die auf ablaufendes Oberflächenwasser hinweisen und teilweise in offene, heute ausgetrocknete Seen münden, ehemalige isolierte Kraterseen, sogar über die Existenz eines Ozeans auf der nördlichen Hemisphäre wurde angesichts einer mutmaßlich erkennbaren Küstenlinie spekuliert.

Der Perseverance-Rover orientiert sich in seinem Design eng an seinen Vorgängern.
Der Perseverance-Rover orientiert sich in seinem Design eng an seinen Vorgängern. : Bild: Reuters

Diese Strukturen scheinen vor allem in der ersten Milliarde Jahre der Marsgeschichte entstanden zu sein, in jüngerer Zeit werden Hinweise auf flüssiges Wasser dann zunehmend seltener, stärker lokalisiert und weniger ausgedehnt. Auf der Erde benötigt die Ausbildung von Flusssystemen zwischen zehntausend und zehn Millionen Jahre, abhängig von der Beschaffenheit des Untergrundes. Der Curiosity-Rover der Nasa fand im Gale-Krater Sedimentablagerungen, deren Dicke darauf hinweist, dass dort Wasser mindestens einige Millionen Jahre lang existiert haben könnte. Wie lang die feuchten Episoden auf dem Mars tatsächlich anhielten, ob sie ausgedehnt waren oder aus nur zeitweilig auftretenden gewaltigen Fluten bestanden, ist aber nach wie vor Gegenstand von Diskussionen.

Schließlich weiß man, dass das Marsklima überaus wechselhaft war. Das liegt unter anderem an Unregelmäßigkeiten der Bahnbewegung des Mars. Anders als bei unserer Erde wird seine Achsenneigung nicht durch einen Mond stabilisiert und schwankt deutlich auf Zeitskalen von Millionen von Jahren. Daraus resultieren jeweils unterschiedlich stark ausgeprägte Jahreszeiten, Perioden des Abschmelzens der Eisreservoire an den Polen und Phasen erneuter Vereisung. Auch Vulkanausbrüche und Asteroideneinschläge führten zu starken temporären klimatischen Schwankungen. Wie trotz all dieser wechselhaften Einflüsse auf das Klima längere warme und feuchte Phasen möglich gewesen sein können, ist nach wie vor offen.

Premiere: Die Nasa wird mit dem Ingenuity-Helikopter zum ersten Mal ein motorisiertes Fluggefährt auf dem Mars testen.
Premiere: Die Nasa wird mit dem Ingenuity-Helikopter zum ersten Mal ein motorisiertes Fluggefährt auf dem Mars testen. : Bild: AFP

Unstrittig scheint aber: Auf dem Mars gab es zumindest gewisse Zeiträume, in denen die entscheidenden Zutaten für die Entstehung von Leben existierten – flüssiges Wasser, komplexe Kohlenstoffchemie, verfügbare Energiequellen, mineralische Oberflächen. In Lachen an den Stränden von Seen oder Meeren könnten sich einfache Moleküle unter dem Einfluss von UV-Strahlung, Verdunstung und erneuter Bewässerung zu immer komplexeren Formen zusammengefunden haben, um schließlich selbstreplizierende chemische Verbindungen, etwa als Vorläufer von RNA, zu schaffen. Aber hielten diese Bedingungen auch lang genug an, um die Entstehung von Leben zu begünstigen? Die Tatsache, dass der Curiosity-Rover der Nasa mehrfach das flüchtige Gas Methan nachweisen konnte, das auf der Erde durch biologische Prozesse erzeugt wird, regte zwar Spekulationen an, dass noch heute unterirdisch Marsorganismen existieren könnten. Doch gibt es genügend andere nichtbiologische Prozesse, die diese Beobachtungen erklären könnten – die Frage nach Leben auf dem Mars bleibt weiter offen.

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