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Parker Solar Probe gestartet : Die Nasa schickt Raumsonde zur Sonne

  • Aktualisiert am

Start der Trägerrakete mit der Sonde „Parker Solar Probe“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral Bild: AP

Die amerikanische Raumsonde „Parker Solar Probe“ ist zu ihrer Reise ins Zentrum unseres Sonnensystems gestartet. Dort wird sie die Sonne sieben Jahre lang umkreisen und dem Feuerball so nahe kommen wie kein anderer Raumflugkörper je zuvor.

          Die amerikanische Raumsonde „Parker Solar Probe“ ist zur ihrer Reise in Richtung Sonne aufgebrochen. Pünktlich um 9.31 Uhr deutscher Zeit (3.31 Uhr Ortszeit) hob sie an Bord einer „Delta IV Heavy“-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im amerikanischen Bundesstaat Florida ab. Der Start war bereits für Samstagvormittag vorgesehen, musste aber wegen Problemen am Heliumtank kurzfristig abgebrochen werden. Derzeit befindet sich die Oberstufe der Delta-Rakete mit der 700 Kilogramm schweren Sonde auf dem Flug in die vorgesehene Erdumlaufbahn. Von dort aus wird „Parker Solar Probe“ weiter ins Zentrum unseres Sonnensystems reisen. Mit Hilfe der Schwerkraft der Venus gelangt die Sonde nach und nach in die Nähe unserer Sonnen, die von der Erde rund 150 Millionen Kilometer entfernt ist. Ihr Ziel wird die Sonde voraussichtlich Ende 2024 erreichen.

          Auf Tuchfühlung mit der Sonne

          Bis auf rund 6,2 Millionen Kilometer wird sich die Sonde der  Sonne  nähern,  sie auf elliptischen Bahnen umrunden und ihre Atmosphäre untersuchen.  Das Raumfahrzeug von der Größe eines Autos wird während seiner auf sieben Jahre ausgelegten Sonnenexpedition insgesamt 24 Mal durch die sogenannte Corona fliegen, wie Astronomen die Atmosphäre unseres Zentralgestirns nennen. Dabei wird „Parker Solar Probe“ einer Temperatur von mehr als 1370 Grad Celsius ausgesetzt sein. Ein fast zwölf Zentimeter dicker Karbonpanzer schützt die Raumsonde vor der Hitze und der intensiven Strahlung der Sonne.

          Die Raumsonde soll unter anderem die Frage beantworten, warum in der Corona Temperaturen von bis zu 5,6 Millionen Grad Celsius herrschen – während die Sonnenoberfläche „nur“ 5500 Grad heiß ist. Die Nasa-Forscher versprechen sich von der bis 2025 angesetzten Mission neue Erkenntnisse über die Funktionsweise von Sternen. Dank der gewonnenen Daten, hofft man bessere Vorhersagen von sogenannten Sonnenstürmen treffen zu können Bei solchen kosmischen Wetterereignissen werden geladene Teilchen von der Sonne ins All geschleudert, die auf der Erde geomagnetische Stürme auslösen können. Je nach ihrer Stärke können diese Magnetstürme beträchtliche Störungen in der Stromversorgung oder bei elektrischen Geräten verursachen.

          Zu Ehren von Eugene Parker

          „Parker Solar Probe“ wird Fragen über Solarphysik beantworten, die uns seit mehr als sechs Jahrzehnten umtreiben“, sagte Nasa-Wissenschaftlerin Nicola Fox vor dem Start. „Es ist ein Raumschiff, vollgepackt mit technologischen Neuerungen, die viele der größten Mysterien um unseren Stern herum lüften werden – zum Beispiel, warum der Strahlenkranz um die Sonne herum heißer ist als ihre Oberfläche.“

          Mit der „Parker Solar Probe“ benannte die Nasa erstmals eine Sonde nach einem lebenden Wissenschaftler, dem Astrophysiker Eugene Parker (91), einem emeritierten Professor der University of Chicago. Er fühle sich sehr geehrt, sagte Parker. „Die Sonde fliegt in eine Gegend des Weltalls, die wir noch nie erkundet haben. Es ist sehr aufregend, dass wir da endlich hinschauen können. Ich hätte gerne detailliertere Messungen der Sonnenwinde. Ich bin mir sicher, es wird einige Überraschungen geben.“ Seit Jahrzehnten hat die Nasa eine solche Sonnen-Expedition geplant.

          „Parker Solar Probe“ bildet die Vorhut. In rund drei Monaten wird bereits der nächste Raumflugkörper zur Sonde aufbrechen, der „Solar Orbiter“ der europäischen Raumfahrtagentur Esa. Die Missionen wurden unabhängig von einander entwickelt, sollen aber kooperieren. „Es gibt da einfach Fragen, die uns seit langer Zeit beschäftigen“, sagte Nasa-Forscher Adam Szabo.

          „Wir wollen herausfinden, was nahe der Sonne passiert, und die offensichtliche Lösung dafür ist, einfach hin zufliegen. Wir können es gar nicht mehr abwarten.“ Parker Solar Probe kommt zwar näher an die Sonne heran, als alle anderen Raumsonde zuvor. Sie ist aber nicht die erste, die die Sonne aus der Nähe untersucht. Bereits in den 1970er Jahren starteten die deutsch-amerikanischen Sonden Helios 1 und Helios 2, die jedoch mit rund 45 Millionen Kilometern einen gebührenden Abstand zum Hitzeball hielten. Zum Vergleich: Die Erde ist im Schnitt etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Merkur rund 58 Millionen Kilometer.

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