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Panne bei europäischem GPS : Rätselhafter Uhrenstopp in Galileo-Satelliten

Ein Späher des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo Bild: dpa

Im Dezember hat Europa den Start der ersten Dienste seines Navigationssystems gefeiert. Jetzt dämpft ein technisches Problem bei Galileo die Erwartungen: Neun Atomuhren sind ausgefallen.

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          In den Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo sind offenbar mehrere Atomuhren ausgefallen. Es seien derzeit neun der präzisen Zeitmesser betroffen, erklärte der Chef der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Jan Wörner, in Paris. Ob man die Atomuhren wieder aktivieren könne, ist derzeit ebenso unklar, wie die Ursache für die Panne. Weil aber jeder Galileo-Satellit insgesamt vier Uhren an Bord habe, sei bislang kein Satellit dadurch ausgefallen, sagte Wörner. „Bislang ist die Funktionsfähigkeit von Galileo nicht gefährdet.“

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Atomuhren, die die Schwingungen von Atomen als Taktgeber nutzen, sind entscheidend dafür, dass die Satellitennavigation funktioniert. Die Satelliten werden über die exakten Chronometer synchronisiert. Sie müssen ihre Signale gleichzeitig aussenden, damit etwa die Navigationsgeräte in den Autos die jeweilige Position möglichst exakt bestimmen können. Dazu reicht im Prinzip aber eine funktionsfähige Uhr pro Satellit aus.

          Die 30 Späher des europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo
          Die 30 Späher des europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo : Bild: dpa

          Jeder Galileo-Satellit enthält zwei verschiedene Arten von Atomuhren: zwei Rubidium-Uhren und zwei Wasserstoff-Maser-Uhren. Aktuell seien drei Rubidium-Chronometer und sechs Wasserstoff-Maser-Taktgeber ausgefallen, sagte Wörner. Eine weitere betroffene Wasserstoff-Maser-Uhr laufe inzwischen wieder.

          Suche nach den Ursachen

          Derzeit kreisen 18 Galileo-Satelliten in der Erdumlaufbahn in einer Höhe von rund 23 000 Kilometern. In drei Jahren soll Galileo voll funktionsfähig sein und 30 Satelliten umfassen. Das europäische Prestigeprojekt stand in den vergangenen Jahren wegen großer Kostensteigerungen und jahrelanger Verzögerungen immer wieder in der Kritik. Mit Galileo will Europa vom amerikanischen GPS unabhängig werden.

          Nun versucht man bei der Esa, die genauen Ursachen für den Ausfall zu ergründen. Möglicherweise hat es mit dem An- und Ausschalten der Atomuhren zu tun. Man denkt darüber nach, ob nicht der für Anfang August anvisierte Raketenstart mit weiteren Galileo-Satelliten besser so lange verschoben werden sollte, bis der Fehler gefunden ist. Würde man aber den weiteren Ausbau von Galileo jetzt stoppen und fielen bereits ins All gebrachte Satelliten tatsächlich aus, würde sich die Qualität der bereits verfügbaren Navigationsdienste verschlechtern.

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