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Nova Vul 1670 : Rätselhafte Sternexplosion

  • -Aktualisiert am

Reste des im Jahr 1670 beobachteten neuen Sterns. Für die Aufnahme wurden ein Bild im sichtbaren Licht mit dem Gemini-Teleskop (blau), eine Submillimeterkarte der Staubverteilung mit dem SMA (gelb) sowie eine Karte der molekularen Emission von APEX und dem SMA (rot) überlagert. Bild: ESO/T. Kaminski

Im 17. Jahrhundert haben Sterngucker eine Nova, einen neuen Stern, beobachtet. In Wirklichkeit hat es sich wahrscheinlich aber um die Kollision zweier Sonnen gehandelt. Dafür sprechen neue Beobachtungen.

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          Bei einer im Jahr 1670 beobachteten Sternexplosion sind wahrscheinlich in Wirklichkeit zwei Sterne miteinander kollidiert. Das zeigt die molekulare Zusammensetzung der dabei entstandenen Trümmerwolke, die Astronomen des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn mit Radioteleskopen in den chilenischen Anden, auf Hawaii und mit dem 100-Meter-Teleskop in Effelsberg bei Bonn untersucht haben.

          „Wir haben herausgefunden, dass die gesamte Umgebung dieses Überrests in ein kühles Gas eingebettet ist, das eine Vielzahl von Molekülen in ungewöhnlicher chemischer Zusammensetzung enthält“, erklärt Tomasz Kamiński vom MPI. Die gefundenen Moleküle (darunter Blausäure, Formaldehyd, Ammoniak), deren Isotopenverhältnisse und auch deren Menge unterschieden sich stark davon, was man bei einer klassischen Nova erwarten würde.

          Der Stern explodierte noch einmal

          Das unter dem Namen „CK Vulpeculae“ bekannte Objekt war zum ersten Mal am 20. Juni 1670 bemerkt worden. Es tauchte am Himmel als ein mit dem freien Auge sichtbarer Stern nahe dem Sternbild Schwan auf. In den beiden Folgejahren erschien es noch zwei weitere Male am Firmament, um schließlich endgültig zu verblassen. Der unter anderem von den berühmten Astronomen Johannes Hevelius und Giovanni Cassini beobachtete „neue Stern“ gilt als die erste beobachtete Nova, womit im 17. Jahrhundert jeder plötzlich am Himmel erscheinende Stern bezeichnet wurde.

          Heute haben die Astronomen eine genauere Definition für diesen Begriff. Es handelt sich um eine Explosion, die sich auf einem Weißen Zwergstern abspielt - dem Überrest eines einst hellen Sterns, der unserer Sonne ähnlich war. Sammelt der Weiße Zwerg Material von einem nahen Begleitstern auf, steigt der Druck auf seiner Oberfläche, bis die angesammelte Materie in einer gewaltigen Eruption ins All geblasen wird. Anders als bei einer Supernova wird der Weiße Zwerg dabei nicht zerstört, die Explosion kann sich also nach einiger Zeit wiederholen.

          Klassische Novae in neuem Licht

          Typischerweise vergeht ein solches Nova-Ereignis aber nach wenigen Wochen. Die lange Sichtbarkeit von CK Vulpeculae nährte daher früh den Verdacht, dass es sich nicht um eine klassische Nova gehandelt hat. Die Ergebnisse von Kamiński und seinen Kollegen, die in der Zeitschrift „Nature“ erschienen sind, bestätigen diese Vermutung. Sie weisen außerdem darauf hin, dass CK Vulpeculae möglicherweise die erste Beobachtung eines ungewöhnlichen Typs von Sterndetonation war: eine sogenannte „rote Nova“. Diese dauern nicht nur länger als klassische Novae, sondern leuchten auch heller, das von ihr ausgesandte Licht ist rötlich. Viele Eigenschaften der roten Novae sind noch unerforscht, bis vor wenigen Jahren wusste man noch nichts von diesem Phänomen.

          Nach dem derzeit favorisierten Erklärungsmodell entsteht eine rote Nova bei der Kollision und Verschmelzung zweier Sterne. Solche Ereignisse sind selten, da Sterne normalerweise Lichtjahre voneinander entfernt sind. Astronomen sind davon überzeugt, dass noch weitere historische, ursprünglich als klassische Novae eingestufte Objekte in Wirklichkeit rote Novae gewesen waren.

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