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New Horizons : In Siebenmeilenstiefeln zum Pluto

Pluto als Illustration: Ein Himmelsbrocken mit einer Oberfläche aus Eis, Gestein und Wolken. Bild: Nasa

Die Nasa-Sonde „New Horizons“ rast in Richtung Pluto und schickt immer bessere Ansichten vom Zwergplaneten zur Erde. Am 14. Juli wird sie dann den fernen Himmelskörper erreichen und an ihm vorbeifliegen, auf der ursprünglich geplanten Flugroute.

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          In elf Tagen ist es soweit. Dann wird die amerikanische Raumsonde „New Horizons“ so nah wie noch kein anderer Flugkörper zuvor am Zwergplaneten Pluto vorbeifliegen. Der Abstand zwischen Sonde und Pluto wird am 14. Juli nur 12.500 Kilometer betragen. Auf die Bilder, die die Sonde zur Erde schicken wird, warten die Astronomen in aller Welt bereits mit Spannung. Denn Pluto zählt unter den größeren Himmelskörpern des Sonnensystems zu den am wenigsten bekannten. Die einzigen – recht verschwommenen – Ansichten von seiner Oberfläche gab es bislang von irdischen Teleskopen und vom Weltraumteleskop Hubble.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Noch beträgt die Distanz zum Zwergplaneten etwas weniger als 15 Millionen Kilometer – von der Erde hat sich die Sonde seit ihrem Start vor neuneinhalb Jahren mittlerweile 4,7 Milliarden Kilometer entfernt. Jeden Tag legt New Horizons etwa 1,2 Millionen Kilometer zurück – die dreifache Distanz von Erde und Mond. Die Farbansichten vom Zwergplaneten, die die Sonde seit kurzem zur Erde schickt, übertreffen jetzt die Qualität der Aufnahmen mit dem Hubble-Weltraumteleskop, und es sind Details von Pluto zu erkennen, die man vorher nicht beobachtet hat.

          So überziehen die rötlich erscheinende Oberfläche des Zwergplaneten helle und dunkle Bereiche, die im Schnitt einen Durchmesser von 500 Kilometern aufweisen. Die Größe und Zahl der Flecken ist auf den beiden Hemisphären des Pluto unterschiedlich  ausgeprägt. Ihr Ursprung ist noch unklar. Auch auf dem größten der fünf bekannten Plutomonde Charon hat New Horizons auffällige dunkle Flecken gesichtet – besonders in der Polarregion.

          Gefahrlose Passage

          Eine gute Nachricht haben die bisherigen Beobachtungen der Raumsonde für die amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und die an der Mission beteiligten Forscher bereits geliefert. Offenkundig besitzt Pluto keine Staubringe und keine weiteren als die fünf bekannten Monde und damit nichts, was  New Horizons bei ihrem dichten Vorbeiflug am 14. Juli gefährlich nahe kommen könnte.  Deshalb kann die Raumsonde die vorgesehene Flugroute beibehalten und ihre geplanten Erkundungen ausführen. Die allerletzte Kurskorrektur wäre am morgigen Samstag (4. Juli) möglich gewesen.

          Die Nasa-Raumsonde New Horizons fliegt Mitte Juli am Pluto vorbei.

          Mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten an Bord wird New Horizons Pluto und seine Monde untersuchen und dabei zahlreiche Daten und Bilder sammeln. „Es gibt soviel, was wir nicht wissen, nicht nur über Pluto, sondern auch über ähnliche Welten,“sagt Nasa-Chefwissenschaftler und ehemalige Astronaut John Grunsfeld. Das Wissen über Pluto werde exponentiell ansteigen. Wegen der großen Entfernung des Zwergplaneten benötigen  die Signale von New Horizons bis zur Erde viereinhalb Stunden. Weil die Raumsonde am Tag des Vorbeiflugs an Pluto sehr beschäftigt sein wird, wird man mit den ersten Bildern wahrscheinlich erst am darauffolgenden Tag rechnen können.

          Die am 19. Januar 2006 gestartete Raumsonde New Horizons ist die schnellste Sonde in der Geschichte der unbemannten Raumfahrt. Von dem rund 700 Millionen Dollar teuren Projekt erwartet sich die Nasa eine Innenansicht der Ursprünge unseres Sonnensystems vor etwa 4,57 Milliarden Jahren. Der 2400 Kilometer große Zwergplanet weist möglicherweise eine Schicht aus gefrorenem Stickstoff einen Mantel aus Wassereis und einen  Mantel aus Gestein auf. Ob es auf Pluto flüssiges Wasser gibt, ist noch umstritten.

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