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Sonnensystem : Der neunte Planet gewinnt an Kontur

Der neunte Planet unseres Sonnensystems. Bild: dpa

Wie groß und wie hell ist dieser neunte Planet, falls er existiert? Wie warm oder kalt ist er? Diesen Fragen sind Wissenschaftler nachgegangen und haben ein erstes Bild von dem seltsamen Himmelskörper entworfen.

          Es ließ die Astronomen aufhorchen, als Anfang des Jahres Konstantin Batgyin und Mike Brown vom California Institute of Technology in Pasadena verkündeten, es gäbe einen unbekannten Planeten im Sonnensystem, der seine Bahn weit jenseits der Plutobahn zieht. Bahnberechnungen haben ergeben, dass der Himmelskörper etwa die zehnfache Masse der Erde besitzen könnte.

          Die vermutete elliptische Bahn von Planet neun: Sedna sowie die übrigen transneptunischen Objekte gehören zur Klasse der Zwergplaneten und kreisen im Kuipergürtel. Planet neun kommt der Sonne wahrscheinlich nie näher als die 200fachen Distanz zwischen Erde und Sonne.
          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die beiden Astronomen schlossen auf die Existenz von „Planet neun“ - so der vorläufige Name des Himmelskörpers - aus der auffälligen Bahnbewegung einiger Objekte im sogenannten Kuipergürtel am Rande des Sonnensystems. Gesichtet hat den Planeten, der für einen Umlauf um die Sonne 10.000 bis 20.000 Jahre benötigen würde, zwar noch kein Astronom. Das Bild, das man sich von dem Himmelskörper macht, nimmt aber immer konkretere Formen an.

          Der kleine Eisriese

          Zwei Wissenschaftler von der Universität Bern, die die Geburt von Planet neun vor 4,6  Milliarden Jahren und dessen Entwicklung bis heute im Computer simuliert haben, glauben, dass es sich um einen kleinen Eisplaneten mit einer Hülle aus Wasserstoff und Helium handelt (siehe Grafik). Eine kleinere Version von Uranus und Neptun gewissermaßen, schreiben die Forscher in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift „Astronomy & Astrophysics“.

          So könnte der 9. Planet aufgebaut sein.

          Die Temperatur der Oberflächen könnte minus 226 Grad betragen. Das würde bedeuten, dass der Planet selbst Wärme abstrahlt. „Wenn der Planet selbst keine innere Energie hätte, läge seine Temperatur bei nur minus 263 Grad Celsius“ erklärt Esther Linder. Die Temperatur des Objekts steigt wie für Planeten typisch in seinem Inneren an. Für den Eisenkern haben die Forscher eine Temperatur von 3400 Grad ermittelt. Der Kern ist vermutlich von einem Silikatmantel umgeben und dieser wiederum von einer Eisschicht.

          Ein Planet mit zehn Erdmassen, wie es Batgyin und Brown vorgeschlagen haben, müsste laut den Forschern aus Bern einen Radius von 3,7 Erdradien besitzen. Astronomen in aller Welt halten inzwischen Ausschau nach dem Objekt. Allerdings weiß niemand so genau, wo es sich derzeit befindet, zumal es nur schwaches Infrarotlicht abstrahlt. Mit der Entdeckung ist auch wieder die Debatte neu entflammt, aus wie vielen Planeten unser Sonnensystem eigentlich besteht. Seit Pluto vor zehn Jahren zum Zwergplaneten degradiert wurde, umkreisen offiziell nur noch acht Planeten die Sonne.

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