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Neue Kartentechnik : Wandern auf dem Mars

  • -Aktualisiert am

Topographisches Kartenblatt von der Marsregion „Iani Chaos” Bild: Bilddaten: Esa/DLR/FU Berlin (G.Neukum) / Karte: TU Berlin

Mit einem Computerprogramm lassen sich Mars-Bilder entzerren und mit notwendigen kartographischen Informationen versehen. Damit sind genaue Karten von der gesamten Oberfläche des Himmelskörpers in greifbare Nähe gerückt.

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          Seit die ersten Raumsonden den Planeten Mars fotografiert haben, sind genaue Karten von der gesamten Oberfläche dieses Himmelskörpers in greifbare Nähe gerückt. Mit den Fotos der deutschen Kamera HRSC („High Resolution Stereo Camera“) an Bord der europäischen Raumsonde Mars Express ließe sich dieses kartographische Ziel bald verwirklichen. Denn sie decken mittlerweile einen erheblichen Teil der Oberfläche mit einer „Auflösung“ von rund zehn Metern bis hin zu zwei Metern ab.

          An der Technischen Universität Berlin und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist in den vergangenen Jahren ein Computerprogramm („Planetary Image Mapper“) entwickelt worden, mit dem sich die Fotos entzerren und mit den notwendigen kartographischen Informationen versehen lassen. Ein topographisches Kartenblatt im Maßstab 1:200 000 von der Marsregion „Iani Chaos“ und Ausschnitte in den Maßstäben 1:100 000 und 1:50 000, also mit der Qualität von hochwertigen Wanderkarten, sind jetzt als Beispiele für die Möglichkeiten der Kartentechnik hergestellt worden.

          Dreidimensionale Bilder

          Iani Chaos ist eine 330 mal 430 Kilometer große Depression knapp drei Grad südlich des Marsäquators, die sich durch individuelle Gesteinsblöcke mit einem Durchmesser von bis zu acht Kilometern auszeichnet. Es sind gleichsam Inseln, die durch tiefer liegendes Terrain voneinander getrennt sind. Möglicherweise hat es unter dieser Landschaft einst große Mengen an Eis gegeben, die durch die Wärme vulkanischer Aktivität schmolzen. Teile des Geländes brachen dann ein, und es entstand die chaotische Struktur.

          Fotos der HRSC-Kamera dienen als Grundlage

          Der hier abgebildete Kartenausschnitt stammt aus einer Karte im Maßstab 1:100 000. Die senkrechten und waagerechten Linien geben ein kartographisches Gitter mit Längen und Breiten in Abständen von jeweils 15 Bogenminuten wieder. Benachbarte Konturlinien entsprechen Höhenunterschieden von 100 Metern. Auf der Karte im Maßstab 1:200 000 sind Unterschiede von 250 Metern verzeichnet, im Maßstab 1:50 000 nur solche von 50 Metern. Die Höhenangaben hat die HRSC-Kamera mitgeliefert. Mit diesem Instrument werden routinemäßig dreidimensionale Bilder erzeugt.

          Im Maßstab 1:200 000 würden 10 372 Kartenblätter, die in einer „Equal-area map projection“ jeweils gleich große Gebiete zeigten - wobei sie am Äquator zwei mal zwei Grad bedeckten -, den gesamten Mars abbilden. Jedes dieser Standardblätter wäre 83 mal 70 Zentimeter groß. Einen solch gewaltigen Kartensatz zu schaffen würde allerdings die Möglichkeiten der Berliner Forscher sprengen. Das Programm wäre daher wohl nur auf europäischer Ebene zu verwirklichen.

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