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Asteroid gerammt : Volltreffer!

Der Asteroid Dimorphos, Sekunden vor dem Aufprall. Bild: NASA/APL

Die amerikanische Raumsonde „Dart“ ist planmäßig auf dem Asteroiden Dimorphos zerschellt. Es muss sich aber erst noch zeigen, ob sie dadurch seine Flugbahn ändern konnte.

          2 Min.

          „Loss of Signal“ ist für gewöhnlich keine Meldung, welche die Bodenkontrolle einer Raummission gerne auf ihren Bildschirmen erscheinen sieht. Heute Nacht aber, um 1:14 Uhr Deutscher Zeit, brachen Chefingenieurin Elena Adams und ihr Team im Kontrollraum der von ihnen betreuten Sonde „Dart“ bei eben dieser Meldung in Jubel aus.

          Ulf von Rauchhaupt
          Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor Ort am Applied Physics Laboratory (APL) in Baltimore war es 19:14 Uhr, als die Übertragung der Bordkamera abbrach, die bis dahin jede Sekunde ein Bild zur Erde gefunkt hatte. Das letzte zeigte ein Feld voller metergroßer Felsbrocken auf der Oberfläche des 163 Meter messenden Asteroiden Dimorphos. Auf ihm war die 330 Millionen Dollar teure Sonde soeben zerschellt.

          Eine Stunde zuvor war Dimorphos noch gar nicht zu erkennen gewesen. Darts Bordkamera zeigte nur einen wenige Bildpixel großen Punkt. Dabei handelte es sich nicht um das Ziel, sondern um den 780 Meter großen Asteroiden Didymos, den Dimorphos in 1,2 Kilometern Abstand umkreist wie ein kleiner Mond.

          Gefahr für Großstädte

          Ziel der vor zehn Monaten gestarteten Mission war es, dieses Möndchen frontal und möglichst zentral an seinem Schwerpunkt zu rammen, um ihn dadurch abzubremsen. Das würde ihn hoffentlich auf eine engere Umlaufbahn um Didymos bringen, was mit irdischen Teleskopen nachzuweisen sein sollte. Im Erfolgsfall wäre dadurch gezeigt, dass sich zumindest Asteroiden dieses Kalibers mit existierender Technologie vom Kurs abbringen lassen, sollte einmal einer entdeckt werden, dessen Bahn ihn mit der Erde zusammentreffen lässt. Denn Brocken dieser Größe könnten dabei eine Großstadt auslöschen.

          Zumindest getroffen haben die Wissenschaftler und Ingenieure der NASA und des APL. Dart verfehlte das genaue Zentrum von Dimorphos nach vorläufigen Berechnungen nur um 17 Meter. Das war keineswegs selbstverständlich, denn die Sonde wurde nicht per Joystick von Baltimore aus ins Ziel gesteuert, sondern stürzte sich autonom per Bordcomputer ins geplante Verderben. Daher gab es immer ein Restrisiko, dass die Algorithmen zum Beispiel eine von der Sonne beschienene Erhebung auf dem unregelmäßig geformten Didymos mit dessen Mond verwechseln und die Sonde dadurch vom Kurs abbringen. „Aber als wir Dimophos zum ersten Mal gesehen haben, das war der Moment, an dem wir wussten, dass wir treffen würden“, sagte Elena Adams in der anschließenden Pressekonferenz auf dem Internetkanal der NASA.

          Hätte Dart sein Ziel verfehlt, hätte man das vor allem zu Testzwecken installierte experimentelle Ionentriebwerk angeworfen, wäre die Sonde  in einem weiten Bogen zu dem Asteroidenpaar zurückgeflogen und hätte es in zwei Jahren noch einmal versucht. So sah jedenfalls eines von 21 Szenarien aus, die Adams und ihr Team für den Fall von Anomalien trainiert hatten.

          Das war nun glücklicherweise umsonst gewesen. Dart ist nicht mehr, stattdessen klafft zwischen den Felsbrocken auf Dimorphos nun ein zehn bis zwanzig Meter weiter Krater und darüber war vielleicht noch lange eine Trümmerwolke zu sehen, denn die Gravitation des kleinen Asteroiden ist so gering, dass herausgeschleudertes Material nur langsam wieder zur Oberfläche zurückfällt.

          Darts letztes vollständiges Bild, zwei Sekunden vor dem Aufprall auf Dimorphos.
          Darts letztes vollständiges Bild, zwei Sekunden vor dem Aufprall auf Dimorphos. : Bild: NASA/APL

          Etliche Teleskope haben heute Nacht nach solch einer Wolke Ausschau gehalten, darunter die Weltraumteleskope Hubble und das nagelneue James Webb Space Telescope. Aus nächster Nähe wurde das Geschehen von einem italienischen Mini-Satelliten beobachtet, den Dart bereits vor zwei Wochen ausgesetzt hatte. In vier Jahren schließlich wird die Europäische Raumsonde „Hera“ im Didymos-System eintreffen und dann natürlich auch den von Dart geschlagenen Krater untersuchen. Reste der Sonde dürfte sie dabei aber nicht finden, erklärte Carolyn Ernst vom Jet Propulsion Laboratory der NASA auf der Pressekonferenz. „Das war so ein schneller Einschlag, da dürfte von dem Raumfahrzeug nichts mehr zu sehen sein“.

          Damit ist die Arbeit der Ingenieure in Baltimore nun getan, jetzt müssen Astronomen weitermachen. Teleskopische Beobachtungen des kleinen Asteroiden-Systems durch mehrere Teams rund um die Erde werden mindestens zwei Monate brauchen, um sicher und quantifiziert feststellen zu können, ob und wie sehr sich Dimorphos' Umlaufbahn um Didymos nach dem Crash geändert hat. Erst dann wird man mit Bestimmtheit wissen, ob hier Menschen zum ersten Mal in der Geschichte einen Himmelskörper bewegt haben.

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