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Kepler 452b : Ist eine nahe Heimat in Sicht?

Paradiesischer Exoplanet Bild: Danielle Futselaar

Die amerikanische Weltraumbehörde ist von der Entdeckung des Exoplaneten „Kepler 452b“ elektrisiert. Nasa-Manager Grunsfeld wähnt die Entdeckung einer Erde 2.0 in greifbarer Nähe. Dennoch sollten wir uns damit abfinden, dass die Menschheit die Erde nie verlassen kann.

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          Die Entdeckung eines extrasolaren Planeten ist mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Keine Woche vergeht, in der nicht mindestens ein bislang unbekannter Planet aufgespürt wird, der um einen fernen Stern außerhalb unseres Sonnensystems kreist. Die meisten Exoplaneten sind deutlich kleiner als die Erde und viel zu heiß, als dass dort flüssiges Wasser existieren könnte.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Astronomen haben mittlerweile mehr als tausend derartige Himmelskörper nachgewiesen. Sie alle sind in unserer Milchstraße heimisch und viele so weit entfernt, dass das Licht, das der Stern aussendet, mehrere hundert oder tausend Jahre oder noch länger benötigt, bis es die Erde erreicht. Selbst wenn jemand zu den fernen Welten mit Lichtgeschwindigkeit reisen wollte – was aber wohl niemals technisch verwirklicht werden kann – wäre er hunderte Jahre unterwegs.

          Ein Paradies im All?

          Dennoch klingt es jedes Mal wie eine kleine Sensation, wenn etwa die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa freudig verkündet, dass irgendwo im Universum ein neuer Planet gesichtet worden ist. Zumal, wenn er der Erde ähnlich sein soll. So war es nicht viel anders, als am Donnerstagabend die Nasa auf einer Pressekonferenz einen Planeten präsentierte, der ein „größerer und älterer Cousin der Erde“ sei. Kepler-452b, so der vorläufige Name des Himmelskörpers, umkreise seinen Heimatstern „Kepler-452“ in einem ähnlichen Abstand wie die Erde die Sonne. Wasser könnte somit auf „Kepler-452b“ flüssig sein – eine der Grundvoraussetzungen für Leben, wie die Nasa schwärmte. Dabei ist es noch gar nicht klar, ob auf „Kepler-452b“ tatsächlich Wasser existiert, geschweige denn Leben. Ziemlich gewiss ist dagegen, dass der Durchmesser des Exoplaneten um etwa 60 Prozent größer ist als der unserer Erde, seine Oberfläche mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Fels besteht. Seinen Heimatstern, der unserer Sonne recht ähnlich sei, umrunde er in 385 Tagen einmal. Und sowohl den Stern „Kepler-452“ als auch seinen Planeten gibt es wohl schon 1,5 Milliarden Jahre länger als unsere Sonne und die Erde.

          Man war von der Entdeckung, die man in den älteren Daten des Weltraumteleskops „Kepler“ aufgespürt hat, so elektrisiert, dass Nasa-Manager John Grunsfeld schon die Entdeckung einer Erde 2.0 in greifbarer Nähe wähnte. Kaum war die Nachricht in aller Welt, überschlugen sich auch schon die Reaktionen im Netz. Ein neuer Planet sei erspäht worden, und er sei der Erde so ähnlich wie kein bislang entdeckter anderer Planet. Ob man da hinfliegen könne, fragten sich sofort Dutzende auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Oder gar Grundstücke kaufen? Gibt es auf dieser „neuen Erde“ Wasser, Ozeane, Tiere, intelligente Wesen oder gar Elektrizität?

          Inflation von Exoplaneten

          Dabei ist „Kepler-452b“ nicht der erste erdähnliche Planet, den Astronomen aufgespürt haben. Nach Schätzungen der Nasa besitzt mindestens jeder zweite Stern in der Milchstraße einen Planeten von etwa der Größe der Erde. Fast 4700 mögliche Exoplaneten hat allein das Weltraumteleskop „Kepler“ aufgespürt. Bestätigt sind davon 1030. Rund 500 der Planeten-Kandidaten haben die Nasa-Forscher erst im vergangenen halben Jahr ausfindig gemacht. Insgesamt kreisten zwölf Planeten in der habitablen Zone um ihren Stern. Ihre Durchmesser seien jeweils  kleiner als der doppelte Erddurchmesser. Doch nur einer von ihnen - nämlich Kepler-452b - umrunde einen Stern, der  unserer Sonne in Größe und Temperatur ähnlich ist.

          Einfach mal hin fliegen und nachschauen, ob „Kepler-452b“ ein geeignetes Plätzchen für uns Erdenbürger wäre, sollten wir unseren Blauen Planeten einmal zugrunde gerichtet oder uns eine Naturkatastrophe heimgesucht haben, ist leider nicht möglich. Denn das „Kepler-452“-Sonnensystem liegt rund 1400 Lichtjahre von unserer Erde entfernt. Zum Vergleich: Von der Erde zum Zwergplaneten Pluto am Rande unseres Sonnensystems benötigen lichtschnelle Funksignale rund 4,5 Stunden. Und die Raumsonde „New Horizons“, die mit einer Rekordgeschwindigkeit von 50.000 Kilometer pro Stunde gereist ist, benötigte bis zu ihrem Ziel neuneinhalb Jahre. Wir sollten uns langsam mit dem Gedanken abfinden, dass die Menschheit die Erde nie verlassen kann und deshalb unseren Planeten endlich pfleglicher behandeln.

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