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Mondwasser : Trockener als Wüsten

  • -Aktualisiert am

Bild: Nasa/JPL

Die Meldung der Nasa, man habe nun einen Liter Wasser pro Tonne Gestein auf dem Mond nachgewiesen, sorgte für Aufsehen. Sieht man sich die Sache näher an, verflüchtigt sich freilich Wasser wie Aufregung.

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          In Fachpublikationen drücken sich die Forscher meist recht zurückhaltend über die Ergebnisse ihrer Arbeiten aus. Sollen diese der Öffentlichkeit „verkauft“ werden, ändert sich die Darstellung oft drastisch – man glaubt, in eine ganz andere Welt geraten zu sein. Liest ein Astronom beispielsweise aus dem Datenrauschen seiner Messungen heraus, dass ein ferner Stern – gerade noch an einem minimalen Hin- und Herbewegen seiner Position erkennbar – einen Planeten als Begleiter hat, wird dem Laien gelegentlich spekulativ erklärt, auf diesem Himmelskörper sei temperaturbedingt die Existenz von Wasser möglich und das sei die Voraussetzung von Leben.

          Zumindest auf unserm Nachbarplaneten Mars dürfte es einst Wasser gegeben haben. Die gefrorenen Reste vermutet man im Permafrostboden, und zwar planetenweit. Da klingt es wenig dramatisch, dass der amerikanische Mars Reconnaissance Orbiter jüngst in „frischen“, erst einige Wochen oder Monate alten Einschlagkratern, die bis zu zweieinhalb Meter tief sind, Eis entdeckt hat. Das Eis ist bei der Entstehung der Krater an die Oberfläche gelangt und schrumpft seitdem durch Sublimation zusammen. Für die Öffentlichkeit hat ein Forscher rasch hinzugefügt, das Eis stamme aus einer feuchteren Epoche der Marsgeschichte, die vielleicht erst seit einigen tausend Jahren vorbei sei. Wie man zu einer so abenteuerlichen Zeitangabe kommt, wo die Marsforscher doch sonst bei der Einordnung von Phänomenen auf dem Roten Planeten mit Jahrmillionen rechnen, bleibt offen.

          Neue Daten, alte Einsichten

          Völlig überwürzt worden sind in der vergangenen Woche neue Erkenntnisse über Wasser auf dem Mond, dessen Oberfläche bislang für „knochentrocken“ gehalten worden war. Dieses Bild, so ein Beitrag im Internet, müsse nun offenbar revidiert werden. Zu solchen Kommentaren kommt es, wenn ein hochrangiger Vertreter des Nasa-Hauptquartiers gleich blumig formuliert, gefrorenes Wasser auf dem Mond sei für die Forscher eine Art Heiliger Gral gewesen. Nun hat man das Wasser gefunden, wie bereits kurz berichtet – und zwar einer Pressemitteilung der University of Tennessee in Knoxville zufolge ungefähr einen Liter (oder Kilogramm) pro Tonne Gestein an der Oberfläche des Erdtrabanten.

          In den Verlautbarungen anderer beteiligter Universitäten wird vorsichtiger formuliert, es sei „bis zu“ einem Liter Wasser pro Tonne Gestein, genau kenne man den Wert nicht. Tatsächlich kann diese Zahl sogar hundertfach zu hoch sein. Denn das Verhältnis von Wasser- zu anderen Molekülen im Gestein wird mit zehn bis tausend pro eine Million angegeben. Da treffen die neuen Daten auf ältere Erkenntnissen: In den 400 Kilogramm Gestein, das die Apollo-Astronauten vom Mond zur Erde gebracht haben, hat sich noch nicht einmal ein Teelöffel voll Wasser befunden. Die wenigen nachweisbaren Wassermoleküle wurden sogar für irdische Verunreinigungen gehalten.

          Gut verteilte Tonnen von Gestein

          Man spreche nicht von Seen oder gar Ozeanen auf dem Mond, auch nicht von Pfützen, relativiert eine Forscherin der Brown University in Providence, nachdem sie die Obergrenze ebenfalls mit einem Liter Wasser pro Tonne Gestein angegeben hat. In anderen Quellen heißt es sogar, trotz seines Wassers sei der Mond trockener als die trockenste Wüste auf der Erde. Die in die Irre führende Angabe „eine Tonne Mondgestein“ darf man nämlich nicht auf einen Würfel beziehen. Das wasserhaltige Material ist vielmehr über eine große, aber extrem dünne Schicht an der Oberfläche des Mondes verteilt.

          In der Pressemitteilung aus Knoxville reicht diese Schicht einige Zentimeter weit in die Tiefe, sonst ist meist nur von einigen Millimetern Dicke die Rede. Für die Forscher von der University of Maryland in College Park ist die Wasserschicht sogar nur einige Moleküllagen dick. Vermutlich vereinen sich an der Oberfläche des Mondes mit dem Sonnenwind herangetragene Protonen mit Sauerstoffmolekülen aus dem Mondgestein zu Wassermolekülen. Steigt die Temperatur, lösen sich diese zumindest teilweise wieder auf. Das für die Forscher zweifellos interessante Wasser erweist sich damit für die Öffentlichkeit als Fata Morgana.

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