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Mond : Die Anziehungskraft des Mondes wächst

  • -Aktualisiert am

Mondsonde Smart-1: Vorbereitung für neue Landungen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Erdtrabant lockt jetzt auch die Europäer. Es gibt ehrgeizige Pläne für eine Mondstation mit einem Radioteleskop.

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          Deutschland und Europa müssen nicht abseits stehen, wenn in ein paar Jahren eine neue Phase der Erkundung und Nutzung des Mondes beginnt. Nachdem inzwischen China, Japan und auch Indien eigene, zum Teil bemannte Missionen zu unserem nächsten Nachbarn im All angekündigt haben und auch die amerikanische Weltraumbehörde Nasa angewiesen wurde, eine Rückkehr zum Mond vorzubereiten, haben deutsche Wissenschaftler und Ingenieure erste Projekte zur Nutzung des Erdtrabanten für wissenschaftliche Zwecke entwickelt. Wie weit die Planungen gediehen sind, wurde in der vergangenen Woche auf einem Symposion in Bremen erörtert.

          Eines dieser Projekte soll "Leben" auf den Mond bringen, auch wenn die Missionen unbemannt sind. Hinter dem Namen "Life" (als Abkürzung für Lunar Infrastructure for Exploration) verbirgt sich ein lunares Forschungsnetzwerk, das mit einer einzigen Ariane-5-Rakete zum Mond transportiert und dort automatisch ausgebreitet werden kann. Zusammen mit Heino Falcke, dem Direktor des im Aufbau befindlichen größten Radioteleskops Europas ("Lofar"), haben die Ingenieure der Bremer EADS Space Transportation auch gleich eine spannende Anwendung für dieses Forschungsnetzwerk ersonnen: ein Teleskop für langwellige Radiostrahlung aus dem Kosmos. Diese Strahlung sei, wie Falcke ausführte, auf der Erde prinzipiell unbeobachtbar, da sie die Ionosphäreschichten der Atmosphäre nicht durchdringen könne. Entsprechend groß sei daher das Forschungspotential, das ein entsprechendes Teleskop auf dem Mond eröffne, denn Langwellen kommen von überall her, von Planeten, Galaxien und vom Universum selbst zu einer Zeit, noch bevor die ersten Sterne entstanden.

          100 Dipolantennen

          Vorgesehen ist die Errichtung eines rund 300 Meter großen Radioteleskops der besonderen Art. Da zum Nachweis langer Radiowellen - mit Wellenlängen jenseits von 10 Metern oder einer Frequenz unterhalb von 30 Megahertz - einfache Dipol-Antennen ausreichen, plant man die Installation von einhundert solcher Dipol-Elemente, die mit einem Zentralrechner verbunden sind. Dieser ermittelt die Richtung und Intensität der Strahlung. Nach dem gleichen Prinzip der rechnergestützten Verknüpfung starrer Empfangsanlagen wird derzeit in den Niederlanden und in Deutschland das Lofar-Teleskop (Low Frequence Array) zum Nachweis niederfrequenter Radiostrahlung errichtet, das am Ende einen Durchmesser von 300 Kilometer haben wird. Es basiert auf der schnellen digitalen Verarbeitung der Signale, die von 77 Stationen mit jeweils 96 Dipol-Antennen aufgefangen werden. Die Daten werden zum derzeit schnellsten Superrechner Europas, dem Lofar-"Blue Gene"-Computer in Groningen, weitergeleitet. Jede beliebige Himmelsrichtung läßt sich ohne Verzögerung auswählen, wobei bis zu acht Gebiete am Himmel gleichzeitig beobachtet werden können.

          Ungeklärte Finanzierung

          Die Station auf dem Mond würde eine Ausweitung dieser bislang einzigartigen Empfangstechnik auch auf jene Wellenlängen ermöglichen, die vom Erdboden aus nicht nachgewiesen werden können. Sie sollte zum Schutz vor irdischer Störstrahlung entweder im Bereich eines der beiden Mondpole oder auf der Rückseite des Erdtrabanten errichtet werden. Die Station ließe sich ohne allzu großes technisches Risiko realisieren, zumal auch die Ariane-5-Rakete schon verfügbar ist. Voraussetzung für eine zügige Umsetzung ist allerdings eine Integration in das europäische Explorationsprogramm der Esa, da der in den vergangenen Jahren um fast 50 Prozent gekürzte deutsche Raumfahrtetat keine Reserven mehr für nationale Forschungsprojekte dieser Art aufweist. Eine entsprechende Weichenstellung könnte auf der nächsten Ministerratstagung der Esa Anfang Dezember erfolgen.

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