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Rosettas Lander wieder aktiv : Hallo Erde, hier ist Philae!

The Eagle has landed: Philae auf dem Kometen (in künstlerischer Darstellung). Bild: dpa

Das Landegerät der europäischen Kometenmission Rosetta ist endlich wieder erwacht. Die empfangenen Daten zeigen, dass das Gerät wieder betriebsbereit ist.

          Jubel bei den Wissenschaftlern der europäischen Kometenmission Rosetta. Das Landegerät Philae, das seit fast sieben Monaten in einer Art Winterschlaf auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko schweigend verharrt, ist erwacht. Am Samstagabend um 22.28 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) hat der kühlschrankgroße Lander, wieder Daten zur Erde gefunkt.  „Philae ist wieder betriebsbereit: Er hat eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad Celsius und verfügt über eine Leistung von 24 Watt“, sagte hocherfreut Philae-Projektleiter Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, wo man die empfangenen Daten inzwischen ausgewertet hat. 85 Sekunden lang dauerte der Funkkontakt zwischen Philae und den DLR-Wissenschaftlern des Lander-Kontrollzentrums.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Bei der Analyse der Statusdaten zeigte sich, dass Philae auch zuvor schon aktiv gewesen sein muss. „Wir haben auch historische Daten erhalten – bisher war es dem Lander offenkundig noch nicht gelungen, mit uns Kontakt aufzunehmen“, so Ulamec. Dreimal haben es die an der Mission beteiligten  Wissenschaftler erfolglos versucht, eine Funkverbindung mit dem Landemodul herzustellen.

          Standort weiter unbekannt

          Nun wartet man auf den nächsten Kontakt. In Philaes Speichermedien stecken nach Auskunft der DLR-Wissenschaftler noch etwa 8000 Datenpakete, die Auskunft darüber liefern könnten, wie es Philae in den vergangenen Tagen auf dem Kometen Tschuri ergangen ist.

          //www.dlr.de/dlr/presse/Portaldata/1/Resources/bilder/portal/portal_2015_1/Ceres_Ani.gif © Esa/Rosetta/MPI für Sonnensystemforschung, Osiris Team Der Landeanflug des Landemoduls „Philae“ auf den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko am 12. November 2014. Die Bilder wurden vom Kamerasystem Osiris an Bord der europäischen Raumsonde „Rosetta“ aufgenommen. Die angegebenen Uhrzeiten sind in der Weltzeit angegeben. Die Mitteleuropäische Zeit erhält man durch Addieren einer Stunde.


          Philae war am 12. November 2014 von der Raumsonde Rosetta auf dem 4 mal 3,5 mal 3,5 Kilometer großen Himmelskörper abgesetzt worden. Die Landung verlief allerdings recht holprig. Das Instrument setzte mehrmals auf, bevor es endgültig an einer schattigen Stelle zwei Kilometer von der vorgesehen Landestelle niederging. 60 Stunden lang hatte Philae noch Daten zur Erde funken können.

          Mosaik von  Bildern, aufgenommen von Rosetta aus 17 Kilometern Höhe vor und nach dem ersten Aufsetzen von Philae. Alle Angaben in Weltzeit.

          Dann waren seine mit Sonnenenergie gespeisten Batterien endgültig erschöpft, und Philae schaltete sich mangels Strom ab. Damit der Forschungsroboter, der von der DLR entwickelt wurde,  wieder aus seinem Winterschlaf erwachen könnte, musste die Temperatur in seinem Inneren auf mindestens minus 45 Grad steigen. Zudem mussten die Solarpaneele  wieder eine elektrische Energie von mindestens 5,5 Watt liefern. Da  67P/Tschuri auf seiner Bahn der Sonne immer näher kommt, sind in den vergangenen Monaten die Chancen gestiegen, Philae wieder zu aktivieren. Und das offenkundig mit Erfolg.

          Wo ist Philae? Das Gebiet auf dem  Kopf des Kometen 67P/Tschuri, wo man den Standort des  Landers vermutet, ist rot markiert.

          Seit dem 12. März 2015 haben es die Forscher des DLR und der europäischen Raumfahrtagentur Esa immer versucht, Kontakt mit dem verschollenen Landegerät aufzunehmen. Dazu war die Kommunikationseinheit auf dem Orbiter Rosetta eingeschaltet worden, um den Lander zu rufen und eine Antwort zu empfangen.

          Die Wissenschaftler der DLR wissen allerdings immer noch nicht, wo genau Philae auf dem Kometenkopf sitzt. Man kann den vermuteten Aufenthaltsort mittlerweile auf einen Bereich von 16 mal 160 Metern eingrenzen. Nachdem Philae nun wieder betriebsbereit ist, hofft man auch dessen exakten Standort ermitteln zu können.

          Rosetta und Philae - die Chronologie

          • 1985: Die Europäische Raumfahrtagentur Esa beschließt im Programm „Horizont 2000“ die Erkundung eines Kometen
          • Dezember 2002: Probleme mit „Ariane 5“-Raketen, die „Rosetta“ ins All bringen sollen, verhindern den für Januar 2003 geplanten Start zum ursprünglichen Zielkometen „Wirtanen“
          • 2. März 2004: Start mit einer Ariane 5 vom europäischen Weltraumhafen Kourou
          • 5. März 2005: 1. Swing-by-Manöver an der Erde vorbei. Die Sonde nutzt die Schwerkraft der Erde, um Flugbahn und Geschwindigkeit zu ändern
          • 25. Februar 2007: Swing-by Mars
          • 12. November 2007: 2. Swing-by Erde
          • 5. September 2008: Vorbeiflug am Asteroiden „Steins“
          • 13. November 2009: 3. Swing-by Erde
          • 10. Juli 2010: Vorbeiflug am Asteroiden „Lutetia“. Rosetta geht in den Energiesparmodus
          • 20. Januar 2014: Rosetta wird nach 957-tägigem Tiefschlaf geweckt
          • 28. März: Systeme des Landers „Philae“ fahren hoch Mai bis August: Kursanpassungen und Bremsmanöver
          • 6. August: Erreichen der Umlaufbahn um den Kometen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ (kurz: „Tschuri“)
          • 15. September: Aus fünf Regionen wird der Zielort für den Lander gewählt: die Stelle „J“ auf dem Kopf des entenförmigen Kometen
          • 12. November: Philae landet - nach zehn Jahren, acht Monaten und zehn Tagen
          • 15. November 2014: Philae stellt alle Instrumente wegen Energiemangels ab
          • 13. Juni 2015: Der Lander sendet wieder Daten zur Erde
          • August: Der Komet erreicht den sonnennächsten Punkt seiner Bahn Dezember: voraussichtliches Ende der Mission

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