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Rosetta-Mission : "Philae" ist zweimal gelandet

Das erste Bild, das der Lander "Philae" aufnahm, nachdem er sich von "Rosetta" um 9.35 Uhr heute morgen gelöst hat. Auf dem Bild ist die Raumsonde Rosetta zu erkennen. Im Hintergrund ist die Sonne zu sehen. Bild: Esa

Der Rosetta-Mission ist es geglückt, eine Sonde auf einem Kometen zu landen. „Philae“ setzte auf dem Himmelskörper aber nicht nur einmal, sondern gleich zweimal auf. Offenkundig hat sich „Philae" auf der Oberfläche nicht verankern können.

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          Die Anspannung war kaum auszuhalten, bis um kurz nach 17 Uhr endlich die erlösende Nachricht aus dem Kontrollzentrum der Esoc in Darmstadt kam: „Philae ist gelandet“. Danach brachen Beifall und Jubel unter den zahlreichen Wissenschaftlern und Beobachtern aus, die an das europäische Satellitenkontrollzentrum gekommen waren, um das Landemanöver zu verfolgen und dem historischen Augenblick beizuwohnen. Denn es ist zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt gelungen, eine Sonde auf einem Kometen zu landen.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach dem anfänglichen Freudentaumel kehrte wieder Ruhe in Darmstadt ein und die Wissenschaftler zogen sich in das Kontrollzentrum zurück. Gerüchte wurden laut, dass sich „Philae“ nicht richtig verankert hätte und vielleicht gar nicht gelandet sei. Kurz nach 20 Uhr traten dann Stephan Ulamec, Manager des Landers vom DLR, und Paolo Ferri, Operationsleiter der Esa Missionen, auf die Bühne. „Es ist kompliziert, auf einem Kometen zu landen. Aber offenbar ist es auch kompliziert, zu verstehen, was dabei passiert“, sagte Ulamec. 

          Rosetta-Mission : „Philae“ landet auf Komet "Tschuri"

          Offenbar ist  „Philae“ ziemlich genau dort gelandet, wo es sich die Forscher erhofft hatten. Aber aus irgendeinem Grund wurden die Harpunen nicht abgefeuert, mit denen sich „Philae“ verankern sollte. Dann passierte noch etwas Unerwartetes: Die Sonde drehte sich. Die Forscher schlossen das aus Fluktuationen in der Funkverbindung. Ulamec vermutet, dass „Philae“ nach der Landung wieder abhob und vorübergehend in Rotation geriet. „Es sieht also so aus, als seien wir heute nicht nur einmal auf einem Kometen gelandet, sondern gleich zweimal!“ Was genau passiert ist, wird erst eine genauere Analyse der Daten klären.

          Die Instrumente an Bord zeigten sich von dem mutmaßlichen Hopser offenbar unbeeindruckt. Sie lieferten ihre Daten, bis die Verbindung zur Rosetta-Sonde, die „Philae“ als Funkrelais zur Erde dient, wie vorgesehen unterbrochen wurde, als das Mutterschiff unter den Horizont an „Philaes“ Landestelle sank. „Die Verbindung wurde früher unterbrochen als erwartet,“ sagte Paolo Ferri. „Das mögen wir eigentlich nicht so gerne.“ Aber wirklich beunruhigt schien er nicht zu sein und vertröstete auf den morgigen Donnerstag, wenn die Funkverbindung zu Rosetta wieder stehe. Dann werde man klarer sehen.

          Zumindest 50 Stunden muss die Sonde aber an ihrem Zielort bleiben – so lange hält die erste Batterieladung zum Betrieb der verschiedenen Instrumente, etwa des Bohrers, der bereits am Donnerstag bis zu zwanzig Zentimeter tief in den Kometen bohren und Material zur Analyse in die mitgeführten Geräte befördern soll.

          Das erste Bild, das „Philae" aufnahm, nachdem er sich am Mittwochmorgen um 9.35 Uhr von „Rosetta" gelöst hatte. Auf dem Bild ist rechts die Raumsonde „Rosetta“ mit ihrem Solarflügel zu erkennen. Im Hintergrund ist die Sonne zu sehen. Bilderstrecke
          Kometen-Mission Rosetta : „Tschuri“ zum Greifen nahe

          Davon erwarten sich die Wissenschaftler Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems vor 4,567 Milliarden Jahren und vielleicht sogar des Lebens auf der Erde – denn kein Material im Sonnensystem ist derart unberührt von späteren Prozessen wie die Materie eines Kometen.

          So verlief der Tag von „Philae“

          Das Landegerät „Philae“ war am Mittwochmorgen um 9.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit von der europäischen Raumsonde Rosetta aus einer Höhe von 22,5 Kilometern abgekoppelt worden und sank anschließend in Richtung der Oberfläche des Kometen. Dabei wurde es angezogen von der Schwerkraft des drei mal vier Kilometer großen Schweifstern 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Der Sinkflug dauerte sieben Stunden, bei dem die Wissenschaftler im Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt nicht eingreifen konnten.

          Um 16.35 Uhr setzte „Philae“ schließlich auf dem 67P/Tschuri auf. Dass das Gerät tatsächlich gelandet war, erfuhren die Wissenschaftler in Darmstadt und auch an anderen Orten, wo man das Spektakel verfolgte, allerdings erst eine halbe Stunde später - denn solange benötigte das Signal, das „Philae“ von der Kometenoberfläche gesendet hatte. Die Entfernung von der Bodenstation in Darmstadt bis zu dem Kometen beträgt nämlich mehr als eine halbe Milliarde Kilometer. So lange hieß es ausharren und die Nerven behalten. Denn die Wahrscheinlichkeit war nicht gering, dass etwas bei der Landung schief läuft.

          Der Ritt auf dem Kometen kann beginnen

          Dass während des Landeanflugs von „Philae“ offenbar alles wie erhofft verlaufen war,  zeigten dann die ersten Bilder, die das Landegrät von unterwegs und die Muttersonde Rosetta aus der Umlaufbahn gemacht hatten. Als „Philae“ drei Kilometer über dem Kometen schwebte, schoss es ein Bild von der Landestelle. Was dann genau passierte, ist bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewiss und wird hoffentlich durch die Auswertung und Interpretation der Daten, die „Philae“ von der Kometenoberfläche geschickt hat, überliefert.

          Die Raumsonde Rosetta - mit dem Landegerät im Huckepack - waren vor zehn Jahren gestartet und haben den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko Anfang August dieses Jahres erreicht. Rosetta und „Philae“ werden noch bis mindestens Mitte 2015 den Schweifstern auf seinem Weg in Richtung Sonne begleiten und untersuchen. (mli.)

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