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Kometensonde Rosetta : Der Absturz für die Ewigkeit

Das wars: Die Kometen-Mission der Sonde „Rosetta“ und ihres Landers „Philae“ Bild: Illustration Teresa Habild

Die Raumsonde Rosetta beendet am Freitag ihre Mission. Nach fast 13 Jahren stürzt sie nun auf ihren Zielkometen. Lief auch nicht alles ganz glatt, so war die Reise doch ein Riesenerfolg.

          7 Min.

          Morgen endet eine der spektakulärsten Missionen der unbemannten Raumfahrt, die man ohne zu übertreiben mit der Mondlandung von Apollo 11 vergleichen könnte – zumindest in Europa. Um die Mittagszeit zu deutscher Zeit wird die europäische Raumsonde „Rosetta“ auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko abstürzen. Mit einem gemächlichen Tempo von 50 Zentimeter pro Sekunde wird der Flugkörper im freien Fall auf dem Kometen zufliegen. Zwei Jahre lang hat Rosetta „Tschuri“, wie der Schweifstern auch genannt wird, umkreist und auf seiner Bahn um die Sonne begleitet. Nun aber sind die Treibstofftanks fast leer, vor allem ist die Sonne inzwischen in so weite Ferne gerückt, dass die Instrumente an Bord nicht mehr genügend Solarstrom erhalten.

          2. März 2004: Die Reise von Rosetta und Philae beginnt
          2. März 2004: Die Reise von Rosetta und Philae beginnt : Bild: Teresa Habild
          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Unzählige Fotos und Messdaten hat Rosetta von dem 4 mal 3,5 mal 3,5 Kilometer großen Brocken, dessen Gestalt an ein Quietsche-Entchen erinnert, zur Erde geschickt. Die Daten zeigen eine zerklüftete Welt aus Staub und Eis, die ein Relikt aus der Frühphase des Sonnensystems ist.

          Vor fast zwei Jahren, am 6. August 2014, jubelten die Wissenschaftler und Flugingenieure am europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Nach einer Reise von fast zehn Jahren hatte Rosetta ihr Ziel erreicht und war nach mehreren komplizierten Flugmanövern in eine Umlaufbahn um den Kometen 67P eingeschwenkt – eine Premiere in der Raumfahrt. Mehr als sechs Milliarden Kilometer hatte der Flugkörper mit den Abmessungen eines Kleinwagens seit seinem Start im März 2004 vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana zurückgelegt.

          Zehn lange Jahre dauert die Reise von Rosetta mit Philae im huckepack zu Tschuri. Am 6. August 2014 haben die beiden ihr das Ziel erreicht, am 12. November 2014 wird Philae auf Tschuri abgesetzt.
          Zehn lange Jahre dauert die Reise von Rosetta mit Philae im huckepack zu Tschuri. Am 6. August 2014 haben die beiden ihr das Ziel erreicht, am 12. November 2014 wird Philae auf Tschuri abgesetzt. : Bild: Teresa Habild

          Nun war er endlich angekommen und konnte mit der Erkundung des Brockens beginnen, der vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden und von den beiden ukrainischen Astronomen Klim Tschurjumow und Swetlana Gerassimenko 1969 entdeckten worden war. Aus Beobachtungen wusste man, dass 67P die Sonne in 6,6 Jahren einmal umkreist. Auf seiner elliptischen Bahn entfernt er sich dabei zwischen 840 Millionen und 195 Millionen Kilometer von unserem Zentralgestirn.

          Philae landet auf Tschuri

          Nur drei Monate nach der Ankunft von Rosetta, am 12. November, folgte das zweite Husarenstück. Die Tochtersonde „Philae“, die Rosetta die ganze Zeit huckepack begleitete, wurde auf der Oberfläche des Kometen abgesetzt. Es war die erste Landung eines menschengemachten Flugkörpers auf einem Schweifstern. Doch das Manöver verlief nicht so glatt, wie man es sich die Wissenschaftler der europäischen Raumfahrtagentur Esa und des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) erhofft hatten.

          60 Stunden lang ist Philae nach seiner Bruchlandung am 12. November 2014 noch fleißig am Messen, Dann sind die Solarbatterien leer.
          60 Stunden lang ist Philae nach seiner Bruchlandung am 12. November 2014 noch fleißig am Messen, Dann sind die Solarbatterien leer. : Bild: Teresa Habild

          Zwei Harpunen, mit denen sich Philae am Boden verankern sollte, wurden nicht ausgelöst; eine Düse, die das Gerät auf den Kometen drücken sollte, funktionierte nicht. Die harte Oberfläche des Kometen bewirkte, dass Philae kurz nach dem Aufsetzen abprallte und dann weiter entfernt abermals aufsetzte. Dieser Hopser dauerte etwa zwei Stunden. Dabei drehte sich der Apparat mehrmals um seine Achse. Doch dem nicht genug. Wie ein Tischtennisball vollführte Philae weitere Hüpfer, bis die Sonde schließlich liegenblieb.

          Mit Hammer und Radarstrahlen auf Spurensuche

          Wo sich der Lander befindet, konnten die Wissenschaftler lange nur vermuten. Denn das Landegerät gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Die Solarbatterien waren etwa 60 Stunden nach der Landung erloschen. Erst sieben Monate später meldete sich der Lander wieder. Offenkundig hatten sich die Lichtverhältnisse in Phileas Versteck so verbessert, dass die Solarbatterien genug Saft bekamen und einige Instrumente wieder ansprangen. Nach weiteren Kontaktaufnahmen sandte das Gerät dann am 9. Juli 2015 sein allerletztes Lebenszeichen. Seitdem herrscht Funkstille.

          Großes Finale : Rosetta-Mission geht zu Ende

          Vor einigen Wochen gab es dann noch einmal ein Bild von Philae: Forscher hatten den Landeroboter auf Fotos entdeckt, die Rosetta bei einem Tiefflug über die Kometenoberfläche geschossen hatte. Danach ist das Landegerät in einer schattigen Spalte am Rand des Kometen-Kopfes eingeklemmt und liegt auf der Seite.

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