https://www.faz.net/-gx0-7sdto

Rosetta-Mission : Wir bringen unser Labor zum Kometen

  • -Aktualisiert am

Die Raumsonde Rosetta nähert sich ihrem Ziel, dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko Bild: Esa

Ein paar Mal schon hing Europas wichtigste Raumfahrtmission am seidenen Faden. Heute hat die Rosetta-Sonde ihr Ziel erreicht. Warum wir schon jetzt stolz sein können erklärt ein Rosetta-Pionier von Esa.

          7 Min.

          Zehn Jahre nach dem Start ist  die europäische Raumsonde Rosetta in eine Umlaufbahn um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko einschwenkt. Damit geht für die an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler der europäischen Weltraumbehörde Esa ein Traum in Erfüllung. Denn nun kann die wissenschaftliche Phase der Mission beginnen, für die sie seit Mitte der neunziger Jahre hingearbeitet haben. Fast achtzehn Monate lang werden die Forscher der Esa nun den Kometen mit dem unaussprechlichen Namen aus nächster Nähe beobachten, Daten sammeln und sich auf viele Jahre der Datenauswertung freuen können.

          Einer der ersten Höhepunkte der Rosetta-Mission wird im November stattfinden, wenn die Landeeinheit „Philae“ abgesetzt wird und auf dem Kometenkern niedergeht. Ein kompliziertes Manöver, das bei vielen Forschern schon jetzt den Adrenalinspiegel steigen lassen dürfte. Bis Mitte September muss Rosetta 67P/Tschurjumow-Gerasimenko nun möglichst genau observieren und kartieren, um für Philae eine geeignete Landestelle zu suchen.

          Rückblick in die Vergangenheit

          Der heutige Tag ist ein Meilenstein in der Geschichte der unbemannten Raumfahrt und ein guter Anlass, sich die Geschichte der Rosetta-Mission noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Im Jahr 1980 hatte die europäische Raumfahrtbehörde beschlossen, mit der Raumsonde „Giotto“ am Kometen „1P/Halley“ vorbeizufliegen, der 1986 nach 76 Jahren wiederkehren sollte. Die Entscheidung für die Mission hatte der damalige Wissenschaftsdirektor der Esa Ernst Trendelenburg maßgeblich durchgedrückt, nachdem ein gemeinsames Projekt mit der Nasa, bei dem man in einer Mission an den Schweifsternen Halley und Tempel 2 vorbeifliegen wollte, gescheitert war. Die europäische Giotto-Mission sollte die erste interplanetare Mission der Esa sein.

          Trendelenburgs Nachfolger, der 1983 ins Amt des Wissenschaftsdirektors berufene Roger Bonnet, hatte dann die Vision eines langfristigen Programms, das den europäischen Wissenschaftlern Planungssicherheit geben und Europa die Chance bieten sollte, sich auch an komplexe Missionen heranzuwagen. Es musste allerdings demonstriert werden, dass diese vier „Eckpfeiler-Missionen“ technisch machbar sind und im vorgegebenen Finanzrahmen verwirklicht werden konnten. Das Programm „Horizon 2000“ wurde 1984 geboren, und Johannes Geiss – er war an den Apollo-Missionen beteiligt – von der Universität Bern und Hugo Fechtig vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg nutzten die Gelegenheit, um den „Planetaren Eckpfeiler“ als Mission zu einem kleinen Himmelskörper im Sonnensystem zu definieren, von dem Material zur Erde gebracht werden sollte. Eine Sample-Return-Mission also. Der große Rahmen war damit gegeben, nun musste nur noch alles in ein durchführbares Projekt münden.

          Rosetta-Pionier Gerhard Schwehm
          Rosetta-Pionier Gerhard Schwehm : Bild: dapd

          Neue Herausforderungen

          Der Geburtstag von Rosetta lässt sich recht genau bestimmen: Es war der 22. Mai 1985. Damals traf sich eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern (darunter der Autor) in Zürich an der ETH, um für die wissenschaftlichen Beratergremien der Esa einen detaillierten Vorschlag für die „Planetare Eckpfeiler“-Mission auszuarbeiten. Wir waren uns einig, dass diese Mission die Entnahme von Proben eines Kometen und die Rückführung dieses Materials zur Erde beinhalten würde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Deutliche Worte in Richtung Friedrich Merz von Hessens Ministerpräsident und stellvertretendem CDU-Bundesvorsitzenden Volker Bouffier

          Bouffier über Merz’ Vorwürfe : „Das ist wirklich albern, falsch und widersinnig“

          Die Verschiebung des CDU-Parteitags habe „nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, ob dieser oder jener Parteivorsitzende werden soll“, sagt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier im F.A.Z.-Interview. In der Corona-Krise stünden „harte Entscheidungen“ an.
          Afghanische Flüchtlinge treiben in türkischen Rettungsbooten über die Ägäis.

          Illegale Pushbacks? : Zurück in die Türkei

          Athen brüstet sich damit, dass es Migranten von der irregulären Einreise abhält, auch auf dem Seeweg. Doch nach EU-Recht ist das nicht erlaubt. Jetzt sieht sich die Grenzschutzbehörde Frontex bohrenden Fragen ausgesetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.