https://www.faz.net/aktuell/wissen/weltraum/mission-rosetta/kontakt-zu-rosetta-sonde-philae-wieder-unterbrochen-13713902.html

Kometenmission Rosetta : Philae hat gewackelt

Der Komet 67P am 7. Juli aufgenommen aus einer Entfernung von 154 Kilometern. Bild: Esa

Der Kontakt zum Landegerät ist unterbrochen. Die Wissenschaftler rätseln über den Grund. Möglicherweise hat Philae seine Position verändert.

          2 Min.

          Die Freude bei den Wissenschaftlern der europäischen Kometenmission Rosetta war groß, als sich das Landegerät Philae nach einer Sendepause von sieben Monaten  am 13. Juni per Funk wieder meldete. Doch die Verbindung ist nicht sehr stabil, und Philae ist nach drei weiteren Kontaktaufnahmen – die letzte war am 9. Juli – wieder verstummt. Was ist bloß mit dem Forschungsroboter los, der am 12. November von der Raumsonde Rosetta auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko abgesetzt worden war? Warum meldet er sich nicht?

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Seit Tagen arbeiten die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt fieberhaft (DLR) daran, wieder Verbindung mit dem Minilabor aufzunehmen und seine wissenschaftlichen Instrumente einzuschalten. Kopfzerbrechen bereitet den DLR-Forschern der Grund für den Kontaktabbruch. Eine Möglichkeit wäre, dass Philae seine Lage auf der Oberfläche des Kometen verändert hat. 67P bewegt sich auf seiner Bahn in Richtung Sonne und wird durch die zunehmende Sonneneinstrahlung immer aktiver. Dabei stößt er große Mengen an Gas und Staub von seiner Oberfläche ins All. Diese Ausstöße könnten Philaes ursprüngliche Position ein wenig verändert haben.

          Zunehmende Sonneneinstrahlung

          „Wir haben in den bisher empfangenen Daten auch Anzeichen dafür, dass Philae sich bewegt haben könnte und seine Antenne dadurch womöglich mehr verdeckt oder anders ausgerichtet ist“, erklärt  Philae-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR. Möglich ist demnach auch, dass nicht nur eine der beiden Empfangseinheiten des Landers beschädigt ist, sondern auch eine der beiden Sendeeinheiten nicht fehlerlos arbeitet.

          In den Daten, die der Lander bisher über seinen Zustand zur Erde schickte, übermittelt er auch Informationen darüber, wie stark sich die Sonneneinstrahlung auf seinen verschiedenen Sonnenpanelen entwickelt hat. „Und dieses Profil – auf welche Panele wie viel Sonne trifft – hat sich von Juni zu Juli deutlich verändert“, sagt Ulamec. „Dies lässt sich nicht allein mit dem Verlauf der Jahreszeiten auf dem Kometen erklären.“

          Fehlersuche am Labormodell

          An einem baugleichen Modell von Philae testen die Ingenieure des DLR derzeit in Köln  verschiedene Kommandos, mit denen sie das kühlschrankgroße Gerät aktivieren wollen. Erprobt wird an dem Bodenmodell auch die Aktivierung eines „Arbeitspakets“, das bereits im November 2014 nach der Landung von Philae erfolgreich ausgeführt wurde und das in dem Lander noch gespeichert ist. Damals hatte das DLR-Team den Landeroboter mit einer Art „Notfallprogramm“ versorgt, damit er fünf Instrumente in Betrieb nehmen konnte.

          Denn bei seiner etwas holprigen Landung auf Tschuri im November war Philae erst nach drei Hüpfern an einer schattigen Stelle abseits des vorgesehenen Landeplatzes zum Liegen gekommen. Nach kurzer wissenschaftlicher Arbeit, die durch das Notfallprogramm ermöglicht wurde, fiel das Minilabor wegen Energiemangels in einen siebenmonatigen Kälteschlaf. Erst am 13. Juni meldete sich der Lander erstmals wieder.

          Aufgeben wollen die Wissenschaftler ihren Lander nicht. „Er ist offensichtlich immer noch funktionsfähig, denn er schickt uns immer wieder Daten, wenn auch in unregelmäßigen Abständen und zu überraschenden Zeitpunkten“, erklärt Ulamec. „Es habe bereits mehrmals die Befürchtung gegeben, der Lander bliebe ausgeschaltet – aber er hat uns immer wieder eines Besseren belehrt.“

          Begleitet von der Rosetta-Muttersonde im Orbit und mit Philae auf seiner Oberfläche steuert Tschuri derzeit auf den sonnennächsten Punkt seiner Bahn zu, den er am 13. August erreichen wird. Danach wird sich der Schweifstern von der Sonne entfernen. Wegen der Gas- und Staubausstöße des Kometen musste die Rosetta-Sonde ihren Abstand zu Tschuri zuletzt auf 170 bis 190 Kilometer vergrößern, was die Funkverbindung nochmals erschwert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck bei einer Panel-Diskussion auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

          Weltwirtschaftsforum : Habeck wirbt für einen Öl-Höchstpreis

          Die großen Ölverbraucher-Staaten sollen sich auf einen Höchstpreis einigen, zu dem sie Öl kaufen – das schlägt der deutsche Wirtschaftsminister in Davos vor. Er ist nicht der Einzige.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung in der Organisations- psychologie
          Sprachkurse
          Lernen Sie Italienisch
          Stellenmarkt
          Jobs für Fach- und Führungskräfte finden