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Fünf Landeplätze auf Komet „Tschuri“ : Kopf oder Bauch, das ist die Frage

Die fünf möglichen Landeplätze aus unterschiedlichen Perspektiven. Bild: ESA

Europas Kometenjäger haben die Wahl: Fünf Stellen auf dem Kometen „Tschuri“ sind in die engere Wahl als Landeplatz für November gekommen. Einfach wird das Manöver nicht, das zeigen die neuen Fotos.

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          Es war schon eine deftige Überraschung für die europäischen Kometenjäger, als man sich mit der Raumsonde „Rosetta“ dem Kometen P67/Churyumov-Gerasimenko, fachmännisch neuerdings „Tschuri“ genannt,  bis auf hundert Kilometer näherte und die schroffe, extrem heterogene Oberfläche  betrachtete. Noch  größere Augen dürfte man in Darmstadt bei der ESA und in Toulouse gemacht haben, als man vor ein paar Tagen die Masse ermittelte und auf 10 Billionen (nicht Trillionen, wie ursprünglich zu lesen) Kilogramm kam - dreimal so viel wie vorher geschätzt. Von wegen schmutziger Schneeball. Es herrscht also unter Europas Raumfahrern und Astronomen eine Art Daueranspannung - was kommt wohl noch an Überraschungen?

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Experten, die sich nun am Wochenende in Toulouse getroffen haben, um die jüngsten Aufnahmen und Messungen von Rosetta aus Entfernungen von 60 bis 100 Kilometern zu sondieren, haben es jedenfalls spannend gemacht. Aus einer Longlist von zehn möglichen Landeplätzen haben sie jetzt fünf ausgewählt: drei auf dem vermeintlichen kleineren „Kopf“ des Kometen und zwei Kandidaten-Landeoplätze auf dem „Körper“.

          Raumsonde Rosetta : Die Suche nach dem perfekten Landeplatz

          Keine Chance dagegen hatten die vermeintlich großen ebenen Stellen des vier mal drei Kilometer großen Brockens im Halsbereich des Kometen. Der Grund ist einfach: Es kommt nicht nur auf die mögliche Beschaffenheit und Struktur des Untergrunds an, sondern auch auf die Lage im Verhältnis zur Sonne. Mindestens sechs Stunden Tageslicht wünscht man sich schon, damit das hundert Kilogramm schwere Landegerät „Philae“, das mutmaßlich am 11. November auf dem Kometen aufsetzen wird, seine zehn Messgeräte an Bord sinnvoll einsetzen und nutzen kann.

          Staubige Ente mit rauher Oberfläche:  Der „Kopf“ des Kometen Tschuri oder 67P, zeigt auf den mit der Osiris-Kamera aufgenommenen Fotos seknrechte Striemen, auf dem glatten „Hals“ liegen lose Brocken herum, und der „Körper“ im unteren Teil sieht eher aus ein Klumpen wild zementierten Drecks.  Am 11. November soll der Lander „Philae“ irgendwo da auf dem Kometen aufsetzen. Nur auf welchem Untergrund kann sich das Landegerät sicher festkrallen?
          Staubige Ente mit rauher Oberfläche: Der „Kopf“ des Kometen Tschuri oder 67P, zeigt auf den mit der Osiris-Kamera aufgenommenen Fotos seknrechte Striemen, auf dem glatten „Hals“ liegen lose Brocken herum, und der „Körper“ im unteren Teil sieht eher aus ein Klumpen wild zementierten Drecks. Am 11. November soll der Lander „Philae“ irgendwo da auf dem Kometen aufsetzen. Nur auf welchem Untergrund kann sich das Landegerät sicher festkrallen? : Bild: ESA

          Das wissenschaftliche Messprogramm ist anspruchsvoll. Denn zum erstenmal überhaupt wird man mit der Landung auf einem Kometen etwas Genaueres über die innere Zusammensetzung, die Struktur und die Vorgänge auf den viereinhalb Milliarden Jahre alten Himmelskörpern erfahren. Anfangs hat „Philae“ nur eine Batteriekapazität für rund 64 Stunden. Nur wenn der Lander mit der Sonnenkraft ausreichend lange aufgeladen wird, wird er die gewünschten Messungen und Analysen  schaffen. Dann wird der Komet mit seiner anthropogenen Fracht  nur noch knapp 450 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt sein

          Bis es allerdings soweit ist, müssen noch 72 Millionen Kilometer im Tandemflug mit dem Duo Rosetta und Philae zurück gelegt und schließlich geklärt werden, wo überhaupt die Chancen für eine sichere Landung bestehen.  Schon Anfang September soll sich Rosetta in einen Orbit bis auf 30 Kilometer an den Kometen nähern. Dann wird man die fünf potentiellen Landeplätze möglichst zentimetergenau unter die Lupe nehmen und nach gefährlichen Dellen und Buckel absuchen. Mitte September dann steht wohl die Auswahl des Landeplatzes sowie einer möglichen Ersatzlandestelle fest.

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