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Fotos von Rosettas Zielkomet : „Eine einzigartige Gestalt“

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Die Osiris-Aufnahmen des Kerns von Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko, aufgezeichnet aus 37.000 Kilometer Entfernung in einem zeitlichen Abstand von vier Stunden. Bild: ESA

Festschnallen, der Landeanflug beginnt: Europas Kometenjäger Rosetta ist mit ihrer Landeeinheit dem Zielkometen „67P“ bis auf einige tausend Kilometer nahe gekommen. Die ersten aussagekräftigen Fotos begeistern die Forscher. Aber sie müssen auch auf Überraschungen gefasst sein.

          Was man im Weltraum so Nähe nennt: 37.000 Kilometer waren es nur noch, als die europäische Raumsonde Rosetta ihrem Zielkometen zum ersten Mal so nahe gekommen war, dass der gut fünf mal drei Kilometer große Eis-und-Staub-Brocken mit der großen Brennweite der „Osiris“-Kamera deutlich in den Fokus genommen werden konnte. Nur dreißig Pixel sind es gewesen, die auf dem digitalen Schnappschuss von dem Zielkometen aufgezeichnet wurden. Aber sie haben die Forscher begeistert: Von einer „einzigartigen Gestalt“ und „drei ausgeprägten Strukturen oder einer auffälligen Vertiefung“ ist die Rede. Eine „unregelmäßig erscheinender Körper“ sei zu erkennen - mehr noch nicht.. 

          Zehn Jahre nach dem Start der Rosetta-Sonde und eine lange Reise im „Tiefschlaf“ durch den Weltraum sind Jäger und Gejagter endlich auf Tuchfühlung. Die Osiris-Fotos wurden am 4. Juli aufgenommen, also vor knapp einer Woche. Von nun an, das war klar, geht es in die entscheidende Phase der Kometenjagd - einer Jagd, die mit dem Absetzen einer Landeeinheit auf dem Kometen im kommenden November ihren Höhepunkt haben soll.

          Niemand weiss bisher, wie genau der Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko wirklich aussieht, wie er beschaffen ist, was er enthält und was aus ihm werden wird, wenn er in Begleitung der Rosetta-Sonde in Richtung Sonne fliegt und die Hitze immer größer wird.

          Überrascht war man bei den Forschern der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der zahlreichen anderen beteiligten Instituten, darunter das Deutsche Zentrum für Luft- udn Raumfahrt und das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, als man vor einem Monat in der frühen Annäherungsphase mit dem Mikrowellen-Instrument „Miro“ den ausströmenden Wasserdampf gemessen hat. Jede Sekunde strömte der Komet da schon so viel wasserhaltiges Gas in die Umgebung, dass man damit zwei Gläser füllen könnte. In hundert Tagen könnte man bei den registrierten Wasserdampfmengen einen Swimmingpool füllen. Das ist weit mehr, als die gut zwanzig Wissenschaftler, die das Miro-Instrument betreuen, erwartet hatten. Schon im April hatte man aus der Ferne eine Koma aus Staub und Gas um den Kometenkern registriert. Offenbar ist der Koment schon früher als gedacht sehr „aktiv“ - das heißt, der zum Großteil aus Staub und Eis beschaffene Kometenkern wird von der Sonnenstrahlung bereits früher als gedacht verändert. Von der Sonne war der kleine Himmelskörper, der sich mutmaßlich schon vor Jahrmilliarden in der Frühzeit des Universum gebildet hatte, noch mehr als eine halbe Milliarde Kilometer entfernt. Der ausströmende Wasserdampf bildet am Ende, wenn sich der Komet weiter der Sonne nähert, auch den überwiegenden Teil des Kometenschweifs.

          Eine Animation der Rosetta-Sonde mit der Landeeinheit Philae über dem Zielkometen.

          Wie sich die erhöhte Aktivität des Kometenkerns auf den weiteren Ablauf der Mission auswirkt, ist noch unklar. Fest steht, dass die Rosetta-Sonde jetzt jeden Tag mit großen Schritten näher kommt. Die Spannung wächst. Denn von der Gestalt und der Oberfläche hängt es am Ende ab, wo man die Landeeinheit „Philae“ mit ihren zahlreichen Messintrumenten absetzen wird. Die Einschwenkphase beginnt in dien Tagen. In wenigen Wochen, am 6. August, wird Rosetta nur noch wenige hundert Kilometer über dem Kometen schweben und vom Kontrollzentrum in Darmstadt aus in eine feste Umlaufbahn gesteuert werden. Dann beginnen die entscheidenden Vorbereitungen für den „Abstieg“ und die Landung von Philae. Bis dahin wird man mit den zahlreichen Meßgeräten an Bord von Rosetta sowie mit dem hochauflösenden Kamerasystem Osiris immer wieder Aufzeichnungen machen, um mehr über die Konsistenz der Kometenoberfläche und die aussichtsreichsten Stellen für die Landung zu erfahren. 

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