https://www.faz.net/-gx0-7y2mc

#rosetta: Die Ladung auf 67P : Das Jahrhundertereignis 2014

Bild: Carola Mensch

Die Kometen-Mission Rosetta und die Landung des kleinen Roboters „Philae“ auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko war der größte Erfolg der unbemannten Raumfahrt, auch wenn vom Landegerät weiterhin jede Spur fehlt. Das schlummernde Mini-Labor könnte im Frühjahr ein Comeback erleben, wenn Tschuri aktiver wird.

          4 Min.

          Die Verlage der Wissenschaftsmagazine „Science“ und „Physics World“ sind sich einig. Das Top-Thema des Wissenschaftsjahres 2014 war eindeutig die europäische Kometen-Mission „Rosetta“ und die damit einhergehende spektakuläre Ladung des Forschungsroboters „Philae“ auf dem 500 Millionen Kilometer entfernten Schweifstern 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Die Zeitschrift „Nature“ zählt „Rosetta“-Flugdirektor Accomazzo sogar zu den zehn wichtigsten Forschern des Jahres. Und auch wir, die Redaktion von „Natur und Wissenschaft“, stimmen dieser Entscheidung zu. Denn kein Ereignis hat uns und unsere Leser dieses Jahr so gefesselt wie „Rosetta“.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Mission von Rosetta begann bereits am 20. Januar. 957 Tage nachdem die europäische Raumsonde Rosetta in einen „Winterschlaf“ versetzt worden war, hat man alle Instrumente des Fluggeräts wieder aktivieren können. Jubel bracht aus im Satellitenkontrollzentrum Esoc der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) in Darmstadt, als man das erste Signal von Rosetta empfing.

          Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, aufgenommen von Rosetta am 20. November aus einer Höhe von 42 Kilometern
          Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, aufgenommen von Rosetta am 20. November aus einer Höhe von 42 Kilometern : Bild: AP

          Bis dahin hatte Rosetta, die im März 2004 gestartet war, bereits eine Reisestrecke von mehr als sieben Milliarden Kilometer hinter sich. Davon verbrachte sie die letzten zwei Jahre im energiesparenden Schlafmodus. Am 28. März war die nächste Bewährungsprobe zu absolvieren. Der Weckruf für das Landemodul „Philae“, das Rosetta im Huckepack bei sich führte. Auch diese Aktion verlief erfolgreich.

          Fertigmachen zur Landung!

          Anfang Mai war die Sonde noch knapp zwei Millionen Kilometer von ihrem Ziel entfernt. Anfang Juni waren es noch 350.000 Kilometer und Mitte Juli nur noch 14.000 Kilometer. Am 1. August, eine Woche vor dem historischen Rendezvous, betrug die Entfernung zum Kometen nur noch 1000 Kilometer. Am Mittwoch, den 6. August, war es dann schließlich soweit: In einem Abstand von nur noch 100 Kilometer schwenkte Rosetta in die Umlaufbahn von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, auch liebevoll „Tschuri“ genannt, ein. Die Bilder aus nächster Nähe sind unvergessen, sie zeigten eine zerklüftete Kometenlandschaft aus Stein und Eis und einen Kometen, der dem üblichen Vorstellung nicht entsprach: 67P besitzt keine einfache runde Form, sondern besteht offenkundig aus einem kleineren und einem größeren Teil.

          Selfie von Rosetta  mit Komet 67P, aufgenommen am 7. Oktober 2014  von einer der „Çiva“-Kameras des Landegerätes „Philae“ aus etwa 16 Kilometern Entfernung von der Kometenoberfläche
          Selfie von Rosetta mit Komet 67P, aufgenommen am 7. Oktober 2014 von einer der „Çiva“-Kameras des Landegerätes „Philae“ aus etwa 16 Kilometern Entfernung von der Kometenoberfläche : Bild: AFP

          Nun galt es die zweite Etappe der historischen Mission vorzubereiten: Die Landung des Forschungsroboters „Philae“ auf Tschuri Mitte November. Dazu vermaß Rosetta den Kern und kartierte die Oberfläche von 67P. Dabei wurde die Umlaufbahn bis auf 15 Kilometer abgesenkt. Währenddessen hielten die Wissenschaftler der Esa Ausschau nach einem geeigneten Landeplatz auf dem Kometen für das 80 mal 80 mal 100 Zentimeter große und hundert Kilogramm schwere Landegerät. Nach längerer Beratung wählte man schließlich einen Landeplatz inmitten eines Krater auf dem Kopf des Schweifsterns.

          Philaes Hopser in den Schatten

          Am 12. November war schließlich der große Tag: Am Morgen wurde Philae von Rosetta aus einer Höhe von 22,5 Kilometer über der Kometenoberfläche abgekoppelt und flog im freien Fall in Richtung 67P/Tschuri. Sieben Stunden dauerte der Abstieg und um 16.35 Ortszeit setzte das kleine Landegerät auf. Doch erste eine halbe Stunde konnte die Missionsleitung in Darmstadt jubeln. Denn solange benötigten die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitenden Signale von Philae bis zur Erde.

          Weitere Themen

          Wissenwertes zur Zeitumstellung Video-Seite öffnen

          Videografik : Wissenwertes zur Zeitumstellung

          In der Nacht zum Sonntag wird wieder einmal an der Uhr gedreht: Um drei Uhr morgens werden die Uhren um eine Stunde von der Sommerzeit auf die mitteleuropäische Zeit (MEZ) zurückgestellt. Eine Videografik erläutert die Hintergründe der Zeitumstellung.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.