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Nasa-Rover „Opportunity“ : Selfie on Mars

Da war „Opportunity“ noch Mars-Neuling: 2004 nahe seiner Landestelle. Bild: NASA/JPL-Caltech

Vieles von dem, was wir heute über unseren Nachbarplaneten wissen, verdanken wir dem Nasa-Rover „Opportunity“. Das Ende der erfolgreichen Mission bietet Anlass zu einem Rückblick auf die weite Reise des Rovers.

          Selten ist eine wissenschaftliche Mission derart tränenreich zu Ende gegangen. Als die Nasa am vergangenen Mittwoch bekanntgab, dass die Kommunikation mit dem Rover „Opportunity“ nach mehr als 14 Jahren Forschungsaktivität auf der Marsoberfläche endgültig aufgegeben wurde, füllten sich die sozialen Medien innerhalb kürzester Zeit mit Nachrufen, Beileidsbekundungen und emotionalen Betroffenheitsschreiben. Insbesondere die angeblich letzten Worte des Rovers – „Meine Batterien sind fast leer, und es wird dunkel“ –, die dem Roboter als freie alltagssprachliche Übersetzung seiner letzten im Juni 2018 empfangenen Nachrichten von einem amerikanischen Wissenschaftsjournalisten in den Mund gelegt worden waren, machten das Schicksal des 1,4 Meter aufragenden Gefährts für viele Menschen emotional so nachvollziehbar, als wäre auf unserem Nachbarplaneten ein kleines Wesen nun erstmalig ohne menschliche Hilfe ganz auf sich allein gestellt.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Viele der Trauernden berichteten davon, wie sie das Schicksal des Rovers seit seiner Ankunft in der Meridiani-Planum-Ebene auf dem Mars am 25. Januar 2004 (Weltzeit) verfolgt hatten. Für einige der Wissenschaftler, die das Ende seiner Mission begleiteten, war „Opportunity“ dafür ausschlaggebend gewesen, einen wissenschaftlichen Karriereweg einzuschlagen. Das lange Leben des Marsrovers war ein unerwarteter Erfolg. Ursprünglich war die Dauer der Mission auf 90 bis 100 Marstage festgelegt worden, wobei ein Marstag 39 Minuten länger dauert als ein Tag auf der Erde. In dieser Zeit hätte „Opportunity“ etwa einen Kilometer zurücklegen sollen. Innerhalb von 5111 Marstagen (gerechnet bis zum Tag des letzten Kontaktes am 10. Juni 2018) kam er nun stattdessen rund 45 Kilometer weit auf der Marsoberfläche herum. Dass sich die Missionsdauer derartig verlängern konnte, lag daran, dass die Wissenschaftler ursprünglich davon ausgegangen waren, dass sich mit der Zeit Staub und Sand auf den Solarpanelen des Rovers ansammeln würden. Was sie dabei nicht berücksichtigt hatten, war, dass starke Marswinde, die jährlich zwischen November und Januar auftreten, diesen Staub immer wieder entfernen würden.

          Ein letztes Signal an „Opportunity“ und keine Antwort

          Auf die reinigende Kraft dieser Winde hatten die Wissenschaftler auch in den vergangenen Monaten wieder gehofft, nachdem „Opportunity“ im Sommer 2018 in einen der stärksten jemals auf dem Mars beobachteten Staubstürme geraten war. Am 12. Februar hatte die Nasa noch einmal ein letztes Signal an den Rover gesendet – ohne eine Antwort zu erhalten.

          Den Victoria-Krater erreichte „Opportunity“ 2006.

          „Opportunity“ besaß ursprünglich noch ein Zwillingsgefährt, den baugleichen Rover „Spirit“, der drei Wochen vor „Opportunity“, am 4. Januar 2004, auf der entgegengesetzten Seite des Planeten im Gusev-Krater gelandet war. Diese beiden Gefährte waren im Rahmen der Nasa-Mission „Mars Exploration Rover“ (MER) auf die erfolgreiche „Mars Pathfinder“ Mission der Nasa gefolgt, die im Sommer 1997 den ersten Mars-Rover mit Namen „Sojourner“ abgesetzt hatte. Der Bewegungsradius dieses Gefährts war allerdings auf die nächste Umgebung seiner Landeeinheit beschränkt gewesen – „Spirit“ und „Opportunity“ besaßen im Vergleich dazu weit größere Mobilität, da die Rover als autonome Einheiten konzipiert waren. Zwischen diesen beiden Missionen hatte das Marsprogramm der Nasa 1999 allerdings mit zwei derben Rückschlägen zu kämpfen gehabt. Der „Mars Climate Orbiter“ war aufgrund eines peinlichen Umrechnungsfehlers zwischen englischen und metrischen Einheiten in der Marsatmosphäre zerstört worden, der Kontakt zum „Mars Polar Lander“ ging während der Landung verloren.

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