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Megateleskop SKA : „Wir waren darauf nicht vorbereitet“

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Die ersten Prototypen der südafrikanischen Radioantennen sind schon augestellt. „MeerKat“ mit 64 Antennen wird gerade ausgebaut. Bild: REUTERS

Das „Square Kilometre Array“ ist ein Weltprojekt der Astronomie. Deutschland hatte sich von Anfang an dafür stark gemacht. Und nun soll plötzlich Schluss mit dem Engagement sein? Ein Gespräch mit Michael Kramer, dem führenden deutschen Radioastronomen aus Bonn.

          Herr Kramer, wie überraschend kam für Sie und Ihre Kollegen die Ankündigung aus Berlin, das SKA-Projekt zum 30. Juni 2015 verlassen zu wollen?

          Wir sind von der Nachricht vollkommen überrascht worden. Ich bin schriftlich vom Bundesforschungsministerium (BMBF) benachrichtigt worden, einen Tag später als die SKA-Organisation, die ein Schreiben aus Berlin am 5. Juni erhalten hat.

          Das BMBF behauptet, dass es „im vergangenen Jahr umfangreiche Konsultationen mit Hochschulinstituten, der Max-Planck-Gesellschaft sowie der Helmholtz-Gemeinschaft gab, bevor die Entscheidung getroffen wurde“. Waren Sie eingeweiht in die Entscheidung aus Berlin?

          Nein, in keiner Weise. Wir von der Max-Planck-Gesellschaft und Vertreter von Forschungsinstituten sowie von Universitäten hatten im August des vergangenen Jahres ein Treffen im BMBF, in dem es um die Frage ging, wie das SKA-Projekt sich um Aufnahme in die Liste der vom Ministerium als förderungswürdig eingestuften Projekte bewerben kann. Man sagte uns, dass es noch keine Möglichkeit gebe, sich für diese nationale „Roadmap“ zu bewerben. Es wurden weitere Gespräche vereinbart. Diese haben bislang nicht stattgefunden.

          Kennen Sie die Gründe, warum sich das BMBF von der Förderung des SKA zurückzieht?

          Es seien keine wissenschaftliche Gründe ausschlaggebend gewesen für die Entscheidung, wurde uns mitgeteilt. Als Grund wurden finanzielle Engpässe innerhalb des BMBF genannt.

          Offenkundig genießt das SKA-Projekt keine Priorität beim BMBF im Vergleich zu anderen Großvorhaben. Hätten Sie von Ihrer Seite nicht stärker auf das Ministerium einwirken müssen?

          Es wurden als Gründe für die finanziellen Engpässe Großprojekte wie der Teilchenbeschleuniger FAIR in Darmstadt und die Röntgenquelle XFEL in Hamburg genannt. Vielleicht haben wir die wissenschaftlichen und technologischen Gründe  für das Teleskop-Array nicht stark genug beim BMBF zum Ausdruck gebracht. 

          Michael Kramer, Direktor MPI für Radioastronomie in Bonn

          Man befürchtet in Berlin, dass das SKA zu hohe Kosten verursacht. Wie stark ist Deutschland beim „Square Kilometre Array“ finanziell engagiert?

          Derzeit hat Deutschland einen Mitgliedsbeitrag von einer Millionen Euro an die SKA-Organisation für vier Jahre gezahlt, davon trägt das BMBF die eine, die Max-Planck-Gesellschaft die andere Hälfte. Darüber hinaus gibt es Beiträge von 2,8 Millionen Euro, die von der Industrie, den Universitäten und Forschungsinstituten für die Projektentwicklung beim SKA eingebracht wurden. Das ist im Vergleich zu den Beiträgen anderer Partner gering.

          Wie hoch wird die Gesamtbelastung für Deutschland ausfallen?

          Die erste Ausbauphase von SKA bis 2022 wird 650 Millionen Euro kosten. Weil das Teleskop-Array aus vielen kleinen Antennen bestehen wird, hat man die Möglichkeit, über den Umfang des Ausbaus die Kosten zu regulieren, falls diese drohen, aus dem Ruder zu laufen. Wir werden Ende dieses Jahres wissen, was die einzelnen Komponenten kosten werden. Danach will man mit den Regierungen der beteiligten Ländern verhandeln, wie die Beiträge verteilt werden. Es ist bereits klar, dass Australien und Südafrika, wo die Teleskope stehen werden, höhere finanzielle Lasten tragen werden. England hat als Standort für das SKA-Hauptquartier bereits 100 Millionen Pfund zugesagt. Auf Deutschland könnten Investitionen von schätzungsweise zehn bis zwölf Prozent zukommen, also etwa 80 Millionen Euro - gestreckt auf acht Jahre.

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