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Marssonde „Insight“ : Hat der Mars tatsächlich gebebt?

  • -Aktualisiert am

Selfie der Marssonde „Insight“. Deutlich zu erkennen die beiden schirmförmigen Solarmodule. Bild: Nasa, Caltech

Vier Mal hat das Seismometer der Marssonde „InSight“ Erschütterungen des Boden des Planeten registriert. Doch es gibt Zweifel, ob es sich dabei tatsächlich um seismische Aktivität gehandelt hat.

          Im Inneren des Mars scheint sich etwas zu bewegen – denn es rumort. Diesen Schluss lassen jedenfalls die jüngsten Messungen mit einem Seismometer zu, das die Nasa-Sonde „Insight“ Ende November in der staubigen Ebene Elysium Planitia nahe dem Marsäquator ausgesetzt hatte. Seit Mitte März zeichnete das mehrere hundert Millionen Dollar teure Messinstrument mindestens vier Mal Erschütterungen des Marsbodens auf, die nicht vom Wind oder von Bewegungen der Sonde selbst stammen. Die amerikanische Raumfahrtbehörde (Nasa) sprach – vielleicht etwas voreilig – von „wahrscheinlichen Marsbeben“. Allerdings sehen bei genauem Augenschein die Seismogramme vom Mars den entsprechenden Aufzeichnungen von Erdbeben überhaupt nicht ähnlich.

          Beben in der Erde zeugen nicht nur davon, dass unser Planet selbst viereinhalb Milliarden Jahre nach seiner Entstehung immer noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Die von Erdbeben ausgelösten seismischen Wellen erlauben Geowissenschaftlern auch, das Innere der Erde zu durchleuchten, ähnlich wie Röntgenstrahlen einem Arzt einen Einblick in den menschlichen Körper gewähren.

          Auf dem Mars brummt es

          Den Erdbebenwellen ist es zu verdanken, dass wir den Schalenaufbau der Erde weitgehend verstanden haben. Unter einer dünnen Kruste gibt es den mehr als 2800 Kilometer dicken Erdmantel. Darunter liegen der äußere und der wesentlich kleinere Erdkern.

          Obwohl seit der ersten Landung von Sonden auf dem Mars mehr als 40 Jahre vergangen sind, wissen wir immer noch nicht, ob der „Rote Planet“ ähnlich wie die Erde aufgebaut ist oder ob er eine andere Struktur hat. Eines ist allerdings sicher: Große tektonische Platten, die wie auf der Erde auf einem extrem zähflüssigen, teilweise geschmolzenen Gesteinsbrei schwimmen, gibt es auf dem Mars nicht. Dementsprechend ist auch nicht klar, ob es auf dem Mars überhaupt Beben gibt.

          Die meisten Erdbeben finden in jenen Zonen statt, in denen tektonische Platten zusammentreffen. Dennoch wagte es die Nasa zusammen mit mehreren europäischen Partnern, ein Seismometer auf die nahezu 500 Millionen Kilometer lange Reise zum Mars zu schicken. Falls es tatsächlich Marsbeben gibt, könnte man aus den Aufzeichnungen des Seismometers den Aufbau des Mars berechnen.

          Seit dem 10. März hat das empfindliche Messgerät vier Mal Erschütterungen aufgezeichnet, die möglicherweise aus dem Inneren des Mars stammen. Das stärkste dieser Ereignisse fand am 7. April statt und rüttelte den Marsboden mehr als zehn Minuten lang. Die anderen drei Aufzeichnungen waren wesentlich schwächer. Keines der Signale sieht auch nur annähernd den Seismogrammen von Beben auf der Erde ähnlich. Erdbeben erzeugen starke impulsförmige Ausschläge, die von den verschiedenen Arten seismischer Wellen erzeugt werden. Die Erschütterungen auf dem Mars gleichen einem langen Brummen, dessen Stärke innerhalb von fünf Minuten allmählich anschwillt, um dann langsam auszuklingen.

          Als Bruce Banerdt, der Nasa-Chefwissenschaftler der Mission, jetzt auf der Jahrestagung der Seismologischen Gesellschaft Amerikas in Seattle zum ersten Mal die vier Marsseismogramme öffentlich zeigte, überwog unter dem Fachpublikum eher Skepsis. Statt von einem ruckartigen Marsbeben könnten die Erschütterungen beispielsweise von langsamen Verschiebungen von Gesteinsblöcken innerhalb des Mars verursacht worden sein, so wie man sie vom seismischen Tremor auf der Erde kennt. Allerdings gab Banerdt zu bedenken, dass es auch auf dem Mond, dem einzigen anderen Himmelkörper, von dem bisher Beben bekannt sind, ähnlich langsam an- und abschwellende Erschütterungen gibt. Das jedenfalls haben die vor fast 50 Jahren von Apollo-Astronauten auf dem Erdtrabanten aufgestellten Mondseismometer gemessen.

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