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Verkehrte Welt : Sonnenuntergang auf dem Mars

Der blaue Sonnenuntergang auf dem Mars Bild: Nasa

Der Marsrover Curiosity untersucht den Roten Planeten. Nun hat der Forschungsroboter der Nasa erstmals einen Sonnenuntergang fotografiert. Der Abendhimmel erscheint seltsamerweise blau.

          2 Min.

          Der Marsrover „Curiosity“ erklimmt seit einigen Wochen den Zentralberg des Gale-Kraters, in dem der autonome Forschungsroboter der Nasa vor zweieinhalb Jahren gelandet war. Dort hat er zunächst in einer als „Pahrump Hills“ bezeichneten Region zahlreiche Bohrungen vorgenommen und entnommene Gesteinsproben untersucht. Dann setzte er seine Fahrt fort und nähert sich nun einem höher gelegenen Hanggebiet, „Logan Pass“ genannt. Dort soll Curiosity eine auffällige dunkle Gesteinsschicht genauer untersuchen.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Auf seinem Weg zum „Logan Pass“ hat Curiosity einen kurzen Abstecher unternommen, um ein ehemaliges Tal zu erkunden, das jetzt von Sand bedeckt ist. „Auf Bildern, die wir unterwegs geschossen haben, war einigen Geologen unserer Gruppe eine Struktur aufgefallen, bei der es sich offenbar um ein Tal handelt, das einmal in den Fels geschnitten wurde, dann aber wieder mit Sedimenten aufgefüllt worden war“, erklärt Ashwin Vasavada, Projektmanager der Curiosity-Misson.

          Panoramaaufnahme von den Berghängen des Mount Sharp. Die an ein Gebäude erinnernden Strukturen in der Mitte des Bildes sind in Wirklichkeit Skalenangaben, deutlicher zu erkennen auf den Originalen der Nasa.
          Panoramaaufnahme von den Berghängen des Mount Sharp. Die an ein Gebäude erinnernden Strukturen in der Mitte des Bildes sind in Wirklichkeit Skalenangaben, deutlicher zu erkennen auf den Originalen der Nasa. : Bild: Nasa

          Der Nasa-Wissenschaftler will mit seinen Kollegen vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena herausfinden, wie sich das Tal in dem Untergrund geschnitten hat und wodurch es sich wieder aufgefüllt hat. „Das Füllmaterial sieht wie Sand aus“, sagt Vasavada. Ist der Sand vom Wind oder früherem  Wasser auf dem Mars transportiert worden? Wann entstand das Tal, wann wurde es zugeschüttet, fragen sich die Wissenschaftler derzeit.

          Der blaue Sonnenuntergang

          Während man in Pasadena die gesammelten Daten auswertet, hat der kleinwagengroße Rover inzwischen seine Fahrt zum Logan Pass fortgesetzt. Unterwegs fotografierte Curiosity ein ungewöhnliches Schauspiel: den Sonnenuntergang auf dem Mars. Die von der amerikanischen Weltraumagentur jetzt veröffentlichten Bilder, die mit der Mastcam-Kamera aufgenommen wurden, zeigen einen bläulichen Himmel und eine fast weiße Sonne, die hinter den Bergen am Horizont untergeht.

          Die vier Aufnahmen der Videosequenz wurden am 15. April (Marstag 956) innerhalb von 6 Minuten und 51 Sekunden geschossen, als ein Sandsturm über das Operationsgebiet von Curiosity hinwegfegte. Da die am Mast des Rovers angebrachte Kamera das einfallende Licht so ähnlich wahrnimmt wie das menschliche Auge, würden wir den Sonnenuntergang auf dem Mars ganz ähnlich sehen.

          Staub lässt Sonnenuntergang blau erscheinen

          Staub in der Marsatmosphäre, den der Sandsturm aufgewirbelt hat, lässt den Sonnenuntergang blau erscheinen und nicht orange, wie wir es auf der Erde gewohnt sind, erklärt Mark Lemmon, Wissenschaftler des Rover-Teams. Die blaue Farbe ist eine Folge der Lichtstreuung an den Staubpartikeln. Diese hätten genau die Größe, dass die blauen Anteile des Sonnenlichts effizienter durch die Marsatmosphäre dringen könnten als die langwelligeren Anteile.

          „Wenn die blauen Anteile des Lichts gestreut werden, dann geschieht das unter kleinen Winkeln, so dass sie sich eher in Richtung Sonne ausbreiten, so Lemmon. Der Rest des Marshimmels erscheint Gelb bis Orange, da längere Wellenlängen unter größeren Winkeln gestreut würden und sich dadurch in alle Richtungen ausbreiteten. Dieser Effekt ist laut Nasa Abends besonders ausgeprägt, da das Licht der untergehenden Sonne einen längeren Weg durch die Atmosphäre zum Beobachter nimmt. Am Tag dominieren am Marshimmel vor allem die roten Anteile des Sonnenlichts.  Auf der Erde ist es gerade umgekehrt. Hier sieht man bekanntlich am Abend einen roten Sonnenuntergang und tagsüber einen blauen Himmel. Der Grund dafür ist, dass das Sonnenlicht auf der Erde weniger an Staubpartikeln gestreut wird, sondern vielmehr an den Gas und Wasser-Molekülen der Atmosphäre.  Diese unterliegen einem anderen Streueffekt als die Staubpartikeln auf dem Mars.

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