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Marsmethan : Das Phantom vom Mars

  • -Aktualisiert am

Der Mars Bild: dpa/dpaweb

Was ist dran am Mars-Methan? Um die spektakulären Methan-Funde ist ein Forscherstreit innerhalb der Nasa entbrannt. Das Gas scheint sich in der Zwischenzeit verflüchtigt zu haben.

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          Wenn der neue amerikanische Rover "Curiosity", der noch in diesem Jahr auf den Weg zum Mars gebracht werden soll, im kommenden August auf dem Roten Planeten herumfährt, wird er unter anderem dieser Frage nachgehen: Welche Bedeutung kommt dem Methan zu, das man auf dem Roten Planeten aufgespürt hat? Aber nicht, weil jetzt die Industrie zu den Sternen greift. Vielmehr streiten die Forscher seit einigen Jahren darüber, ob die 2003 in der Marsatmosphäre entdeckten "Methanwolken" von geologischen Prozessen auf dem Roten Planeten stammen oder von Marsorganismen. In dieses wissenschaftliche Feuer haben im vergangenen Dezember Kevin Zahnle vom Ames Research Center der Nasa und zwei Kollegen Öl gegossen, als sie in einem in der Fachzeitschrift "Icarus" erschienenen Artikel die Existenz dieser Methan-Ansammlungen schlichtweg anzweifelten. Zahnle wird seitdem nicht müde, die entsprechenden kritischen Argumente öffentlich zu wiederholen. Er hat mittlerweile schon viele Wissenschaftler auf seine Seite gezogen. Durch den bevorstehenden Start der Raumsonde wird das Thema wieder aktuell.

          Flüchtiges Methan

          Als im Jahr 2003 eine Forschergruppe um Michael Mumma vom Goddard Space Flight Center der Nasa in der Zeitschrift "Science" berichtete, sie habe gewaltige, nicht miteinander verbundene Ansammlungen von Methan in der Marsatmosphäre entdeckt, war die Überraschung groß. Bis zu 70 ppb (Teile pro Milliarde) wurden dort registriert, wo das Methan sonst nur in Spuren beobachtet wird. Mit dem "Mars Express" der europäischen Raumfahrtbehörde Esa und mit irdischen Beobachtungen wurde der Befund bestätigt, wenn auch - etwa mit dem Canada-France-Hawaii-Teleskop in Hawaii - die "wolkenartige" Zusammenballung des Methans aufgrund zu geringen Auflösungsvermögens der Instrumente nicht immer erkannt wurde. Die zweite und womöglich noch größere Überraschung war, dass die Anreicherung des Methans offenbar saisonbedingt nur um den Sommer herum anhielt. Nach einigen Monaten waren die Moleküle wieder verschwunden.

          Doch Leben auf dem Mars?

          Aus chemischen Gründen ist die Verweildauer der Methan-Moleküle in der Atmosphäre des Mars nach Jahrhunderten bemessen. Größere Mengen würden auf jeden Fall einen Nachschub vom Planeten selbst notwendig machen. Eine Erklärung könnte sein, dass sich, wenn der Sommer naht, Spalten im Marsboden bilden, durch die vor Milliarden von Jahren entstandene Moleküle aus dem Planeten entweichen. Weil in der Atmosphäre der Erde aber fast alles Methan organischen Ursprungs ist, stellten vor allem die dem Glauben an Marsleben zugeneigten Forscher der Nasa eine andere These auf. Danach deutet das Methan in der Marsatmosphäre auf die Existenz von Organismen unter der Oberfläche des Planeten hin. Beiden Erklärungen erteilen Zahnle und seine Kollegen eine Abfuhr. Sie verweisen auf das oft angeführte Argument, das Methan in der Marsatmosphäre werde zwar zersetzt, aber es könne nicht in großen Mengen innerhalb von Monaten wieder verschwinden. Würde es beispielsweise durch Oxidation aus der Atmosphäre beseitigt, wäre nach weniger als zehntausend Jahren auch der gesamte freie Sauerstoff verschwunden, wofür es keine Hinweise gebe. Ebenso müsste jeder andere Prozess zur Beseitigung des Methans seine Spuren hinterlassen.

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