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Mars-Missionen : Keine Spur von Wasser

  • -Aktualisiert am

„Opportunity” zeigt einzelne Gesteinsschichten - 10.2.2004 Bild: dpa/dpaweb

Der amerikanische Marsrover "Opportunity" hat auf dem Mars keine Hinweise auf Wasser sondern nur auf Vulkanismus gefunden.

          3 Min.

          Als der Marsrover Opportunity die ersten Bilder von seinem Landeplatz zur Erde übertrug, war der Jubel bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa groß. Das Gefährt war innerhalb eines Kraters mit nur zwanzig Meter Durchmesser niedergegangen, dessen Boden eine ganz andere Struktur aufwies als der Boden in den Regionen, die von den übrigen Landegeräten erkundet wurden. Insbesondere fand man statt des Gerölls, von dem man nie weiß, aus welcher Gegend es herantransportiert worden ist, gewachsenen Fels. Damit haben die Geologen erstmals die Möglichkeit erhalten, Marsgestein zu untersuchen, dessen Entstehung sich lokalisieren läßt. Ein anderer Grund für die Nasa, über das Landegebiet zu jubeln, dürfte sich jetzt dagegen verflüchtigen. Denn der mineralogisch begründete Hinweis auf die frühere Existenz von Wasser in dieser Region, den die Raumsonde Mars Global Surveyor im Jahr 1998 geliefert hatte, scheint seiner Überzeugungskraft beraubt zu werden.

          Seit im Jahr 1996 eine Gruppe von Forschern um David McKay verkündete, sie habe in einem vom Mars stammenden Meteoriten - ALH 84001 - Spuren früheren Lebens entdeckt, wofür der tatsächliche Nachweis bislang ausblieb, ist "Wasser" für die Nasa eine Art Zauberwort geworden. Überall, wo man glaubt, Hinweise auf Wasser entdeckt zu haben, wird gleich die mögliche Entstehung von Leben ins Spiel gebracht. Für einen solchen Prozeß ist Wasser allerdings nur eine notwendige, keineswegs hingegen eine ausreichende Voraussetzung.

          Wasser-Argument heizt Diskussion um außerirdisches Leben an

          Wegen des Wasser-Arguments hat der Mars für die Spekulation um außerirdisches Leben eine besondere Bedeutung bekommen. Astronomisch gesehen ist der Planet nicht viel weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Demnach dürfte er zumindest anfangs durch ähnliche Prozesse geformt worden sein, folglich auch größere Mengen an Wasser enthalten haben. Kaum ein Wissenschaftler zweifelt daran, daß diese These zutrifft. Das würde auch die gewundenen Täler auf dem Planeten erklären, die an ausgetrocknete Flußläufe erinnern, und manch andere Strukturen.

          „Opportunity” untersucht Mars-Gestein näher - 10.2.2004

          Ein Teil seines früheren Wassers hat der Mars vermutlich wegen seiner geringen Schwerkraft verloren. Mit der europäischen Raumsonde Mars Express ist kürzlich beobachtet worden, daß Sauerstoff - eine Komponente des Wassers - vom Planeten entweicht. Niedriger Druck und niedrige Temperaturen sorgten dafür, daß sich das restliche Wasser nur noch in Form von Eis halten konnte, von dem ein Teil an den Marspolen gebunden ist. Der Mars Express hat dort eindeutig zwischen gefrorenem Wasser und Trockeneis - gefrorenem Kohlendioxyd - unterscheiden können. Mit einem anderen Gerät wurde Wasserdampf nachgewiesen, und demnächst wird die Sonde mit einem Radarsystem auf die Suche nach Wasser im Marsboden gehen.

          Hinweise auf Wasser bestimmten Landeplätze

          Bei der Wahl der Landeplätze für ihre Marsrover hat sich die Nasa von Hinweisen auf Wasser leiten lassen. Von dem Gusev-Krater, der so groß wie Hessen ist und in dem Spirit aufsetzte, glaubt man, daß er einst einen großen See beherbergt hat. Darauf könnte jedenfalls ein ehemaliges Flußbett hindeuten, das zu ihm hinführt. Für die Landung von Opportunity haben die Forscher die Ebene Meridiani Planitia erwählt, weil dort nach Messungen des Mars Global Surveyor großflächig das Mineral Hämatit verteilt ist. Es kommt auf der Erde vor allem in Verbindung mit stehenden Gewässern und heißen Quellen vor.

          Für die Nasa war es eine Bestätigung, daß schon bei den ersten mineralogischen Messungen des Marsrovers Opportunity tatsächlich Hämatit aufgespürt wurde. Allerdings scheint das Mineral nur Bestandteil des körnigen Belags zu sein, der den gewachsenen Felsen bedeckt, wodurch ortsbezogene Schlußfolgerungen erschwert werden. In den Felsen jedenfalls, die von den bei der Landung aufgestoßenen Airbags freigelegt wurden, ist Hämatit bislang nicht zu finden. Jetzt stellt sich die Frage, ob das Hämatit überhaupt die frühere Existenz von Wasser in dieser Region belegt. Denn das Mineral kann auch bei vulkanischen Aktivitäten entstehen. Hat es sich in der Anwesenheit von Wasser geformt, sind seine Körner rundlich und zusammengebacken. In seiner Nachbarschaft ist in diesem Fall mit Tonen und Karbonaten zu rechnen. Ist das Hämatit dagegen vulkanischen Ursprungs, müssen sich aus der Schmelze Kristalle gebildet haben, und in der Umgebung sind andere vulkanische Minerale wie Olivin und Pyroxen zu erwarten.

          Olivin entdeckt

          Vor wenigen Tagen hat die Nasa bekanntgegeben, daß sie mit dem Mößbauer-Spektrometer von Opportunity nun auch das grünliche Mineral Olivin entdeckt hat, das ebenso am Landeplatz von Spirit im Gusev-Krater vorgefunden wurde. Zumindest zum Teil, so gesteht die Raumfahrtbehörde ein, handele es sich bei dem Material des Bodens um feinkörnigen Basalt, also um vulkanisches Material. Auch ein anderer Befund an der Landestelle von Opportunity macht hellhörig. Mit dem "Mikroskop" des Rovers wurden auf dem Marsboden kleine Gesteinskügelchen mit zwei oder drei Millimeter Durchmesser entdeckt, deren Form einige Wissenschaftler zunächst auf die Einwirkung von Wasser zurückführten. Wenn sich kleine Körner in Gewässern hin- und herbewegen, lagert sich Material an, und sie werden kugelrund.

          Die genauere Analyse ergab aber, daß die Form der Gebilde für diese Art der Entstehung nicht kugelig genug ist. Außerdem fanden die Forscher kleine Poren, die auf Gaseinschlüsse hindeuten, und schließlich wurden die Kügelchen auch in dem gewachsenen Felsen nachgewiesen. Es spricht alles dafür, daß sie aus einer Gesteinsschmelze erstarrt sind, daß es sich also um Zeugen früheren Vulkanismus oder eventuell eines Meteoriteneinschlags handelt. Die Hoffnung, an diesem Landeplatz Belege für eine feuchte Vergangenheit des Planeten zu entdecken, scheint jedenfalls getrogen zu haben.

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