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Mars-Missionen : Forscher, Bilder, Sensationen

Die HRS-Kamera nimmt bestimmte Regionen zunächst von oben auf... Bild: Reuters

Nun funken auch europäische Instrumente spektakuläre Bilder vom Mars. Doch bei allem Jubel: Sensationen zeigen sie keine.

          4 Min.

          "Es ist keine Hypothese mehr - wir haben wirklich Wasser gesehen." Edelgard Bulmahn strahlte in die Kameras wie schon lange nicht mehr. Aber am Freitag im Darmstädter Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) mußte Deutschlands oberste Forschungspolitikerin ja auch nicht irgendwelche Pläne zur Entflechtung von Hochschulen und Spitzenforschung kommentieren. Vielmehr war es ein glanzvoller Moment eines der anspruchvollsten Esa-Unternehmen überhaupt: Die Sonde "Mars-Express", zuletzt durch ihr verschollenes Beiboot "Beagle 2" ins Gerede gekommen, erwies sich den Sonden der Nasa als ebenbürtig.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dennoch, die Ministerin war falsch gebrieft, wie man so sagt. Wasser wurde auf dem Mars bereits vor Jahrzehnten gesichtet; eine der heute maßgeblichen Arbeiten zu diesem Thema erschien bereits 1976. Seither steht fest, daß der Nordpol des Nachbarplaneten von einer Kappe aus Wassereis bedeckt ist. Daß auch die südliche Polkappe neben gefrorenem Kohlendioxyd ebenfalls H2O enthält, wurde zwar tatsächlich erst jetzt mit dem französischen Spektrometer Omega an Bord des Mars-Express nachgewiesen. Doch überrascht hat das in der Forscherzunft niemanden. Die amerikanische Sonde Mars-Odyssey hatte schon vor zwei Jahren hohe Konzentrationen eines wasserstoffhaltigen Materials unter Teilen des Marsbodens - und auch am Südpol - gefunden, bei dem es sich nach menschlichem Ermessen nur um Wasser handeln kann.

          Wichtige Erkenntnisse

          "Es ist allerdings wichtig, daß wir nun auch am Südpol Wassereis direkt nachweisen können", sagt Ralf Jaumann, Chef der Planetenforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin. Tatsächlich ist den Franzosen mit Omega ein technisches Glanzstück gelungen, ebenso wie Jaumanns Fachkollegen Gerhard Neukum mit seiner Hochleistungs-Stereokamera, deren erste Aufnahmen die Titelseiten der Zeitungen schmückten. Diese Bilder waren tatsächlich eine Sensation, wenn auch eher eine in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes als "Wahrnehmung". Mit Neukums Kamera kann der Mars-Express den roten Planeten wie aus einem niedrig fliegenden Flugzeug dreidimensional kartieren. Zwar hatte bereits die Sonde "Mars Global Surveyor" die Marskugel zwischen 1997 und 2000 komplett mit einem Laser abgetastet und dabei auch Bilder geschossen, die wie die jetzt gezeigten eine Auflösung von einigen Metern erreichen. "Doch die Amerikaner können nur kleine Areale so genau auflösen", erklärt Jaumann, "die Kamera vom Mars-Express dagegen erfaßt riesige Gebiete auf einmal."

          ... um sie später in Schrägischt umzurechnen

          Weniger glücklich ist Jaumann ehrlicherweise über Presseberichte, die verkündeten, die Europäer hätten auf dem Mars "ausgetrocknete Flüsse entdeckt" oder den "ersten eindeutigen Beweis" dafür, "daß es auf der Oberfläche des Mars einst große Mengen Wasser und damit wahrscheinlich auch Leben" gegeben habe. Da war wohl manchem - just als die Nasa Probleme mit ihrem Marsmobil "Spirit" meldete - die Freude über die Wiederherstellung der europäischen Marskompetenz etwas zu Kopfe gestiegen.

          Schon 1972 bekannt

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