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Mars-Mission : Das außerirdische Panorama hat uns überwältigt

  • -Aktualisiert am

Der Mars scheint doch nur ein entfernter Verwandter der Erde zu sein: Die Bilder von "Spirit" setzen die Spekulationen der letzten hundert Jahre fort.

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          "Sicher deutet das, was wir sehen, auf die Existenz von Lebewesen hin, die auf der Stufenleiter des Lebens über und nicht unter uns stehen." Verblüffend war diese Deutung markanter Strukturen auf dem roten Planeten schon im Jahr 1895, als der amerikanische Astronom Percival Lowell sie einem breiten Publikum in seinem Buch "Mars" darlegte. Achtzehn Jahre zuvor hatte der Mailänder Astronom Giovanni Schiaparelli auf der Oberfläche des Planeten ein Netzwerk schnurgerader dunkler Linien entdeckt, die er "canali" (Rillen, aber auch Kanäle) nannte. Sie waren auch mit den weißen Polkappen des Mars verbunden. Für Lowell stand deshalb fest, daß ein Klimawechsel den Planeten hatte weitgehend austrocknen lassen und daß daraufhin intelligente Marsbewohner ein planetenweites, von den eisbedeckten Polen aus gespeistes Bewässerungssystem angelegt hatten, um ihre Ernährung sicherzustellen. Und der Umfang des Systems konnte nur bedeuten, daß es auf dem Planeten keine politischen Grenzen mehr gab. Die friedfertigen Marswesen hatten sie abschaffen können - und waren den Menschen damit moralisch haushoch überlegen.

          Die Spekulationen von Schiaparelli und Lowell sind in der utopischen Literatur auf fruchtbaren Boden gestoßen - und auf skeptischere Autoren. H. G. Wells beispielsweise veröffentlichte (nur drei Jahre nach Erscheinen von Lowells "Mars", nämlich im Jahr 1898) mit dem "Krieg der Welten", in dem keineswegs angenehme Bewohner des Mars die Erde überfielen, den ersten Roman einer interplanetarischen Invasion.

          Ödnis weit und breit

          Naturgemäß waren es aber die positiven Visionen in Verbindung mit dem Mars, die von den Technikern der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa im Jahr 1997 noch einmal heraufbeschworen wurden, als die Raumsonde "Pathfinder" und der Rover "Sojourner" einen kleinen Flecken im Ares Vallis, einem weiten Tal auf dem roten Planeten, in Augenschein nahmen. Jedesmal, wenn im Ares Vallis die Sonne am Horizont erschien und ein neuer Tag anbrach, ertönte im Kontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifornien) ein anderes Wecklied für den "Sojourner". Mal war es "Obscured by Clouds" von Pink Floyd, mal "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss oder "Where the Streets Have No Name" von U 2.

          Wären die Lieder auf dem Mars selbst erklungen, hätte das selbst wieder das Thema eines neuen Romans sein können. Aber vielleicht hätte man dann lieber "Spiel mir das Lied vom Tod" anklingen lassen. Denn die Fotos vom Landeplatz des "Pathfinder" zeigten, wie trostlos es auf dem roten Planeten tatsächlich aussieht. Die jüngsten Bilder des Rover namens "Spirit" vom Boden des hessengroßen Gusev-Kraters verstärken diesen Eindruck noch: nichts als Ödnis weit und breit.

          Städte auf dem Mars

          Das Bild, das sich die Menschen vom Mars gemacht haben, hat sich mehrfach dramatisch geändert, und letztlich haben auch die Raumsonden keine endgültige Klarheit geschaffen. Denn was besagt es, daß es auf dem Planeten Polarkappen, riesige Vulkane und öde Wüsten wie auf der Erde gibt? Eine ganz andere Frage hat sich über die Jahrhunderte - fast seit Erfindung des Fernrohrs - gestellt: Gibt oder gab es auf dem Mars Leben, und sei es nur in primitiver Form? Den Beweisen pro oder kontra gegenüber ist Vorsicht geboten. Berücksichtigt man das Umfeld, war Lowells Argumentation für die Existenz uns überlegener Marsbewohner gar nicht so absurd. Auch wenn sie zu wilden Spekulationen Anlaß gab. Der Astronom Samuel Phelps Leland äußerte damals sogar, es werde möglich sein, Städte auf dem Mars zu sehen, Schiffe in seinen Häfen zu entdecken, den Rauch großer Industriestädte auszumachen.

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